GEDENKFEIER IN DER CYRIACIKAPELLE
Ein Kerzenlicht für jedes Opfer
Sonntag, 20. November 2016, 15:37 Uhr
Grau, trüb, nasskalt, bedrückend – das Wetter gestern entsprach dem traurigen Anlass: der Gedenkfeier in der Cyriacikapelle der Kreismusikschule für die Opfer im Straßenverkehr und anderer Unglücksfälle in den Landkreisen der Polizeiinspektion Nordhausen...
Ein Kerzenlicht für jedes Opfer. Im Bild entzündet Pastorin Steffi Wiegleb Kerzen. Im Hintergrund Vereinsvorsitzende Michaela Knoblauch. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Einer alljährlichen Tradition folgend, gedachten wieder die Mitglieder des Vereins Notfallseelsorge und Krisenintervention Nordthüringen der Opfer im Straßenverkehr und anderer Unglücksfälle in den Stadt- und Landkreisen Nordhausen, Eichsfeld und Kyffhäuser.
Jochen Seliger gründete den Verein 1997. Im Vorjahr ging der 1. Polizeihauptkommissar in Rente. Michaela Knoblauch, schon im Vorstand tätig, übernahm im Mai 2015. Als Pflegedienstleiterin und damit im medizinischen Bereich tätig lernte sie hautnah Notsituationen vieler Menschen kennen. Das bewog die freiberufliche Referentin, deren Name laut Visitenkarte auch für Unternehmensberatung/Management steht, ohne Wenn und Aber höhere Verantwortung zu übernehmen.
32 Menschen registrierte der Verein, die im Zeitraum November 2015 bis Ende Oktober diesen Jahres ihr Leben verloren. Während die Vorsitzende die Namen der Verstorbenen verlas, zündeten reihum Notfallseelsorger Kerzen an. Für jedes Opfer eine. Worte der Erinnerung und des Gedenkens sprachen neben Michaela Knoblauch auch Pastorin Steffi Wiegleb und Diakon Edmund Döring. Alle würdigten den hohen Einsatz der Rettungskräfte, Helferinnen und Helfer.
Vereinsgründer Jochen Seliger erlebte in seiner langjährigen Tätigkeit vielfach Trauer und Schmerz. Und doch berühre es ihn jedes Mal, wenn er eine so furchtbare Nachricht vom Tod eines Menschen erhielt, hatte er in einem Gespräch mit der nnz betont. Die Seelsorger durchliefen zwar für ihre Tätigkeit eine theoretische Grundausbildung. Zudem würden Rollenspiele geübt, um im Falle eines Falles gewappnet zu sein. Menschen in schweren Stunden Trost zu spenden, sie einfühlsam in den Arm zu nehmen, den Schmerz lindern zu helfen – trotz aller Übungen und Theorie falle es immer wieder schwer, zumal, wenn es Kinder betreffe, sprach Seliger aus Erfahrung.
Unangepasste Geschwindigkeit, grober Leichtsinn, Drogen und Alkohol waren Hauptunfallursachen für die Opfer im Straßenverkehr, hob die Vereinsvorsitzende hervor. Die Statistik der Gedenkfeiern – sie erfolgen seit nunmehr 18 Jahren – besagt eine Zunahme der Opferzahlen. Weder nahmen sich aber mehr Menschen das Leben oder wurden Opfer irgendwelcher Unfälle – die Notfallseelsorge und Krisenintervention Nordthüringen gewann an Bedeutung, woraus sich steigende registrierte Ziffern ergaben. 40 Einsätze schlagen für die vergangene Saison zu Buche.
Vielleicht hatten sich die Veranstalter mehr Angehörige der Verstorbenen zu dieser Gedenkfeier gewünscht. Es waren weitaus mehr Notfallseelsorger, Vertreter der Feuerwehr und Polizei anwesend als Hinterbliebene. Eventuell wollten diese den für sie schweren Weg vermeiden, ruft er doch schmerzliche Erinnerung wach.
Wo finde ich Trost und Halt, wenn mich die schreckliche Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen erreicht? Der eine in Gott, sehe in Jesus Christus seinen Adressaten, meinte Diakon Döring. Andere im Weltlichen: bei den Angehörigen und vertrauten Menschen. Und immer wieder Zweifel und Fragen. Auch gestern. Wo war Gott, als mein Mann, die Frau, Tochter, Sohn oder eine andere geliebte Person auf tragische Weise, oft völlig unschuldig, ums Leben kam?
