Neues aus Sondershausen
Possenurwald: Könnte teuer für Bürger werden?
Donnerstag, 06. Oktober 2016, 13:09 Uhr
Gestern wurde auf dem Possen von Sondershausen nicht nur ein umfangreiches Plädoyer für den Possen als Urwald gehalten (kn berichtete), sondern es gab auch kritische Stimmen in der nachfolgenden Diskussion...
Viel politische Prominenz, namhafte Vertreter von Naturschutzbehörden und Institutionen hatten sich gestern auf dem Possen eingefunden. Thema: Die geplante Umgestaltung der Wälder der Hainleite rund um den Possen
Ziel ist, rund 2.500 ha Wald in der Hainleite ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Was alles passieren könnte haben heute Befürworter im Einzelnen erläutert. Eingeladen hatten u.a der BUND, Nabu und Die Grünen.
Plädoyer für den Possen als Urwald
Über die grundlegenden Ausführungen von Ministerin Siegesmund (Birgit Keller (Die Linke) als zweite Ministerin - Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft – hatte Vertreter entsandt) hatte kn bereits als Meldung aus dem Umweltministerium berichtet.
Urwald rund um den Possen
Nach den grundlegenden Vorträgen ging es in die Diskussion. Burkhard Vogel Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen hatte die Moderation übernommen. Im Präsidium saßen weiter Landrätin des Kyffhäuserkreises Antje Hochwind (SPD), Dirk Trute von der Bürgerinitiative Pro Kyffhäuserwald und Hainleite, Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnis 90/Die Grünen), Manuel Schweiger von der zoologischen Gesellschaft Frankfurt und Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender und Mitbegründer des BUND Deutschland.
Die erste Wortmeldung kam noch während der Vorträge. Ein pensionierte Forstmann (studiert in der Forstschule Tharandt) bezweifelte, dass es gelingen wird den Buchwald ohne Eingriffe des Menschen erhalten zu können. Seine Meinung:
"Der Possen war früher eine Strauchlandschaft und wurde erst später mit Buchen bepflanzt. Ohne pflegerische Eingriffe werden sich die Rotbuchen nicht gegenüber anderen Baumarten durchsetzen können."
Ziel ist ja eigentlich den Buchenbestand zu erhalten und alt werden zu lassen, so Prof. Dr. Weiger, weil die Rotbuche nur in Europa vorkommt und die Bestände abnehmen.
So richtig wurde dieses Argument des Bürgers nicht entkräftet, denn man sagte nur, das Ganze müsse beobachtet werden.
Eine Bürgerin sprach über ihre Sorgen, die das Projekt Urwald Possen bedeuten könnte:
"- Ich sehe Vernichtung von Arbeitsplätzen weil wesentlich weniger Arbeitskräfte im Wald gebraucht werden.
- Ich sehe Vernichtung von Arbeitsplätzen in den Verarbeitungsbetrieben der Holzindustrie
- Rohstoffe vergammeln im Wald. Jeder will doch schöne Möbel haben.
- Einnahmen für Stadt und Land entfallen."
Ministerin Siegesmund: Wir werden einen Weg für die Beschäftigten finden. Wir dürfen nicht bei der Erhaltung der Naturvielfalt Wirtschaftlichkeit und Ökologie gegeneinander ausspielen.
Dirk Trute: Rund zwei Drittel des Holzes aus der Hainleite wird eh nur direkt verbrannt oder zu Pellets verarbeitet.
Der Personalratsvorsitzende von Thüringenforst ist zwar aufgeschlossen für das Projekt Urwald, aber wir müssen mit den Mensch arbeiten und zeigen wie es weiter gehen soll. Seine Forderung, es darf nicht nur ein Wahlkampfthema sein, Koalitionsvertrag abgehakt.
Bei Thüringenforst muss es ein Umdenken geben und es muss von der Politik finanziert werden.
Wie groß muss den die Urwaldfläche sein? war eine Frage? Es kam der Vorwurf, können es nicht viele kleine Flächen von 20 bis 50 Hektar sein? Mehr Trttstein-Biotopr statt einem Großreservat?
Manuel Schweiger: Es gibt keine keine präzise Grüße, in Europa sollten es aber 3.000 ha sein, in Deutschland vielleicht etwas kleiner weil es nicht genügend zusammenhängende Flächen gibt.
Nicht direkt ausgesprochen aber die Hainleite ist wohl doch nur der Wald, der es ermöglicht mit einer großen Fläche den Bedingungen des Koalitionsvertrages nachkommen zu können und auch die zahlen für Deutschland zu verbessern.
Bis Ende der Legislaturperiode will Siegesmund mit dem Projekt beginnen. Wie das Resultat ausgehen wird, sei allerdings ach über so einen langen Zeitraum unklar so Siegesmund. Hochwind sicherte ein Prüfung zu.
