Betrachtet
Der Messias aus Würselen
Montag, 30. Januar 2017, 08:30 Uhr
Im nächsten Monat werden die Oscars in Los Angeles verliehen. Da gibt es unzählige Kategorien, bei denen seit den zurückliegenden Tagen eine wohl fehlt - die Inszenierung eines Messias...
Screenshot (Foto: SPD)
Die kann sich das versammelte Hollywood in diesen deutschen Landen abgucken. In der Hauptrolle: Martin Schulz. Dessen Krönung konnte das interessierte Politvolk in den vergangenen Tagen auf alle medialen Kanälen verfolgen. Und mit Verlaub, liebe Genossen und Journalistenkollegen: das alles war eine Schippe zuviel.
Martin Schulz nun als den Mann aus dem Volk zu deklarieren ist mindestens genauso vermessen wie das Kolportieren von Nebensächlichkeiten, zum Beispiel dem urplötzlichen Eintritt von zig Hundert Menschen in die SPD. Meine berufliche Vita bringt es alterstechnisch mit sich, dass ich ähnliches Getue vor Parteitagen der damaligen Arbeiterpartei weiterleiten und (zum Teil) auch ertragen musste.
Jetzt hat man Martin Schulz gefunden und ihm damit ein Weiter innerhalb der großen Politik ermöglicht. Denn: im europäischen Parlament wäre er vermutlich nur noch Abgeordneter gewesen. Zu wenig für einen Mann, der es ohne Abitur zum mehrfachen Ehrendoktor gebracht hat. Nun denken tatsächlich viele führende Genossen und versuchen es unters Volk zu bringen, dass dieser Herr Schulz nur, weil er zwölf Jahre, bis 1998, Bürgermeister dieser Stadt in NRW war, dass er einer ist, der die Probleme der Menschen kennt. In Würselen kann der Job vermutlich nicht so anstrengend gewesen sein, denn parallel dazu war Martin Schulz seit 1994 Europaabgeordneter. Ja, was denn nun: Bürgermeister oder EU? Das wäre in etwa so, als wenn Birgit Keller aus Nordhausen nicht nur Thüringer Ministerin, sondern nebenbei auch noch Landrätin wäre.
Ob nun dieser Martin Schulz, der glühende Verfechter des Europas, auch der glühende Verfechter der einfachen Menschen sein kann, das muss sich zeigen. Wann aber zeigt es sich? Im Wahlkampf, in dem jeder nahezu alles verspricht? Danach, wenn Versprechen nichts mehr Wert sind?
Jeder sollte genau überprüfen, was das Europa des Mannes aus Würselen für ihn selbst gebracht hat? Eine Zinspolitik, die Sparer zu Verlierern macht? Die Versicherte enteignet? Die Steuerflucht ermöglicht und nicht bekämpft? Die in der Bewältigung der Flüchtlingskrise nahezu macht- und orientierungslos erscheint? Die keine Antworten auf Fragen zur Zukunft geben kann?
Die andere Seite des Martin Schulz ist die seiner Partei. Seit 1999 gehört er den führenden Gremien an. Als Mitglied des Präsidiums und des Parteivorstandes hat er doch all jene Beschlüsse und Gesetze mitgetragen, die seine Partei in die 20-Prozent-Falle getrieben haben. Die Hunderttausende Mitglieder und Wähler anderen Parteien abwandern ließen oder die sie zu Nichtwählern machten.
Diese mitunter peinlichen Inszenierungen der vergangenen Tage haben gezeigt, dass die SPD nach jedem Strohhalm greift, der sich ihr bietet. Ein Mann allein kann und wird es nicht richten. Auch wenn er nun plötzlich auf die soziale Gerechtigkeit setzt, werden die Menschen nicht vergessen, dass die SPD es war, die Hartz IV oder die Rente mit 67 möglich machte.
Hätte Martin Schulz den Schritt zum Bundesvorsitzenden der SPD vor drei oder vier Jahren getan, dann hätte er beweisen können, wo er die Prioritäten setzt. Aber zu dieser Zeit saß er eben noch fest im Sattel des Europäischen Parlaments. Nun, im Wahlkampf die Kehrtwende zu vollziehen ist unglaubhaft. Aber es ist ja nicht nur so, dass Martin Schulz sich nicht verdient gemacht habe, nein: Im Jahr 2013 wurde ihm die Auszeichnung "Goldenes Karussellpferd" verliehen. Absender war die Arbeitsgemeinschaft der Schaustellervereine NRW für seine langjährigen Verdienste um die europäische Volksfeste. Natürlich, die anderen normalen Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse oder das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland kann er auch sein Eigen nennen.
