Konzertsaison im Panoramamuseum eröffnet
One, two, three, four
Montag, 06. Februar 2017, 14:16 Uhr
One, two, three, four…, zählte Lesley Kernochan am Freitagabend flüsternd auf der Bühne und schon begann sie mit ihren melodiös-eingängigen Countrypop-Song Blow away von ihrer aktuellen, nur in Deutschland erschienenen CD A Calm Sun ihr Konzert im Panorama Museum...
Sie und ihre Begleitmusiker waren recht zeitig am Freitagnachmittag in der Kurstadt angekommen, denn die Tourneestation des Vorabends war Magdeburg, also nicht besonders weit entfernt gewesen. Ihre frühe Ankunft war von Vorteil, denn so blieb ausreichend Zeit, kleinere technische Probleme am Pickup ihrer Steelgitarre zu beheben, den Klang der Beschallungsanlage zu optimieren und die Musiker fanden tatsächlich etwas Zeit für einen Besuch des Panoramagemäldes. Das war dieses Mal eine überaus entspannte Konzertvorbereitung.
Kurz nach 19:00 Uhr strömten dann die Besucher in die Eingangshalle, letztlich kamen etwa 90 Musikfreunde, um dieses Konzert zu erleben. Einige kannten Lesley bereits von ihrem Auftritt mit der Steve Waitt Band im Oktober 2012 her, bei dem sie mit ihrem überschäumenden Temperament verhinderte, dass es ein allzu melancholischer Konzertabend wurde. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen für dieses Konzert.
Dieses Mal stand sie zusammen mit Amy Shelley, einer begnadeten, überaus sensibel aufspielenden Schlagzeugerin und Eugen Koop, einem erfahrenen deutschen Tourbassisten auf der Bühne. Lesley spielte die Steelgitarre und das Keyboard und bot vor allem eine atemberaubende Gesangsperformance bei diesem Konzert. Doch der Auftaktsong, der wie eine sonnige Variante eines Gillian-Welch-Song klang, bot dafür vorerst nur wenig Gelegenheit.
Danach stellte sie im putzigen Deutsch ihre Band vor, was ihr sicher beim Publikum zusätzliche Sympathien einbrachte. Auch der Folgesong Hurricane Eye war wieder eine eher konventionellere Country-Nummer. Seit sechs Jahren lebt Lesley nun nicht mehr in New York sondern in Colorado und dort gibt es eher Festivals für Bluegrass und Country. Ihre aktuelle CD klingt somit wie eine Reminiszenz an ihre neue Heimat. Bei Titel 5 des Abends warnte sie ihr Publikum vor, dass sie nicht nur Country spiele, sondern auch ein bisschen Jazz und es folgte Yes von ihrer zweiten CD The Pickle Jar, ein gesangsakrobatischer Kabinettstückchen mit einem wunderschönen Trompetensolo, was sie mangels einer Trompete nur mit der Stimme zelebrierte.
Lesley Kernochan Trio live 1 & Lesley Kernochan Trio live 2 (Foto: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum)
Lesley Kernochan Trio live 1 & Lesley Kernochan Trio live 2; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Das war originell, verblüffend und urkomisch zugleich. Jazz war das im eigentlichen Sinne nicht, es war eher origineller Pop mit leicht jazziger Note, ein lebhafter Dialog zwischen Schlagzeug, ihrem Keyboardspiel und ihrer Stimme, mit verblüffenden Tempiwechseln und Pausen, und genau diese Lesley wurde vom Publikum erwartet, also eine Musikerin, die mit kindlich-unbekümmerter Musizierfreude Konventionen ignoriert, enthemmt glücklich trällert mal schrullig-schräg, dann wieder zerbrechlich und berührend schön, Stilgrenzen hinter sich lässt und nun ganz Entertainer ist zwischen musikalischer Comedy, Jazz, Pop bis hin zu Country und Folk. Darauf folgte gleich ihre Funky-Soul-Janis-Joplin-Nummer Ouch!, die noch weitaus zupackender war und in der Lesley mal kreischend und quietschend, dann wieder herb-kraftvoll singend zu erleben war. Und damit hatte sie das Publikum gewonnen gehabt. Dieser Wechsel aus alten und neuen Stücken belebte das Konzert spürbar und sie nutzte diesen für einen geschickten dramaturgischen Spannungsbogen aus.
Allerdings auch neuere Stücke wie Song for Elija oder Chocolate Tree von ihrer aktuellen CD zeigen sie als eine Musikerin mit einem Gespür für wunderschöne originelle Melodien, die mit dem Mainstream-Country nur wenig zu tun haben. Im Letzten Song vor der Pause, dem jazzig-swingenden Rather Be Makin´ Love gab es noch einen rasanten Wechselgesang zwischen ihr und Amy, die eine merkwürdig männlich tiefe Stimme hat und mit Lesleys hoher Frauenstimme sehr schön kontrastierte.
Im zweiten Teil ihres Konzertes sorgte Lesley mit dem Song Midnight über die Proteste gegen eine Ölpipeline quer durch das Indianergebiet in Northdakota für Gänsehautstimmung und lieferte außerdem ein äußerst beklemmendes Stimmungsbild der gegenwärtigen USA.
