Landtag Sachsen-Anhalt: Hampel tritt zurück
Wechsel nach Thüringen?
Donnerstag, 04. August 2016, 23:40 Uhr
Die Sangerhäuser SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Hampel (41) hat heute ihr Landtagsmandat zurückgegeben. Sie war am 13. März dieses Jahres nicht in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt worden, dennoch zog sie am 18. Mai dort ein, nachdem die SPD-Abgeordnete Petra Grimm-Benne Sozialministerin geworden war und ihren Abgeordnetenstuhl für die Nachrückerin Nadine Hampel geräumt hatte. Nun, knapp zweieinhalb Monate später, räumt Hampel ihrerseits diesen Stuhl.
Nach nur 78 Tagen Mitgliedschaft im Landtag erklärte Nadine Hampel ihren Verzicht auf das Abgeordnetenmandat. Bestätigen musste dies Landtagspräsident Peter Hardy Güssau (CDU), was dieser heute auch umgehend erledigte. Ob Frau Hampel Herrn Güssau über die Gründe für das Niederlegen ihres Mandats in Kenntnis gesetzt hat, ist offen, allerdings dürfte er so heiß auf ihre traurige Geschichte auch nicht gewesen sein: Er hat selbst genügend Sorgen. Laut Recherchen der Magdeburger Volksstimme soll Güssau als Chef der Stendaler CDU versucht haben, eine Wiederholung der gefälschten Stadtratswahl 2014 zu verhindern und die Wahlmanipulation zu vertuschen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Aus den Reihen der SPD-Fraktion wurde heute bereits die Forderung nach einem Rücktritt Güssaus als Landtagspräsident laut. Zurückgetreten ist er nicht, dafür eine Abgeordnete aus den Reihen des Koalitionspartners SPD: Nadine Hampel.
Hampel ist seit 2006 Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. In diesem Jahr hätte sie beinahe ihren dritten Einzug ins Parlament verpasst. Erst ihre Parteigenossin Grimm-Benne machte ihr den Weg frei, als sie Ministerin wurde und ihr Landtagsmandat niederlegte. Nadine Hampel gehörte laut Homepage des Landtages den Ausschüssen für Arbeit, Soziales und Integration, für Petitionen, für Recht, Verfassung und Gleichstellung sowie dem Wahlprüfungsausschuss an.
Dieselbe Homepage veröffentlicht folgende, auf persönlichen Angaben von Frau Hampel basierende aktuelle Kurzbiografie: Geboren am 15. Februar 1975 in Sangerhausen, ledig, ein Kind. Auf ihrer persönlichen Homepage teilt Frau Hampel zeitgleich mit: Geboren am 15. Februar 1975 in Sangerhausen, verheiratet, ein Sohn. Ledig? Verheiratet? Was richtig ist, ließ sich heute nicht nachprüfen: Frau Hampel war für msh-online nicht zu erreichen. Dafür war die Magdeburger "Volksstimme" informativer: In ihrer Online-Ausgabe teilt sie mit, dass Nadine Hampel am 15. August das Amt der Justiziarin im Kyffhäuser-Kreis antrete. Nach Wochen der Nackenschläge aus den eigenen Reihen für das katastrophale Abschneiden der SPD bei der Landtagswahl 2016 muss Nadine Hampel das Angebot der SPD-geführten Kyffhäuserkreisverwaltung als wahren Freundschaftsdienst empfunden haben.
Wir sprachen mit Hampels zeitweiser politischer Weggefährtin aus Sangerhausen, Katrin Scheffel. Seit 1994 SPD-Stadträtin, arbeitete sie in Ausschüssen und im SPD-Ortsverband, kurzzeitig auch als dessen Vorsitzende. Befragt, welche Erinnerung sie an die Zusammenarbeit mit Nadine Hampel habe, erklärte Frau Scheffel: Welche soll ich haben? Frau Hampel kam, sah und – prozessierte. Wie zu erfahren ist, warfen seinerzeit etwa zwei Drittel aller Ortsverbandsmitglieder Frau Hampel Selbstherrlichkeit, Arbeiten zum eigenen Vorteil statt für das Parteiwohl sowie Protokollfälschung in mehreren Fällen vor.