Ob es einen Gott irgendwo in unserem Sonnensystem oder den Weiten des Alls gibt, der alles lenkt und leitet, wie streng Gläubige meinen (demnach auch alles, was in dieser Welt geschieht), ist und bleibt eine Glaubensfrage, die sich jeder für sich zu beantworten hat. Auch bei Trauer- und Gedenkfeiern.
Kurt Frank
Autor: red
Ein Kerzenlicht für jedes Opfer. Im Bild entzündet Pastorin Steffi Wiegleb Kerzen. Im Hintergrund Vereinsvorsitzende Michaela Knoblauch. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Einer alljährlichen Tradition folgend, gedachten wieder die Mitglieder des Vereins Notfallseelsorge und Krisenintervention Nordthüringen der Opfer im Straßenverkehr und anderer Unglücksfälle in den Stadt- und Landkreisen Nordhausen, Eichsfeld und Kyffhäuser.
Jochen Seliger gründete den Verein 1997. Im Vorjahr ging der 1. Polizeihauptkommissar in Rente. Michaela Knoblauch, schon im Vorstand tätig, übernahm im Mai 2015. Als Pflegedienstleiterin und damit im medizinischen Bereich tätig lernte sie hautnah Notsituationen vieler Menschen kennen. Das bewog die freiberufliche Referentin, deren Name laut Visitenkarte auch für Unternehmensberatung/Management steht, ohne Wenn und Aber höhere Verantwortung zu übernehmen.
32 Menschen registrierte der Verein, die im Zeitraum November 2015 bis Ende Oktober diesen Jahres ihr Leben verloren. Während die Vorsitzende die Namen der Verstorbenen verlas, zündeten reihum Notfallseelsorger Kerzen an. Für jedes Opfer eine. Worte der Erinnerung und des Gedenkens sprachen neben Michaela Knoblauch auch Pastorin Steffi Wiegleb und Diakon Edmund Döring. Alle würdigten den hohen Einsatz der Rettungskräfte, Helferinnen und Helfer.
Vereinsgründer Jochen Seliger erlebte in seiner langjährigen Tätigkeit vielfach Trauer und Schmerz. Und doch berühre es ihn jedes Mal, wenn er eine so furchtbare Nachricht vom Tod eines Menschen erhielt, hatte er in einem Gespräch mit der nnz betont. Die Seelsorger durchliefen zwar für ihre Tätigkeit eine theoretische Grundausbildung. Zudem würden Rollenspiele geübt, um im Falle eines Falles gewappnet zu sein. Menschen in schweren Stunden Trost zu spenden, sie einfühlsam in den Arm zu nehmen, den Schmerz lindern zu helfen – trotz aller Übungen und Theorie falle es immer wieder schwer, zumal, wenn es Kinder betreffe, sprach Seliger aus Erfahrung.
Unangepasste Geschwindigkeit, grober Leichtsinn, Drogen und Alkohol waren Hauptunfallursachen für die Opfer im Straßenverkehr, hob die Vereinsvorsitzende hervor. Die Statistik der Gedenkfeiern – sie erfolgen seit nunmehr 18 Jahren – besagt eine Zunahme der Opferzahlen. Weder nahmen sich aber mehr Menschen das Leben oder wurden Opfer irgendwelcher Unfälle – die Notfallseelsorge und Krisenintervention Nordthüringen gewann an Bedeutung, woraus sich steigende registrierte Ziffern ergaben. 40 Einsätze schlagen für die vergangene Saison zu Buche.
Vielleicht hatten sich die Veranstalter mehr Angehörige der Verstorbenen zu dieser Gedenkfeier gewünscht. Es waren weitaus mehr Notfallseelsorger, Vertreter der Feuerwehr und Polizei anwesend als Hinterbliebene. Eventuell wollten diese den für sie schweren Weg vermeiden, ruft er doch schmerzliche Erinnerung wach.
Wo finde ich Trost und Halt, wenn mich die schreckliche Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen erreicht? Der eine in Gott, sehe in Jesus Christus seinen Adressaten, meinte Diakon Döring. Andere im Weltlichen: bei den Angehörigen und vertrauten Menschen. Und immer wieder Zweifel und Fragen. Auch gestern. Wo war Gott, als mein Mann, die Frau, Tochter, Sohn oder eine andere geliebte Person auf tragische Weise, oft völlig unschuldig, ums Leben kam?
Ob es einen Gott irgendwo in unserem Sonnensystem oder den Weiten des Alls gibt, der alles lenkt und leitet, wie streng Gläubige meinen (demnach auch alles, was in dieser Welt geschieht), ist und bleibt eine Glaubensfrage, die sich jeder für sich zu beantworten hat. Auch bei Trauer- und Gedenkfeiern.
Kurt Frank
