Neues aus Sondershausen
"Südländische Bäume im Possenwald"
Sonntag, 14. August 2016, 20:21 Uhr
Bei einer Wanderung mit Vertretern des Forstamtes Sondershausen nutzen Bürger am Vormittag die Chance, einige Interessante Dinge über die Entwicklung des Waldes und speziell des Possenwaldes zu erfahren...
Am heutigen Sonntag lud das Forstamt Sondershausen am Vormittag zu einer Wanderung im Waldgebiet Possen ein. Treffpunkt war das Possendreieck (Kreuzung Possenauffahrt/Zufahrt zum Rondell).
Zu der ca. dreistündigen Wanderung (auf dem Weg des Naturlehrpfades) hatten sich etwas über ein Dutzend Bürger, Presse und sogar Fernsehen eingefunden. Und es gab Interessantes zu erfahren.
Das Waldgebiet um den Possen bei Sondershausen ist durch eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag der Thüringer Landesregierung in den thüringenweiten Focus geraten. Geplant ist die Ausweisung eines größeren Waldgebietes am Possen, in dem die forstliche Bewirtschaftung des Waldes eingestellt werden soll.
Der Inspektionsleiter-Nord Forstverwaltung Thüringen, Dr. Andreas Niepagen (re.) und Forstamtsleiter Uli Klüßendorf informierten zum Thema Wald und Forstwirtschaften wie im Waldgebiet Hainleite die Waldbewirtschaftung organisiert wird. Mit dabei, aber nicht im Bild Revierförster Andreas Knoll und ein Praktikant aus Ungarn, der zurzeit in der Region unterwegs ist.
Interessant dabei auch der Exkurs in die Geschichte des Waldes, denn was hier zur Zeit als Wald wächst hat im Laufe der Geschichte schon gravierende Änderungen erfahren und ist bei Leibe kein Natur- oder gar Urwald. Schon seit dem 16. Jahrhundert wurden die Wälder massiv durch den Eingriff der Menschen verändert, konnte man erfahren.
Sogar gesellschaftlich Epochen haben die Wälder massiv verändert. Vor der Revolution von 1848 waren wegen des hohen Tierbestandes (nur wenige Adlige durften jagen) die Wälder recht licht. Als nach der Revolution auch Bürger jagen durften wurde der Wildbestand stark gelichtet und die Wälder, auch hier in Thüringen, konnten dichter wachsen.
Starken Einschnitt in die Wälder brachte der 1. Weltkrieg weil weite Teile als Reparationszahlung (Holzlieferung) gerodet wurden und erst danach wieder eine Neuaufforstung erfolgte, und den Wald maßgeblich prägte, wie er sich jetzt zeigt.
Wussten Sie, dass das jetzige Waldstück zwischen Rondell und Dreieck entlang der Possenalle sogar vor Hundert Jahren recht kahl war? Heute zeigte sich ein Mischwald mit Bäumen wie Hainbuche, Esche und Feldahorn, die überwogen. Aber auch starker Nachwuchs, der sich ausgesät hatte, ist zu erkennen. Was wir nicht extra pflanzen müssen, erspart uns Kosten, so Klüßendorf.
Auch um die Holznutzung wurden eine Unmenge Zahlen rund ums Holz genannt. Pro Kopf wird in Deutschland 250 kg Papier verbraucht, und hier steckt viel Holz drin. Aber auch beim direkten Holzverbrauch sind wir nicht kleinlich, denn rund 1,3 Festmeter Holz verbraucht jeder von unds pro Jahr, was einer Baummasse entspricht, wie ihn das Bild des Baums in der Bildergalerie zeigt (schwarzes Kreuz).
Wussten Sie, dass Deutschland viel Holz exportiert? Nicht blank, aber zum Beispiel durch die starken Güterexporte in Form von Paletten! Aber auch Thüringen verkauft sogar Holz bis nach China. Kurios dabei, der Holztransport bis zum Hafen ist deutlich teurer, als der spätere Seetransport bis nach China.
Interessant, wie Klüßendorf am Beispiel erläuterte, wie sich der Verbiss an den Jungbäumen auswirkt. Übrigens nur 5 Prozent des Erlöses des Thüringenforst geht auf Wildverkauf zurück, der Rest kommt im wesentlichen aus dem Holzverkauf. Um einen Baum in der Möbelindustrie gebrachen zu können, muss er mindesten 60 cm Durchmesser haben. Fast die Hälfte eines Baumes ist nur als Industrieholz zu gebrauchen (Papier, Heizzwecke). Und der helle Baum in der Bildergalerie hat diese 60 cm noch nicht mal erreicht, ist aber schon rund 90 Jahre alt.