Frau Hampel saß als Landtagsabgeordnete im Trockenen – die Sangerhäuser Genossen dagegen blieben selbst dann, als sie beim damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Born um Hilfe ersuchten, in Regen stehen: keine Antwort. Verzweifelt wandten sie sich nun an den damaligen stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden Jens Bullerjahn (dessen Stellvertreter-Job heute Norbert Born inne hat), doch auch er zeigte kein Interesse, sich bei seiner Sangerhäuser Landtagsfraktionskollegin unbeliebt zu machen: null Reaktion. Die Verzweiflung unter den enttäuschten Genossen ging so weit, dass schließlich sogar ein Gründungsmitglied des SPD-Ortsvereins Sangerhausen nach Berlin an Siegmar Gabriel schrieb – auch dies vergebens. Kein Hilferuf wurde erhört. Frau Hampel schickte derweil ihre Anwälte gegen kritische SPD-Mitglieder und versuchte sie zum Schweigen zu bringen. Was dann, im Jahr 2010, in Sangerhausen passierte, brachte eine Zeitung auf die kurze Formel: SPD im Zorn verlassen. Damit war Frau Scheffel gemeint, die aus der Partei, der sie seit 1991 angehörte, austrat. Sie unterstützte fortan die Bürgerinitiative Ortschaften Sangerhausens (BOS).
Damals verließen weitere mehr als 20 enttäuschte Sozialdemokraten ihre Partei bzw. die SPD-Ortsgruppe, die damit auf einen Schlag um zwei Drittel schrumpfte.
Der parteipolitischen Karriere von Frau Hampel schadeten die seinerzeit in aller Öffentlichkeit verhandelten innerparteilichen Streitigkeiten offenbar nicht. Sie blieb im Landtag, wurde von ihren Chefgenossen stets auf die Liste gesetzt. Erst die denkwürdige Landtagswahl 2016 wurde auch für sie zu einer Angst- und Zitterpartie. Auf Listenplatz zwölf stehend, verpasste sie den Wiedereinzug ins Parlament und stand plötzlich ohne Job da. Erst der Verzicht der frisch gekürten SPD-Sozialministerin Petra Grimm-Benne auf ihren Abgeordnetenstuhl verhalf Nadine Hampel am 18. Mai zum Wiedereinzug ins Parlament. Nun der tiefe Fall aus Sachsen-Anhalts Hohem Haus in eine Thüringer Behörde. Als Justiziarin kann die Juristin Hampel dort immerhin fleißig prozessieren.
Jochen Miche
Autor: jmNach nur 78 Tagen Mitgliedschaft im Landtag erklärte Nadine Hampel ihren Verzicht auf das Abgeordnetenmandat. Bestätigen musste dies Landtagspräsident Peter Hardy Güssau (CDU), was dieser heute auch umgehend erledigte. Ob Frau Hampel Herrn Güssau über die Gründe für das Niederlegen ihres Mandats in Kenntnis gesetzt hat, ist offen, allerdings dürfte er so heiß auf ihre traurige Geschichte auch nicht gewesen sein: Er hat selbst genügend Sorgen. Laut Recherchen der Magdeburger Volksstimme soll Güssau als Chef der Stendaler CDU versucht haben, eine Wiederholung der gefälschten Stadtratswahl 2014 zu verhindern und die Wahlmanipulation zu vertuschen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Aus den Reihen der SPD-Fraktion wurde heute bereits die Forderung nach einem Rücktritt Güssaus als Landtagspräsident laut. Zurückgetreten ist er nicht, dafür eine Abgeordnete aus den Reihen des Koalitionspartners SPD: Nadine Hampel.
Hampel ist seit 2006 Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. In diesem Jahr hätte sie beinahe ihren dritten Einzug ins Parlament verpasst. Erst ihre Parteigenossin Grimm-Benne machte ihr den Weg frei, als sie Ministerin wurde und ihr Landtagsmandat niederlegte. Nadine Hampel gehörte laut Homepage des Landtages den Ausschüssen für Arbeit, Soziales und Integration, für Petitionen, für Recht, Verfassung und Gleichstellung sowie dem Wahlprüfungsausschuss an.
