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Statement von Tower Automotive

Standort in Artern ist gefährdet

Dienstag, 31. Januar 2017, 12:25 Uhr
Die Kyffhäuser-Nachrichten hatten gestern über die Situation im Tower Automotive Werk in Artern aus Sicht der IG Metall berichtet. Jetzt liegt der Redaktion das Statement des Unternehmens vor...


Bereits im Oktober hatte die Geschäftsführung des Tower Automotive Werks in Artern bekanntgegeben, dass die Weiterentwicklung des Standorts entsprechend der Bedürfnisse der Automobilzulieferindustrie im Miteinander von Betriebsrat und Unternehmensleitung gestaltet werden soll.

Nach einer anfänglichen positiven Entwicklung der Auftragslage und mehreren Gesprächsangeboten an den Betriebsrat, wird die Zukunft des Werks nun akut durch Arbeitskampfmaßnahmen gefährdet.

Seit der Kündigung des bestehenden Haustarifvertrags durch die IG Metall bezog die Geschäftsführung die Mitarbeiter sowie den Betriebsrat offen und transparent in den Entscheidungsprozess mit ein. Deswegen sind die Arbeitskampfmaßnahmen, die gestern in Artern stattgefunden haben, nicht zielführend.

Es wurde aufgezeigt, welche Gründe dazu geführt haben, dass der Haustarifvertrag für Tower in Artern nicht mehr geeignet ist. Die Tarifverträge der IG Metall werden den besonderen Bedingungen in der Automobilzulieferindustrie keinesfalls gerecht. Als Automobilzulieferer befindet sich Tower Automotive in einem speziellen Abhängigkeitsverhältnis. Automobilherstellern fällt es in vielen Fällen leichter, Teile der Kosten an ihre Endkunden weiterzugeben. Im Gegensatz dazu reagieren die Hersteller empfindlich auf Preisschwankungen von Seiten der Zulieferer. Höchste Qualität bei gleichbleibend niedrigen Kosten kann jedoch nur durch produktive und hochmoderne Produktionstechnologien gewährleistet werden.

Die Forderungen der IG Metall nach der Unterzeichnung des Flächentarifvertrags verdeutlicht, wie wenig sich die Gewerkschaft mit der Situation der Automobilzulieferindustrie beschäftigt hat. Durch einen Flächentarifvertrag würden sich die Lohn-/Stückkosten sehr negativ entwickeln. Dies hätte dramatische Auswirkungen für die Wettbewerbsfähigkeit und die Rentabilität des thüringischen Werks. Investitionen in neue Anlagen und Technologien werden aber vor allem dort getätigt, wo die Kostenentwicklung berechenbar ist. Im Sinne einer transparenten Kommunikation hat die Tower Geschäftsführung deshalb von Anfang an darauf hingewiesen, dass die Konzernleitung auf Basis der betriebswirtschaftlichen Fakten Konsequenzen ziehen wird.

Auf welche Art beispielsweise das Entlohnungssystem und die Arbeitszeiten bei Tower Automotive auf betrieblicher Ebene umgesetzt werden kann, ist bereits in zwei Werken gemeinsam mit dem Betriebsrat erarbeitet und/oder umgesetzt worden. Dabei handelt es sich um eine absolut rechtskonforme Vorgehensweise, die es ermöglicht, Entlohnung und Arbeitsbedingungen stetig im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten weiterzuentwickeln.

Die Geschäftsführung hat bereits einen Plan vorbereitet, in dem unter anderem Gehalts- und Lohnerhöhungen für die kommenden vier Jahre sowie Arbeitszeitregelungen vorgeschlagen werden. Bis jetzt war der Betriebsrat allerdings nicht bereit, mit der Geschäftsleitung über diese Maßnahmen zu sprechen. Stattdessen wurde mit dem relativ langen Warnstreik ein drastisches Mittel ergriffen. Verschiedenen LKWs von Tower und sogar aus einem angrenzenden Werk wurde die Durchfahrt auf öffentlichem Grund verwehrt. Dabei handelt es sich keineswegs um ein rechtskonformes Mittel.

Erklärtes Ziel der Unternehmensleitung ist es, den Betriebsrat erneut zu Gesprächen einzuladen, um die unterschiedlichen Maßnahmen für die Mitarbeiter zu besprechen und zeitnah konstruktive Lösungen im Unternehmen zu finden. Die Geschäftsführung ist, um den nachhaltigen Bestand der Arbeitsplätze am Standort Artern ernsthaft in Sorge, wenn es nicht zu einer betrieblichen Einigung kommt.

Chronologischer Überblick: Meilensteine seit der Kündigung des Tarifvertrags
  • 23.09.2016 IG Metall kündigt den Haustarifvertrag für das Tower Automotive Werk in Artern
  • 20.10.2016 Geschäftsführung informiert IG Metall darüber, dass es für Tower Automotive nur Lösungen auf betrieblicher Ebene gibt
  • 25.11.2016 IG Metall fordert die Geschäftsführung zu Tarifverhandlungen auf
  • 29.11.2016 Geschäftsführung lehnt Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft ab
  • 14.12.2016 Angebot an Betriebsrat für gemeinsamen Workshop zur Erarbeitung der betrieblichen Lösungen – wurde vom Betriebsrat abgelehnt
  • 10.01.2017 Erneutes Angebot an den Betriebsrat für einen gemeinsamen Workshop – wurde vom Betriebsrat abgelehnt
  • 19.01.2017 Konkreter Vorschlag für Maßnahmen durch Geschäftsführung erarbeitet, die dem Betriebsrat vorgestellt werden sollen – wurde vom Betriebsrat abgelehnt

Über Tower International

Tower International ist mit einem Umsatz von über 2 Milliarden Euro und weltweit 8.300 Mitarbeitern im Jahr 2015 ein führender globaler Hersteller von Strukturkomponenten und Karosseriebaugruppen, vorrangig für die Automobilindustrie, und unterhält Standorte in strategischer Nähe zu den Kunden in Nordamerika, Südamerika, Europa und Asien.

Als Full-Service-Supplier bietet das Unternehmen seinen Kunden die gesamte Prozesskette aus einer Hand: Projektmanagement, Supply Chain Management, Simultaneous Engineering, Pressteilfertigung, Rohbau, Hotforming/Warmumformung und Logistik verbindet Tower International zu Karosseriekompetenz auf höchstem Niveau.
Autor: red

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