Interessant auch zu erfahren, dass Wildschweine im Wald kaum Schaden anrichten, wohl aber in den angrenzenden Feldern, so Klüßendorf.
An Hand der Schwarzkiefer (Bild oben und Bildergalerie) erklärte Klüßendorf, uns kommt es als Forstwirtschaft auf eine Vielfältigkeit der Baumarten an. Die Schwarzkiefer, die hier an der Possenallee wächst, ist eigentlich eine Baumart aus südlichen Ländern schon vor rund 100 Jahren hier gepflanzt wurden. Mit Baumvielfalt hofft man, die Auswirkung der Klimaveränderungen besser bewältigen zu können. Gerade der Possenwald leidet unter der anhaltenden Trockenheit der letzten Jahre! Nicht viel mehr als 500 mm Niederschlag kommen runter. Selbst der scheinbar so nasse diesjährige Sommer war für den Wald noch zu trocken, wie die Messungen zeigten.
Aber auch Interessantes aus der Nährstoffnutzung war zu erfahren und manche Sache aus der früheren Zeit erscheint gar nicht so sehr im "guten Licht". Ausgangspunkt war die Frage, gibt es denn noch genug Humus im Wald und wie sieht es im den Nährstoffen aus.
Nicht im Holz sind die meisten Nährstoffe und Mineralien gespeichert, sondern im Laub und in der Rinde. Es kommt also viel darauf an, Laub und Reisig im Wald zu lassen. Frühere Gepflogenheiten, wie das Laub aus dem Wald zur Einstreu in Ställen zu holen, und auch das "schöne Sauberhalten" durch die Holzlese, besonders während und nach dem 2. Weltkrieg, und zu DDR-Zeiten, hat dem Wald viele wichtige Nährstoffe gekostet.
Thüringenforst hat sich bei der Waldbewirtschaftung dem Nachhaltigkeitsprinzip der deutschen Forstwirtschaft verpflichtet, das heißt es wird immer nur soviel Holz entnommen, wie wieder nachwächst. So soll die Multifunktionalität der Wälder dauerhaft gesichert werden.
Alle interessanten Dinge konnte man nicht mitschreiben, aber es war ein sehr interessanter Waldspaziergang, der zum Nachdenken anregte.
Autor: khhAm heutigen Sonntag lud das Forstamt Sondershausen am Vormittag zu einer Wanderung im Waldgebiet Possen ein. Treffpunkt war das Possendreieck (Kreuzung Possenauffahrt/Zufahrt zum Rondell).
Zu der ca. dreistündigen Wanderung (auf dem Weg des Naturlehrpfades) hatten sich etwas über ein Dutzend Bürger, Presse und sogar Fernsehen eingefunden. Und es gab Interessantes zu erfahren.
Das Waldgebiet um den Possen bei Sondershausen ist durch eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag der Thüringer Landesregierung in den thüringenweiten Focus geraten. Geplant ist die Ausweisung eines größeren Waldgebietes am Possen, in dem die forstliche Bewirtschaftung des Waldes eingestellt werden soll.
Der Inspektionsleiter-Nord Forstverwaltung Thüringen, Dr. Andreas Niepagen (re.) und Forstamtsleiter Uli Klüßendorf informierten zum Thema Wald und Forstwirtschaften wie im Waldgebiet Hainleite die Waldbewirtschaftung organisiert wird. Mit dabei, aber nicht im Bild Revierförster Andreas Knoll und ein Praktikant aus Ungarn, der zurzeit in der Region unterwegs ist.
Interessant dabei auch der Exkurs in die Geschichte des Waldes, denn was hier zur Zeit als Wald wächst hat im Laufe der Geschichte schon gravierende Änderungen erfahren und ist bei Leibe kein Natur- oder gar Urwald. Schon seit dem 16. Jahrhundert wurden die Wälder massiv durch den Eingriff der Menschen verändert, konnte man erfahren.
Sogar gesellschaftlich Epochen haben die Wälder massiv verändert. Vor der Revolution von 1848 waren wegen des hohen Tierbestandes (nur wenige Adlige durften jagen) die Wälder recht licht. Als nach der Revolution auch Bürger jagen durften wurde der Wildbestand stark gelichtet und die Wälder, auch hier in Thüringen, konnten dichter wachsen.