Am Ende dieses Konzertes, nach drei Zugaben und viel Beifall blieb der Eindruck eines sehr besonderen Konzerterlebnisses haften, wie man es nicht oft zu erleben bekommt. Fred Böhme
Autor: redSie und ihre Begleitmusiker waren recht zeitig am Freitagnachmittag in der Kurstadt angekommen, denn die Tourneestation des Vorabends war Magdeburg, also nicht besonders weit entfernt gewesen. Ihre frühe Ankunft war von Vorteil, denn so blieb ausreichend Zeit, kleinere technische Probleme am Pickup ihrer Steelgitarre zu beheben, den Klang der Beschallungsanlage zu optimieren und die Musiker fanden tatsächlich etwas Zeit für einen Besuch des Panoramagemäldes. Das war dieses Mal eine überaus entspannte Konzertvorbereitung.
Kurz nach 19:00 Uhr strömten dann die Besucher in die Eingangshalle, letztlich kamen etwa 90 Musikfreunde, um dieses Konzert zu erleben. Einige kannten Lesley bereits von ihrem Auftritt mit der Steve Waitt Band im Oktober 2012 her, bei dem sie mit ihrem überschäumenden Temperament verhinderte, dass es ein allzu melancholischer Konzertabend wurde. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen für dieses Konzert.
Dieses Mal stand sie zusammen mit Amy Shelley, einer begnadeten, überaus sensibel aufspielenden Schlagzeugerin und Eugen Koop, einem erfahrenen deutschen Tourbassisten auf der Bühne. Lesley spielte die Steelgitarre und das Keyboard und bot vor allem eine atemberaubende Gesangsperformance bei diesem Konzert. Doch der Auftaktsong, der wie eine sonnige Variante eines Gillian-Welch-Song klang, bot dafür vorerst nur wenig Gelegenheit.
Danach stellte sie im putzigen Deutsch ihre Band vor, was ihr sicher beim Publikum zusätzliche Sympathien einbrachte. Auch der Folgesong Hurricane Eye war wieder eine eher konventionellere Country-Nummer. Seit sechs Jahren lebt Lesley nun nicht mehr in New York sondern in Colorado und dort gibt es eher Festivals für Bluegrass und Country. Ihre aktuelle CD klingt somit wie eine Reminiszenz an ihre neue Heimat. Bei Titel 5 des Abends warnte sie ihr Publikum vor, dass sie nicht nur Country spiele, sondern auch ein bisschen Jazz und es folgte Yes von ihrer zweiten CD The Pickle Jar, ein gesangsakrobatischer Kabinettstückchen mit einem wunderschönen Trompetensolo, was sie mangels einer Trompete nur mit der Stimme zelebrierte.
Lesley Kernochan Trio live 1 & Lesley Kernochan Trio live 2 (Foto: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum)
Lesley Kernochan Trio live 1 & Lesley Kernochan Trio live 2; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Das war originell, verblüffend und urkomisch zugleich. Jazz war das im eigentlichen Sinne nicht, es war eher origineller Pop mit leicht jazziger Note, ein lebhafter Dialog zwischen Schlagzeug, ihrem Keyboardspiel und ihrer Stimme, mit verblüffenden Tempiwechseln und Pausen, und genau diese Lesley wurde vom Publikum erwartet, also eine Musikerin, die mit kindlich-unbekümmerter Musizierfreude Konventionen ignoriert, enthemmt glücklich trällert mal schrullig-schräg, dann wieder zerbrechlich und berührend schön, Stilgrenzen hinter sich lässt und nun ganz Entertainer ist zwischen musikalischer Comedy, Jazz, Pop bis hin zu Country und Folk. Darauf folgte gleich ihre Funky-Soul-Janis-Joplin-Nummer Ouch!, die noch weitaus zupackender war und in der Lesley mal kreischend und quietschend, dann wieder herb-kraftvoll singend zu erleben war. Und damit hatte sie das Publikum gewonnen gehabt. Dieser Wechsel aus alten und neuen Stücken belebte das Konzert spürbar und sie nutzte diesen für einen geschickten dramaturgischen Spannungsbogen aus.
Allerdings auch neuere Stücke wie Song for Elija oder Chocolate Tree von ihrer aktuellen CD zeigen sie als eine Musikerin mit einem Gespür für wunderschöne originelle Melodien, die mit dem Mainstream-Country nur wenig zu tun haben. Im Letzten Song vor der Pause, dem jazzig-swingenden Rather Be Makin´ Love gab es noch einen rasanten Wechselgesang zwischen ihr und Amy, die eine merkwürdig männlich tiefe Stimme hat und mit Lesleys hoher Frauenstimme sehr schön kontrastierte.
Im zweiten Teil ihres Konzertes sorgte Lesley mit dem Song Midnight über die Proteste gegen eine Ölpipeline quer durch das Indianergebiet in Northdakota für Gänsehautstimmung und lieferte außerdem ein äußerst beklemmendes Stimmungsbild der gegenwärtigen USA.
Am Ende dieses Konzertes, nach drei Zugaben und viel Beifall blieb der Eindruck eines sehr besonderen Konzerterlebnisses haften, wie man es nicht oft zu erleben bekommt. Fred Böhme