Ein Problem stand im Raum das wohl nicht ausreichend beantwortet werden konnte und auch recht enttäuschend war:
Über die die möglichen Kosten, wer sie tragen wird und wie es mit den Arbeitskräften weiter gehen soll gab es keine konkrete Information, war offensichtlich auch nicht zur Hand was bei so einem großen Projekt unverständlich ist.
Enttäuschend allerdings auch, dass der Vertreter für Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (ihr untersteht auch der Forst) kaum einen Ton in die Veranstaltung einbrachte.
Volker Gebhardt Chef des Thüringenforst hatte gerade noch Zeit kurz vor Ende der Diskussion einige Zahlen zu nennen, mit denen man mal nachrechnen könnte, was das Ganze so an Arbeitskräfte und Geld kosten könnte:
Gebhardt:Der Wald in Thüringen ist älter geworden. Bei Thüringenforst arbeit 1.400 Beschäftigte. 100 Festmeter Holzernte sichert einen Arbeitsplatz. 10 Festmeter kann man im Schnitt von einem Hektar ernten. Ca. 110 Euro werden pro Festmeter an Steuern abgeführt (alle Zahlen ohne Gewähr).
Fazit:
Die gestrige Diskussion zeigt, das Projekt ist bei den Kosten und den Arbeitskräften noch nicht annähernd durchdiskutiert und ausgereift. Nur das Bekenntnis, wir wollen die Natur in ihrer Vielfalt erhalten.
Und auch in Sondershausen müssen Stadt und Stadträte gut aufpassen. Es ging es den Ausführungen nicht hervor, wie groß die Fläche ist, die der Stadt Sondershausen gehört und ebenfalls aus der Nutzung genommen werden soll. Hier hängt die Versorgung des Heizwerkes der Stadtwerke dran und es entstehen auch Einnahmeverluste, wenn kein Holz verkauft wird. Wer wird die Verluste kompensieren und das für immer und ewig wenn das Projekt Urwald Possen gelingt.
Es können, bei aller Liebe zur Natur (ich persönlich finde das Projekt gut), die Einnahmeverluste nur durch die große Gemeinschaft des Landes und des Bundes getragen werden, aber nicht vielleicht besonders durch die Bürger von Sondershausen, so ein Bürger heute im Gespräch mit kn. Es wird also akribisch auch die Finanzierung auf den Prüfstand müssen, damit nicht Sondershausen in einigen Jahren wegen der fehlenden Einnahmen Steuern und Bürgerbeiträge erhöhen muss.
Karl-Heinz Herrmann
Autor: khhViel politische Prominenz, namhafte Vertreter von Naturschutzbehörden und Institutionen hatten sich gestern auf dem Possen eingefunden. Thema: Die geplante Umgestaltung der Wälder der Hainleite rund um den Possen
Ziel ist, rund 2.500 ha Wald in der Hainleite ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Was alles passieren könnte haben heute Befürworter im Einzelnen erläutert. Eingeladen hatten u.a der BUND, Nabu und Die Grünen.
Plädoyer für den Possen als Urwald
Über die grundlegenden Ausführungen von Ministerin Siegesmund (Birgit Keller (Die Linke) als zweite Ministerin - Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft – hatte Vertreter entsandt) hatte kn bereits als Meldung aus dem Umweltministerium berichtet.
Urwald rund um den Possen
Nach den grundlegenden Vorträgen ging es in die Diskussion. Burkhard Vogel Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen hatte die Moderation übernommen. Im Präsidium saßen weiter Landrätin des Kyffhäuserkreises Antje Hochwind (SPD), Dirk Trute von der Bürgerinitiative Pro Kyffhäuserwald und Hainleite, Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnis 90/Die Grünen), Manuel Schweiger von der zoologischen Gesellschaft Frankfurt und Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender und Mitbegründer des BUND Deutschland.
Die erste Wortmeldung kam noch während der Vorträge. Ein pensionierte Forstmann (studiert in der Forstschule Tharandt) bezweifelte, dass es gelingen wird den Buchwald ohne Eingriffe des Menschen erhalten zu können. Seine Meinung:
"Der Possen war früher eine Strauchlandschaft und wurde erst später mit Buchen bepflanzt. Ohne pflegerische Eingriffe werden sich die Rotbuchen nicht gegenüber anderen Baumarten durchsetzen können."
Ziel ist ja eigentlich den Buchenbestand zu erhalten und alt werden zu lassen, so Prof. Dr. Weiger, weil die Rotbuche nur in Europa vorkommt und die Bestände abnehmen.
So richtig wurde dieses Argument des Bürgers nicht entkräftet, denn man sagte nur, das Ganze müsse beobachtet werden.