Dieselbe Homepage veröffentlicht folgende, auf persönlichen Angaben von Frau Hampel basierende aktuelle Kurzbiografie: Geboren am 15. Februar 1975 in Sangerhausen, ledig, ein Kind. Auf ihrer persönlichen Homepage teilt Frau Hampel zeitgleich mit: Geboren am 15. Februar 1975 in Sangerhausen, verheiratet, ein Sohn. Ledig? Verheiratet? Was richtig ist, ließ sich heute nicht nachprüfen: Frau Hampel war für msh-online nicht zu erreichen. Dafür war die Magdeburger "Volksstimme" informativer: In ihrer Online-Ausgabe teilt sie mit, dass Nadine Hampel am 15. August das Amt der Justiziarin im Kyffhäuser-Kreis antrete. Nach Wochen der Nackenschläge aus den eigenen Reihen für das katastrophale Abschneiden der SPD bei der Landtagswahl 2016 muss Nadine Hampel das Angebot der SPD-geführten Kyffhäuserkreisverwaltung als wahren Freundschaftsdienst empfunden haben.
Wir sprachen mit Hampels zeitweiser politischer Weggefährtin aus Sangerhausen, Katrin Scheffel. Seit 1994 SPD-Stadträtin, arbeitete sie in Ausschüssen und im SPD-Ortsverband, kurzzeitig auch als dessen Vorsitzende. Befragt, welche Erinnerung sie an die Zusammenarbeit mit Nadine Hampel habe, erklärte Frau Scheffel: Welche soll ich haben? Frau Hampel kam, sah und – prozessierte. Wie zu erfahren ist, warfen seinerzeit etwa zwei Drittel aller Ortsverbandsmitglieder Frau Hampel Selbstherrlichkeit, Arbeiten zum eigenen Vorteil statt für das Parteiwohl sowie Protokollfälschung in mehreren Fällen vor.
Frau Hampel saß als Landtagsabgeordnete im Trockenen – die Sangerhäuser Genossen dagegen blieben selbst dann, als sie beim damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Born um Hilfe ersuchten, in Regen stehen: keine Antwort. Verzweifelt wandten sie sich nun an den damaligen stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden Jens Bullerjahn (dessen Stellvertreter-Job heute Norbert Born inne hat), doch auch er zeigte kein Interesse, sich bei seiner Sangerhäuser Landtagsfraktionskollegin unbeliebt zu machen: null Reaktion. Die Verzweiflung unter den enttäuschten Genossen ging so weit, dass schließlich sogar ein Gründungsmitglied des SPD-Ortsvereins Sangerhausen nach Berlin an Siegmar Gabriel schrieb – auch dies vergebens. Kein Hilferuf wurde erhört. Frau Hampel schickte derweil ihre Anwälte gegen kritische SPD-Mitglieder und versuchte sie zum Schweigen zu bringen. Was dann, im Jahr 2010, in Sangerhausen passierte, brachte eine Zeitung auf die kurze Formel: SPD im Zorn verlassen. Damit war Frau Scheffel gemeint, die aus der Partei, der sie seit 1991 angehörte, austrat. Sie unterstützte fortan die Bürgerinitiative Ortschaften Sangerhausens (BOS).
Damals verließen weitere mehr als 20 enttäuschte Sozialdemokraten ihre Partei bzw. die SPD-Ortsgruppe, die damit auf einen Schlag um zwei Drittel schrumpfte.
Der parteipolitischen Karriere von Frau Hampel schadeten die seinerzeit in aller Öffentlichkeit verhandelten innerparteilichen Streitigkeiten offenbar nicht. Sie blieb im Landtag, wurde von ihren Chefgenossen stets auf die Liste gesetzt. Erst die denkwürdige Landtagswahl 2016 wurde auch für sie zu einer Angst- und Zitterpartie. Auf Listenplatz zwölf stehend, verpasste sie den Wiedereinzug ins Parlament und stand plötzlich ohne Job da. Erst der Verzicht der frisch gekürten SPD-Sozialministerin Petra Grimm-Benne auf ihren Abgeordnetenstuhl verhalf Nadine Hampel am 18. Mai zum Wiedereinzug ins Parlament. Nun der tiefe Fall aus Sachsen-Anhalts Hohem Haus in eine Thüringer Behörde. Als Justiziarin kann die Juristin Hampel dort immerhin fleißig prozessieren.
Jochen Miche