Starken Einschnitt in die Wälder brachte der 1. Weltkrieg weil weite Teile als Reparationszahlung (Holzlieferung) gerodet wurden und erst danach wieder eine Neuaufforstung erfolgte, und den Wald maßgeblich prägte, wie er sich jetzt zeigt.
Wussten Sie, dass das jetzige Waldstück zwischen Rondell und Dreieck entlang der Possenalle sogar vor Hundert Jahren recht kahl war? Heute zeigte sich ein Mischwald mit Bäumen wie Hainbuche, Esche und Feldahorn, die überwogen. Aber auch starker Nachwuchs, der sich ausgesät hatte, ist zu erkennen. Was wir nicht extra pflanzen müssen, erspart uns Kosten, so Klüßendorf.
Auch um die Holznutzung wurden eine Unmenge Zahlen rund ums Holz genannt. Pro Kopf wird in Deutschland 250 kg Papier verbraucht, und hier steckt viel Holz drin. Aber auch beim direkten Holzverbrauch sind wir nicht kleinlich, denn rund 1,3 Festmeter Holz verbraucht jeder von unds pro Jahr, was einer Baummasse entspricht, wie ihn das Bild des Baums in der Bildergalerie zeigt (schwarzes Kreuz).
Wussten Sie, dass Deutschland viel Holz exportiert? Nicht blank, aber zum Beispiel durch die starken Güterexporte in Form von Paletten! Aber auch Thüringen verkauft sogar Holz bis nach China. Kurios dabei, der Holztransport bis zum Hafen ist deutlich teurer, als der spätere Seetransport bis nach China.
Interessant, wie Klüßendorf am Beispiel erläuterte, wie sich der Verbiss an den Jungbäumen auswirkt. Übrigens nur 5 Prozent des Erlöses des Thüringenforst geht auf Wildverkauf zurück, der Rest kommt im wesentlichen aus dem Holzverkauf. Um einen Baum in der Möbelindustrie gebrachen zu können, muss er mindesten 60 cm Durchmesser haben. Fast die Hälfte eines Baumes ist nur als Industrieholz zu gebrauchen (Papier, Heizzwecke). Und der helle Baum in der Bildergalerie hat diese 60 cm noch nicht mal erreicht, ist aber schon rund 90 Jahre alt.
Interessant auch zu erfahren, dass Wildschweine im Wald kaum Schaden anrichten, wohl aber in den angrenzenden Feldern, so Klüßendorf.
An Hand der Schwarzkiefer (Bild oben und Bildergalerie) erklärte Klüßendorf, uns kommt es als Forstwirtschaft auf eine Vielfältigkeit der Baumarten an. Die Schwarzkiefer, die hier an der Possenallee wächst, ist eigentlich eine Baumart aus südlichen Ländern schon vor rund 100 Jahren hier gepflanzt wurden. Mit Baumvielfalt hofft man, die Auswirkung der Klimaveränderungen besser bewältigen zu können. Gerade der Possenwald leidet unter der anhaltenden Trockenheit der letzten Jahre! Nicht viel mehr als 500 mm Niederschlag kommen runter. Selbst der scheinbar so nasse diesjährige Sommer war für den Wald noch zu trocken, wie die Messungen zeigten.
Aber auch Interessantes aus der Nährstoffnutzung war zu erfahren und manche Sache aus der früheren Zeit erscheint gar nicht so sehr im "guten Licht". Ausgangspunkt war die Frage, gibt es denn noch genug Humus im Wald und wie sieht es im den Nährstoffen aus.
Nicht im Holz sind die meisten Nährstoffe und Mineralien gespeichert, sondern im Laub und in der Rinde. Es kommt also viel darauf an, Laub und Reisig im Wald zu lassen. Frühere Gepflogenheiten, wie das Laub aus dem Wald zur Einstreu in Ställen zu holen, und auch das "schöne Sauberhalten" durch die Holzlese, besonders während und nach dem 2. Weltkrieg, und zu DDR-Zeiten, hat dem Wald viele wichtige Nährstoffe gekostet.
Thüringenforst hat sich bei der Waldbewirtschaftung dem Nachhaltigkeitsprinzip der deutschen Forstwirtschaft verpflichtet, das heißt es wird immer nur soviel Holz entnommen, wie wieder nachwächst. So soll die Multifunktionalität der Wälder dauerhaft gesichert werden.
Alle interessanten Dinge konnte man nicht mitschreiben, aber es war ein sehr interessanter Waldspaziergang, der zum Nachdenken anregte.












