Einen Hersteller gesucht und einen...
...mehrfachen DDR-Meister des Rennsports gefunden!
Dienstag, 03. Januar 2017, 18:43 Uhr
In allen nostalgischen Bereichen stellt sich in der Regel als erstes die Frage, welchen Ursprung eine Sache oder ein Produkt hat. Ob Antikes, Kunstwerke oder auch bei technischen Entwicklungen, möchte der jeweilige Sammler bzw. Besitzer, Wissen über den Schöpfer und über das dazu gehörige Zeitfenster erlangen...
Dieses Wissen um einen historischen Gegenstand, ist oft auch mit einer geistigen Zeitreise in die Vergangenheit verbunden, denn diese ist unter anderem bei der Bewertung und natürlich auch bei der Gestaltung des Preises von großer Bedeutung.
Im vorliegenden Fall handelte es sich um eine aus GFK hergestellte Motorrad - Rennverkleidung, welche 2014 in Magdeburg auf der sogenannte Ommma (Ost Mobil Meeting Magdeburg) von einem Teilehändler aus den Niederlanden zum Kauf angeboten wurde.
In dem Kaufgespräch wurde mitgeteilt, dass dieser gewerbsmäßige Händler in den frühen 1990iger Jahren im Osten systematisch Fahrzeuge und Ersatzteile, natürlich für wenige DM aufkaufte, und nach 24 Jahre noch immer gut daran verdient. Die besagte Verkleidung, welche sich noch in einem jungfräulichen Zustand befand, hatte der Händler von einem Garagenbesitzer in der Nähe von Magdeburg gekauft. Angaben zum Hersteller und zum Produktionszeitraum konnte er natürlich nicht liefern.
Man wurde sich trotzdem handelseinig und das Relikt aus der ehemaligen DDR- Rennsportgeschichte kam in die Werkstatt des Textautors, welcher den Plan hegte, diese Verkleidung zu einem späteren Zeitpunkt an eine Jawa 350 anzubauen.
Bereits nach einigen Wochen des Kaufabschlusses, begannen die Recherchen nach dem Ursprung dieses Produktes. Bücher, Internet und Fragen im Freundeskreis brachten über viele Monate kein befriedigendes Ergebnis. Die Verkleidung wurde aber trotz der fehlenden Angaben zu deren Entstehung gereinigt und für die spätere Montage vorbereitet. Nach der Fertigstellung der dazu notwendigen Halterungen, erfolgte die Anpassung, die Lackierung und die anschließende Montage.
Bei einem Treffen von Oldtimer Freunden im Sommer 2016 stellte ein Betrachter fest, dass diese Rennverkleidung ggf. eine sog. Thaßler - Verkleidung sein könnte, welche ursprünglich für die MZ ETS 250 hergestellt wurde.
Nun richteten sich die weiteren Recherchen auf den Namen Thaßler und das Internet gab neben den biografischen Daten, dem motorsportlichen Relikt in meiner Werkstatt auch ein menschliches Gesicht. Mit großen Interesse konnte ich die Biografie eines Mannes zur Kenntnis nehmen, dessen Lebensmaxime darin besteht, in seinem Denken und Handeln das für ihn "Absolute" zu erreichen.
Hartmut Thaßler, ist einer der erfolgreichsten Rennfahrer der ehemaligen DDR, ein hervorragender Konstrukteur und ein erfolgreicher Unternehmer in Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft und war einst ausgestattet auch mit Privilegien für seine Leistungen. Dieses Internet Ergebnis war dann Veranlassung genug, nun den persönlichen Kontakt zu suchen, auch um die abschließende Sicherheit zu erlangen, dass die Verkleidung an meiner Maschine auch wirklich aus der Produktion des Hartmut Thaßler stammt.
Nach mehreren Telefongesprächen war das Eis gebrochen und ein Besuchstermin am 28.12.2016 vereinbart. Mehrere Mitglieder des Ost Klassiker Klubs Wolkramshausen gingen mit auf die Reise nach Leipzig um diese lebende Legend des DDR - Rennsportes persönlich einmal kennen zu lernen.
In seinen heiligen Räumen informierte der heute etwas über 75 Jährige, wie sein bisheriges Leben verlief. Geboren wurde Hartmut Thaßler am 12.05.1941 in Leipzig. Nach dem Schulabschluss, erlernte er von 1957 - 1959 den Beruf des KFZ- Schlossers. Ab 1964 wurde er zum KFZ - Meister ausgebildet und ab 1974 eröffnete er seinen eigenen Betrieb.
