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Bestes Umfrageergebnis seit sechs Jahren

Konjunktur zieht an

Donnerstag, 02. Februar 2017, 13:19 Uhr
Die Auswertung der jüngsten Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 800 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen zeigt zu Jahresbeginn einen überraschend deutlichen Anstieg der Konjunkturkurve gegenüber dem Herbst 2016...

Konjukturklimaindesx des IHK-Bezirkes Erfurt (Foto: IHK) Konjukturklimaindesx des IHK-Bezirkes Erfurt (Foto: IHK)
Die Inlandsnachfrage gibt weiterhin Anlass für Optimismus und auch der Exporthandel zeigt sich trotz globaler Unsicherheiten relativ stabil. Der Klimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, nimmt um 5 Punkte auf 118 von 200 möglichen Prozentpunkten zu. Das ist das beste Ergebnis seit sechs Jahren. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch der Blick auf die nächsten Monate fallen durchweg positiv aus. Damit wächst die Zuversicht auf eine Fortsetzung des Aufschwungs im Jahresverlauf 2017.

„Der Konjunkturexpress hat am Jahresanfang deutlich Fahrt aufgenommen. Rückenwind liefern hauptsächlich binnenwirtschaftliche Antriebskräfte“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Gerald Grusser. Entsprechend zufrieden zeigten sich die Firmenchefs mit dem bisherigen Geschäftsverlauf. Branchenübergreifend urteilten 89 Prozent der Befragten mit „gut“ oder „befriedigend“.

Gefüllte Auftragsbücher hätten für eine solide Ertragslage gesorgt. Mittlerweile würden 86 Prozent der Betriebe mit Gewinn oder zumindest kostendeckend arbeiten. Zudem hellten sich die Mienen der Unternehmer beim Blick auf die kommenden Monate wieder auf. Inzwischen rechneten 87 Prozent der Befragten mit einer weiteren Verbesserung ihrer Situation oder der Fortsetzung der bisher guten Entwicklung.

„Die Perspektiven für den Arbeitsmarkt bleiben damit vielversprechend“, unterstreicht der IHK-Chef. Der aktuelle Beschäftigungszuwachs dürfte auch in den nächsten Monaten anhalten. Immerhin 77 Prozent der Unternehmer wollten ihre Mitarbeiterzahl beibehalten und 12 Prozent sogar zusätzliche Jobs schaffen. Schließlich spiele die Suche nach qualifizierten Fachkräften eine immer größere Rolle bei der langfristigen Personalplanung.

„Sorgen bereitet dagegen die beharrlich schwache Investitionsneigung. Sie bleibt die Achillesferse der konjunkturellen Entwicklung“, gibt Grusser zu bedenken. Trotz günstiger Finanzierungsbedingungen und gut ausgelasteter Kapazitäten sei auch in den kommenden Monaten keine nennenswerte Dynamik zu erkennen. Nach wie vor würden 13 Prozent der Befragten eine Kürzung des Budgets planen, knapp jeder Fünfte beabsichtige sogar, kein Geld für neue Maschinen und Anlagen auszugeben.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Positive Konjunkturdaten kommen einmal mehr von der Industrie. 46 Prozent der Manager berichten von gut gehenden Geschäften, 43 Prozent urteilen mit befriedigend. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen verzeichnet stabile Auftragseingänge und lastet die Kapazitäten über 80 Prozent aus. Für die nächsten Monate haben die Unternehmer ihre Erwartungen allerdings etwas zurückgeschraubt. Zwar rechnen noch 12 Prozent mit einer Verbesserung ihrer Situation, 17 Prozent aber auch mit einem ungünstigeren Verlauf. Die Skepsis dürfte hauptsächlich aus der Ungewissheit über die zukünftigen transatlantischen Beziehungen sowie aus dem aktuellen Zustand der EU resultieren. Die nicht abgeschlossene Staatsschuldenkrise im Süden des Euroraums, die Reformnotwendigkeiten Frankreichs und die Schwierigkeiten im italienischen Bankensystem könnten die Wachstumsaussichten schädigen.

Im Dienstleistungssektor stehen die Konjunkturampeln weiter auf grün. Die Mehrzahl der Firmenchefs ist mit der momentanen Lage zufrieden und arbeitet mit Gewinn oder kostendeckend. Damit hat sich auch die Einstellungsbereitschaft in der Branche nochmals erhöht. 23 Prozent der Unternehmer planen neue Arbeitsplätze und 69 Prozent wollen ihren Personalbestand beibehalten.

Der Boom im Baugewerbe setzt sich auch zu Jahresbeginn 2017 weiter fort. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und veranlassen die Unternehmer zu einer positiven Einschätzung ihrer Geschäftslage. Immerhin 87 Prozent der Befragten beurteilen die aktuelle Situation mit gut oder befriedigend. Drei von vier Betrieben lasten die Kapazitäten mehr als 80 Prozent aus.

Auch der Blick auf die kommenden Monate signalisiert eine Fortsetzung dieser Tendenz. So erreicht die Branche ihr bestes Konjunkturergebnis seit 1994.
Trotz der anhaltenden Ausgabefreudigkeit der Kunden, wird die derzeitige Lage im Einzelhandel im Vergleich zum Herbst 2016 von den Firmeninhabern zurückhaltender beschrieben. Die strukturellen Probleme des Wirtschaftszweiges durch den zunehmenden Konkurrenzkampf zwischen stationärem Einzelhandel und dem Online-Geschäft belastet vor allem kleine Betriebe in den ländlichen Regionen. Dementsprechend spiegelt sich die hohe Konsumbereitschaft der Kunden nur bedingt in den Umsatzzahlen wider.

Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: „Der Aufschwung hat bislang freie Fahrt. Sowohl die aktuelle Geschäftslage, als auch die Erwartungen und Pläne der Unternehmen für die Zukunft lassen auf eine Fortsetzung der positiven Entwicklung hoffen. Angesichts der globalen Unsicherheitsfaktoren und zahlreichen Negativmeldungen sind das weiterhin sehr gute Nachrichten. Gleichwohl dürfen eventuelle Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Ganz oben auf der Gefahrenliste stehen für die Unternehmer der Fachkräftemangel, die Höhe der Arbeitskosten, die Energiepreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Die Politik sollte daher die Wachstumskräfte stärken, um einen selbsttragenden Aufschwung zu unterstützen.“
Autor: red

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