Peter-Stefan Greiner
Im Screenshot abgebildetes Foto: photothek.net
Autor: red
Screenshot (Foto: SPD)
Die kann sich das versammelte Hollywood in diesen deutschen Landen abgucken. In der Hauptrolle: Martin Schulz. Dessen Krönung konnte das interessierte Politvolk in den vergangenen Tagen auf alle medialen Kanälen verfolgen. Und mit Verlaub, liebe Genossen und Journalistenkollegen: das alles war eine Schippe zuviel.
Martin Schulz nun als den Mann aus dem Volk zu deklarieren ist mindestens genauso vermessen wie das Kolportieren von Nebensächlichkeiten, zum Beispiel dem urplötzlichen Eintritt von zig Hundert Menschen in die SPD. Meine berufliche Vita bringt es alterstechnisch mit sich, dass ich ähnliches Getue vor Parteitagen der damaligen Arbeiterpartei weiterleiten und (zum Teil) auch ertragen musste.
Jetzt hat man Martin Schulz gefunden und ihm damit ein Weiter innerhalb der großen Politik ermöglicht. Denn: im europäischen Parlament wäre er vermutlich nur noch Abgeordneter gewesen. Zu wenig für einen Mann, der es ohne Abitur zum mehrfachen Ehrendoktor gebracht hat. Nun denken tatsächlich viele führende Genossen und versuchen es unters Volk zu bringen, dass dieser Herr Schulz nur, weil er zwölf Jahre, bis 1998, Bürgermeister dieser Stadt in NRW war, dass er einer ist, der die Probleme der Menschen kennt. In Würselen kann der Job vermutlich nicht so anstrengend gewesen sein, denn parallel dazu war Martin Schulz seit 1994 Europaabgeordneter. Ja, was denn nun: Bürgermeister oder EU? Das wäre in etwa so, als wenn Birgit Keller aus Nordhausen nicht nur Thüringer Ministerin, sondern nebenbei auch noch Landrätin wäre.
Ob nun dieser Martin Schulz, der glühende Verfechter des Europas, auch der glühende Verfechter der einfachen Menschen sein kann, das muss sich zeigen. Wann aber zeigt es sich? Im Wahlkampf, in dem jeder nahezu alles verspricht? Danach, wenn Versprechen nichts mehr Wert sind?
Jeder sollte genau überprüfen, was das Europa des Mannes aus Würselen für ihn selbst gebracht hat? Eine Zinspolitik, die Sparer zu Verlierern macht? Die Versicherte enteignet? Die Steuerflucht ermöglicht und nicht bekämpft? Die in der Bewältigung der Flüchtlingskrise nahezu macht- und orientierungslos erscheint? Die keine Antworten auf Fragen zur Zukunft geben kann?
Die andere Seite des Martin Schulz ist die seiner Partei. Seit 1999 gehört er den führenden Gremien an. Als Mitglied des Präsidiums und des Parteivorstandes hat er doch all jene Beschlüsse und Gesetze mitgetragen, die seine Partei in die 20-Prozent-Falle getrieben haben. Die Hunderttausende Mitglieder und Wähler anderen Parteien abwandern ließen oder die sie zu Nichtwählern machten.
Diese mitunter peinlichen Inszenierungen der vergangenen Tage haben gezeigt, dass die SPD nach jedem Strohhalm greift, der sich ihr bietet. Ein Mann allein kann und wird es nicht richten. Auch wenn er nun plötzlich auf die soziale Gerechtigkeit setzt, werden die Menschen nicht vergessen, dass die SPD es war, die Hartz IV oder die Rente mit 67 möglich machte.
Hätte Martin Schulz den Schritt zum Bundesvorsitzenden der SPD vor drei oder vier Jahren getan, dann hätte er beweisen können, wo er die Prioritäten setzt. Aber zu dieser Zeit saß er eben noch fest im Sattel des Europäischen Parlaments. Nun, im Wahlkampf die Kehrtwende zu vollziehen ist unglaubhaft. Aber es ist ja nicht nur so, dass Martin Schulz sich nicht verdient gemacht habe, nein: Im Jahr 2013 wurde ihm die Auszeichnung "Goldenes Karussellpferd" verliehen. Absender war die Arbeitsgemeinschaft der Schaustellervereine NRW für seine langjährigen Verdienste um die europäische Volksfeste. Natürlich, die anderen normalen Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse oder das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland kann er auch sein Eigen nennen.
Peter-Stefan Greiner
Im Screenshot abgebildetes Foto: photothek.net