Seine ersten Kontakte zum Rennsport in der damals noch sehr jungen DDR, entstanden 1951 durch seine Verwandschaft auf der Insel Rügen. Die DDR existierte damals unter der Führung des ersten Präsidenten Wilhelm Pieck (* 03.01.1876, + 07.09.1960) kaum 2 Jahre, aber bereits am 24.07.1949, noch vor der offiziellen Gründung der DDR am 07.10 1949 fand in Stralsund das erste Bäder - Rennen, nach dem 2. Weltkrieg statt.
1954 bekam die damalige DDR prominenten Zuwachs in Person des einstigen "Silber Pfeil" Werksrennfahrer von Mercedes, Manfred von Brauchitsch (*15.08.1905, +05.02.2003), der von 1957 - 1960 Präsident des Allgemeinen Deutschen Motorsport Verbandes (ADMV) wurde, sich u. a. für die Belange des Motorsports der DDR einsetzte und bis zu seinem Lebensende weitere hohe Funktionen im Sport der DDR, inne hatte..
Die ersten Fahr- bzw. Rennversuche absolvierte Hartmut Thaßler auf einer DKW RT. Er wurde später Mitglied des MC Ragwitz/Delitsch und bestritt von 1963 - 1965 seine ersten Rennen mit einer MZ 250 Serienmaschine. Von 1966 -1969 folgten Rennen in der Ausweis- und Lizenz - Klasse bis 250 cm³.
Ab 1970 setzte er seine Laufbahn erfolgreich mit Spezialtourenwagen der Marke Melkus RS 1000 fort und wird im gleichen Jahr DDR - Meister in der Kategorie B 5.
1972 gewinnt Hartmut Thaßler den ADMV - Pokal in der Kategorie Formel 3 - LK II und erreicht 1974 den 3. Platz der DDR - Meisterschaft in der Kategorie C9 - LK I.
Im selben Jahr entsteht in seiner Werkstatt der der sog. Hartmut Thaßler Shiguli (HTS).
Im Zeitraum von 1974 - 1976 fertigt seine Werkstatt 18 Exemplare des HTS Formel - Easter - Rennwagen (Klasse C 9). 1975 erreicht Hartmut Thaßler erneut den DDR - Meister Titel in der Formel Easter LK I.
Von 1977 - 1979 entstehen in Zusammenarbeit mit der Rennfahrerfamilie Melkus aus Dresden die Rennfahrzeuge MT 77 (Melkus/Thaßler). Den aktiven Rennsport beendet Hartmut Thaßler 1982 in Schleiz.
Weiterhin aktiv und auch wirtschaftlich erfolgreich ist er in seiner Firma, die über viele Jahre Produkte aus GFK herstellt. Dazu zählten Karosserieteil für PKW, Boote für die Seerettung, Surfbretter, Rennverkleidungen und Formkörper für Kinder Karusselle. Nach seinen Angaben, konstruierte und produzierte seine Firma auch 3 Hausboote und 4 Wohnmobilaufbauten auf der Fahrzeugbasis des Barkas B 1000.
Hartmut Thaßler liebt bis heute den Reiz der Geschwindigkeit. Er besitzt eine Lizenz für die Schifffahrt und auch eine als Pilot. Schnelle Autos gehören noch heute zu seinem Leben. Für seine Lebensleistungen wurde er zum Präsidenten der ostdeutschen Fahrervereinigung HAIGO (Historische Automobilrennsport Interessen Gemeinschaft) 2004 berufen. Dieses Ehrenamt begleitet er bis 2011.
Am Ende des Besuches bei Hartmut Thaßler steht nun für den Autor dieses Beitrages fest, dass die 2014 erworbene Rennverkleidung eindeutig aus dessen ehemaliger Produktion stammt. Obwohl er diese Verkleidung für die formschöne und leistungsstarke MZ ETS 250 einst konstruiert und gefertigt hatte, ist sie auch an einer sportlichen Jawa 350 ein formschönes Gestaltungselement.
Die Mitglieder des Ost Klassiker Klubs Wolkramshausen erlebten bei ihren Besuch einen sympatischen Sachsen, der entscheidendes in der Geschichte des DDR Rennsportes geleistet hat.
