kyffhaeuser-nachrichten.de
Lichtblick

„Frohes Fest“

Freitag, 16. Dezember 2016, 07:00 Uhr
Diesen Glückwunsch können wir in diesen Tagen schon manches Mal vernehmen, vor allem dann, wenn wir dem Menschen wohl bis Weihnachten nicht wieder begegnen...


„Und was macht ihr so Weihnachten?“ hörte ich einen älteren Herrn auf der Straße eine Frau fragen. „Gar nichts, die Kinder sind beschäftigt, ich werde Fernsehen schauen.“ „Aber Weihnachten ist doch das Fest der Liebe!“ entgegnete der freundliche Herr. „Ach ja, das dachte ich auch mal, aber davon bin ich geheilt.“ …dann war ich aus Hörweite.

Was feiern wir eigentlich, zum gefühlt höchsten Feiertag des Jahres? Ein Tag, der für viele Menschen zur Identität des Abendlandes gehört. Ein Tag, den Jung und Alt, Männer und Frauen, Inländer und (manche) Ausländer, der Großteil der Weltbevölkerung gleichermaßen feiern? Ein Fest der Liebe! Ein Fest der Familie! Das ist wohl wahr.

Doch was ist, wenn Familie keine Lust am Feiern mit den Großeltern, Eltern, Kindern oder Enkeln hat, weil die Liebe schon vor Jahren zerbrach, weil Streit an der Tagesordnung ist, weil…

Menschen können sich aus so vielen Gründen miteinander überwerfen und dieses Zerwürfnis dann mit Hingabe pflegen. Was bleibt dann? Was feiern wir dann?

Ich will kein Loblied auf die „alten Zeiten“ singen, als alle Menschen in der Gesellschaft noch Christen waren. Diese Zeiten waren nicht besser, sie waren lediglich anders. Obwohl die Gesellschaft christlich dominiert war, gab es zwei Weltkriege und Ungerechtigkeit. Die Christlichkeit der Gesellschaft ist kein Garant für Gerechtigkeit und Frieden, wenn sie nicht auch christlich handelt. Doch wie geht das? Die Antwort ist einfach und schwierig zugleich.

Das wichtigste ist, sich von dem Inhalt des Festes selbst anrühren zu lassen. Das heißt, dass wir uns frei machen von dem vielen Tand, der zuweilen am Fest wie Zuckerguss klebt. Jedes Jahr gibt es neue CDs mit Interpretationen von Weihnachtsliedern, die mit noch mehr „Schmalz“ und Timbre in der Stimme gesungen werden, denen aber keine Herzlichkeit abzuspüren ist. Vom süßen Christkindlein ist da die Rede, von rotnasigen Rentieren, von einem Weihnachtsmann, der eigentlich ein Bischof war und St. Nicolaus (Santa Claus) hieß.

Die Äußerlichkeit wird immer auffälliger, je mehr die Innerlichkeit fehlt. Das ist an manchen Häusern in unseren Orten derzeit abzulesen, die die Nacht zum Tag machen und „lichtverschmutzen“ (engl: light pollution). Was innerlich nicht zur Ruhe kommt, verschafft sich nach Außen einen Ausdruck.

Weihnachten ist eigentlich ein Geburtstag. Wir feiern die Geburt eines anderen, der oft gar nicht da ist. Insofern stellt sich die Frage, was da gefeiert wird, schon wieder. Was wird gefeiert, wenn das Geburtstagskind nicht die Mitte des Festes ist? Ist das richtig, dass wir jemandes Geburtstag feiern und sonst so tun, als gäbe es ihn nicht: GOTT? Die meisten Feiertage, die wir in Deutschland feiern haben einen Grund, den die Mehrheit der ostdeutschen Gesellschaft gar nicht für wahr hält. Gefeiert wird trotzdem. Das ist absurd.

Sollten dann nicht nur die nichtchristlichen Feiertage begangen werden? Es wären immerhin zwei im ganzen Jahr: 1. Mai und 3. Oktober. Und was verteidigen die patriotischen Deutschen da immer wieder, wenn sie die deutsche Leitkultur in Gefahr sehen? Was ist das konkret, wenn nicht die christliche Kultur?

Ich wünschte mir, dass wir ins Nachdenken kommen, bevor wir uns „frohes Fest“ wünschen. Was feiern wir konkret? Warum sollen wir froh werden? Worüber sollen wir uns freuen und was will uns anrühren? Ein Kind in der Krippe, in ärmlichsten Verhältnissen. Ein Flüchtling vor dem herrschenden König Herodes, der Bettler, Hirten und Sternendeuter zu seinen Geburtszeugen hat.

Wir sollen nicht alles von uns erwarten, wir sind die nicht Hauptakteure, sondern dieses kleine Kind, GOTT in einem Kind. Ohne dieses Kind gäbe es dieses Fest nicht. Von uns brauchen wir nichts abhängig machen – von ihm dürfen wir alles erwarten. Nicht jeder unserer Wünsche wird sich erfüllen, denn GOTT ist kein Wunschautomat, aber alle seine Verheißungen werden sich erfüllen. Doch was ist uns verheißen? Das GOTT uns anrühren und verändern will. Wir dürfen so bleiben wie wir sind. Aber wir müssen es nicht. Wie gut es ist, dass zu wissen, denn nicht alles an uns sollte bleiben wie es ist: Streitsucht, Geltungssucht, Eitelkeit, Selbstgefälligkeit, Macht- und Besitzdenken u.s.w.

Im Angesicht dieses Kindes spielt es keine Rolle mehr, dieses Kind streckt sich nach uns aus und will uns berühren und anrühren. Wir sollen es „be-greifen“ – ganz handfest.

Lassen Sie sich dazu einladen, zu den Gottesdiensten am 4. Advent, ganz leise. Zu den Gottesdiensten am Heiligen Abend, zuweilen etwas lauter, sogar mit Schafsgeblöke in Hohenbergen (15 Uhr) und in Seehausen (16 Uhr) im Stall. Dann wieder besinnlicher in den eigentlichen Weihnachtsfeiertagen.

Die Freude über diese Geburt und die Einwohnung GOTTes wünsche ich Ihnen - und davon ausgehend ein frohes Fest. Das wünsche ich uns allen,
Ihr Superintendent Kristóf Bálint

Kommentare sind hierzu nicht möglich
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de