Eine Bürgerin sprach über ihre Sorgen, die das Projekt Urwald Possen bedeuten könnte:
"- Ich sehe Vernichtung von Arbeitsplätzen weil wesentlich weniger Arbeitskräfte im Wald gebraucht werden.
- Ich sehe Vernichtung von Arbeitsplätzen in den Verarbeitungsbetrieben der Holzindustrie
- Rohstoffe vergammeln im Wald. Jeder will doch schöne Möbel haben.
- Einnahmen für Stadt und Land entfallen."
Ministerin Siegesmund: Wir werden einen Weg für die Beschäftigten finden. Wir dürfen nicht bei der Erhaltung der Naturvielfalt Wirtschaftlichkeit und Ökologie gegeneinander ausspielen.
Dirk Trute: Rund zwei Drittel des Holzes aus der Hainleite wird eh nur direkt verbrannt oder zu Pellets verarbeitet.
Der Personalratsvorsitzende von Thüringenforst ist zwar aufgeschlossen für das Projekt Urwald, aber wir müssen mit den Mensch arbeiten und zeigen wie es weiter gehen soll. Seine Forderung, es darf nicht nur ein Wahlkampfthema sein, Koalitionsvertrag abgehakt.
Bei Thüringenforst muss es ein Umdenken geben und es muss von der Politik finanziert werden.
Wie groß muss den die Urwaldfläche sein? war eine Frage? Es kam der Vorwurf, können es nicht viele kleine Flächen von 20 bis 50 Hektar sein? Mehr Trttstein-Biotopr statt einem Großreservat?
Manuel Schweiger: Es gibt keine keine präzise Grüße, in Europa sollten es aber 3.000 ha sein, in Deutschland vielleicht etwas kleiner weil es nicht genügend zusammenhängende Flächen gibt.
Nicht direkt ausgesprochen aber die Hainleite ist wohl doch nur der Wald, der es ermöglicht mit einer großen Fläche den Bedingungen des Koalitionsvertrages nachkommen zu können und auch die zahlen für Deutschland zu verbessern.
Bis Ende der Legislaturperiode will Siegesmund mit dem Projekt beginnen. Wie das Resultat ausgehen wird, sei allerdings ach über so einen langen Zeitraum unklar so Siegesmund. Hochwind sicherte ein Prüfung zu.
Ein Problem stand im Raum das wohl nicht ausreichend beantwortet werden konnte und auch recht enttäuschend war:
Über die die möglichen Kosten, wer sie tragen wird und wie es mit den Arbeitskräften weiter gehen soll gab es keine konkrete Information, war offensichtlich auch nicht zur Hand was bei so einem großen Projekt unverständlich ist.
Enttäuschend allerdings auch, dass der Vertreter für Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (ihr untersteht auch der Forst) kaum einen Ton in die Veranstaltung einbrachte.
Volker Gebhardt Chef des Thüringenforst hatte gerade noch Zeit kurz vor Ende der Diskussion einige Zahlen zu nennen, mit denen man mal nachrechnen könnte, was das Ganze so an Arbeitskräfte und Geld kosten könnte:
Gebhardt:Der Wald in Thüringen ist älter geworden. Bei Thüringenforst arbeit 1.400 Beschäftigte. 100 Festmeter Holzernte sichert einen Arbeitsplatz. 10 Festmeter kann man im Schnitt von einem Hektar ernten. Ca. 110 Euro werden pro Festmeter an Steuern abgeführt (alle Zahlen ohne Gewähr).
Fazit:
Die gestrige Diskussion zeigt, das Projekt ist bei den Kosten und den Arbeitskräften noch nicht annähernd durchdiskutiert und ausgereift. Nur das Bekenntnis, wir wollen die Natur in ihrer Vielfalt erhalten.
Und auch in Sondershausen müssen Stadt und Stadträte gut aufpassen. Es ging es den Ausführungen nicht hervor, wie groß die Fläche ist, die der Stadt Sondershausen gehört und ebenfalls aus der Nutzung genommen werden soll. Hier hängt die Versorgung des Heizwerkes der Stadtwerke dran und es entstehen auch Einnahmeverluste, wenn kein Holz verkauft wird. Wer wird die Verluste kompensieren und das für immer und ewig wenn das Projekt Urwald Possen gelingt.
Es können, bei aller Liebe zur Natur (ich persönlich finde das Projekt gut), die Einnahmeverluste nur durch die große Gemeinschaft des Landes und des Bundes getragen werden, aber nicht vielleicht besonders durch die Bürger von Sondershausen, so ein Bürger heute im Gespräch mit kn. Es wird also akribisch auch die Finanzierung auf den Prüfstand müssen, damit nicht Sondershausen in einigen Jahren wegen der fehlenden Einnahmen Steuern und Bürgerbeiträge erhöhen muss.
Karl-Heinz Herrmann