Hubert Rein, Vorsitzender des Ost Klassiker Klubs
Wolkramshausen
Informationen dazu unter: www.oldtimer-wolkramshausen.de
Autor: redDieses Wissen um einen historischen Gegenstand, ist oft auch mit einer geistigen Zeitreise in die Vergangenheit verbunden, denn diese ist unter anderem bei der Bewertung und natürlich auch bei der Gestaltung des Preises von großer Bedeutung.
Im vorliegenden Fall handelte es sich um eine aus GFK hergestellte Motorrad - Rennverkleidung, welche 2014 in Magdeburg auf der sogenannte Ommma (Ost Mobil Meeting Magdeburg) von einem Teilehändler aus den Niederlanden zum Kauf angeboten wurde.
In dem Kaufgespräch wurde mitgeteilt, dass dieser gewerbsmäßige Händler in den frühen 1990iger Jahren im Osten systematisch Fahrzeuge und Ersatzteile, natürlich für wenige DM aufkaufte, und nach 24 Jahre noch immer gut daran verdient. Die besagte Verkleidung, welche sich noch in einem jungfräulichen Zustand befand, hatte der Händler von einem Garagenbesitzer in der Nähe von Magdeburg gekauft. Angaben zum Hersteller und zum Produktionszeitraum konnte er natürlich nicht liefern.
Man wurde sich trotzdem handelseinig und das Relikt aus der ehemaligen DDR- Rennsportgeschichte kam in die Werkstatt des Textautors, welcher den Plan hegte, diese Verkleidung zu einem späteren Zeitpunkt an eine Jawa 350 anzubauen.
Bereits nach einigen Wochen des Kaufabschlusses, begannen die Recherchen nach dem Ursprung dieses Produktes. Bücher, Internet und Fragen im Freundeskreis brachten über viele Monate kein befriedigendes Ergebnis. Die Verkleidung wurde aber trotz der fehlenden Angaben zu deren Entstehung gereinigt und für die spätere Montage vorbereitet. Nach der Fertigstellung der dazu notwendigen Halterungen, erfolgte die Anpassung, die Lackierung und die anschließende Montage.
Bei einem Treffen von Oldtimer Freunden im Sommer 2016 stellte ein Betrachter fest, dass diese Rennverkleidung ggf. eine sog. Thaßler - Verkleidung sein könnte, welche ursprünglich für die MZ ETS 250 hergestellt wurde.
Nun richteten sich die weiteren Recherchen auf den Namen Thaßler und das Internet gab neben den biografischen Daten, dem motorsportlichen Relikt in meiner Werkstatt auch ein menschliches Gesicht. Mit großen Interesse konnte ich die Biografie eines Mannes zur Kenntnis nehmen, dessen Lebensmaxime darin besteht, in seinem Denken und Handeln das für ihn "Absolute" zu erreichen.
Hartmut Thaßler, ist einer der erfolgreichsten Rennfahrer der ehemaligen DDR, ein hervorragender Konstrukteur und ein erfolgreicher Unternehmer in Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft und war einst ausgestattet auch mit Privilegien für seine Leistungen. Dieses Internet Ergebnis war dann Veranlassung genug, nun den persönlichen Kontakt zu suchen, auch um die abschließende Sicherheit zu erlangen, dass die Verkleidung an meiner Maschine auch wirklich aus der Produktion des Hartmut Thaßler stammt.
Nach mehreren Telefongesprächen war das Eis gebrochen und ein Besuchstermin am 28.12.2016 vereinbart. Mehrere Mitglieder des Ost Klassiker Klubs Wolkramshausen gingen mit auf die Reise nach Leipzig um diese lebende Legend des DDR - Rennsportes persönlich einmal kennen zu lernen.
In seinen heiligen Räumen informierte der heute etwas über 75 Jährige, wie sein bisheriges Leben verlief. Geboren wurde Hartmut Thaßler am 12.05.1941 in Leipzig. Nach dem Schulabschluss, erlernte er von 1957 - 1959 den Beruf des KFZ- Schlossers. Ab 1964 wurde er zum KFZ - Meister ausgebildet und ab 1974 eröffnete er seinen eigenen Betrieb.
Seine ersten Kontakte zum Rennsport in der damals noch sehr jungen DDR, entstanden 1951 durch seine Verwandschaft auf der Insel Rügen. Die DDR existierte damals unter der Führung des ersten Präsidenten Wilhelm Pieck (* 03.01.1876, + 07.09.1960) kaum 2 Jahre, aber bereits am 24.07.1949, noch vor der offiziellen Gründung der DDR am 07.10 1949 fand in Stralsund das erste Bäder - Rennen, nach dem 2. Weltkrieg statt.
1954 bekam die damalige DDR prominenten Zuwachs in Person des einstigen "Silber Pfeil" Werksrennfahrer von Mercedes, Manfred von Brauchitsch (*15.08.1905, +05.02.2003), der von 1957 - 1960 Präsident des Allgemeinen Deutschen Motorsport Verbandes (ADMV) wurde, sich u. a. für die Belange des Motorsports der DDR einsetzte und bis zu seinem Lebensende weitere hohe Funktionen im Sport der DDR, inne hatte..
Die ersten Fahr- bzw. Rennversuche absolvierte Hartmut Thaßler auf einer DKW RT. Er wurde später Mitglied des MC Ragwitz/Delitsch und bestritt von 1963 - 1965 seine ersten Rennen mit einer MZ 250 Serienmaschine. Von 1966 -1969 folgten Rennen in der Ausweis- und Lizenz - Klasse bis 250 cm³.
Ab 1970 setzte er seine Laufbahn erfolgreich mit Spezialtourenwagen der Marke Melkus RS 1000 fort und wird im gleichen Jahr DDR - Meister in der Kategorie B 5.
1972 gewinnt Hartmut Thaßler den ADMV - Pokal in der Kategorie Formel 3 - LK II und erreicht 1974 den 3. Platz der DDR - Meisterschaft in der Kategorie C9 - LK I.
Im selben Jahr entsteht in seiner Werkstatt der der sog. Hartmut Thaßler Shiguli (HTS).
Im Zeitraum von 1974 - 1976 fertigt seine Werkstatt 18 Exemplare des HTS Formel - Easter - Rennwagen (Klasse C 9). 1975 erreicht Hartmut Thaßler erneut den DDR - Meister Titel in der Formel Easter LK I.
Von 1977 - 1979 entstehen in Zusammenarbeit mit der Rennfahrerfamilie Melkus aus Dresden die Rennfahrzeuge MT 77 (Melkus/Thaßler). Den aktiven Rennsport beendet Hartmut Thaßler 1982 in Schleiz.
Weiterhin aktiv und auch wirtschaftlich erfolgreich ist er in seiner Firma, die über viele Jahre Produkte aus GFK herstellt. Dazu zählten Karosserieteil für PKW, Boote für die Seerettung, Surfbretter, Rennverkleidungen und Formkörper für Kinder Karusselle. Nach seinen Angaben, konstruierte und produzierte seine Firma auch 3 Hausboote und 4 Wohnmobilaufbauten auf der Fahrzeugbasis des Barkas B 1000.
Hartmut Thaßler liebt bis heute den Reiz der Geschwindigkeit. Er besitzt eine Lizenz für die Schifffahrt und auch eine als Pilot. Schnelle Autos gehören noch heute zu seinem Leben. Für seine Lebensleistungen wurde er zum Präsidenten der ostdeutschen Fahrervereinigung HAIGO (Historische Automobilrennsport Interessen Gemeinschaft) 2004 berufen. Dieses Ehrenamt begleitet er bis 2011.
Am Ende des Besuches bei Hartmut Thaßler steht nun für den Autor dieses Beitrages fest, dass die 2014 erworbene Rennverkleidung eindeutig aus dessen ehemaliger Produktion stammt. Obwohl er diese Verkleidung für die formschöne und leistungsstarke MZ ETS 250 einst konstruiert und gefertigt hatte, ist sie auch an einer sportlichen Jawa 350 ein formschönes Gestaltungselement.
Die Mitglieder des Ost Klassiker Klubs Wolkramshausen erlebten bei ihren Besuch einen sympatischen Sachsen, der entscheidendes in der Geschichte des DDR Rennsportes geleistet hat.
Hubert Rein, Vorsitzender des Ost Klassiker Klubs
Wolkramshausen
Informationen dazu unter: www.oldtimer-wolkramshausen.de





