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Meldungen aus dem Kirchenkreis

„Luther, der Barde und der Freak“

Sonntag, 12. Februar 2017, 17:10 Uhr

Zu zwei Konzerten unter dieser Überschrift fanden am Wochenede im evang. Kirchenkreis statt, so eine Meldung die kn aus dem Kirchenkreis erreichte.

Zunächst am Freitag, den 10.2. 19:00 Uhr in die Klosterkirche Volkenroda und am Samstag, den 11.2. 17:00 Uhr in die Kirche Rohnstedt. Gestaltet wurden diese Konzerte durch Martin Dreyer aus Berlin, bekannt als der Verfasser der sogenannten und heiß umstrittenen „Volxbibel“ und von Pfarrer Süpke aus Oldisleben, der den Menschen mit seinen Liedern die Themen der Reformation nahebringt.

In Volkenroda gab es zu Beginn leider erhebliche Startschwierigkeiten. Die Anlage der kleinen Band (zwei Gitarren und ein Cajon) war zwar zuvor aufgebaut und getestet worden, dennoch gab es in den ersten zwanzig Minuten erhebliche Schwierigkeiten mit der Akustik. Die Akteure behielten die Nerven, passten sich Stück für Stück an und so wurde es doch für die zahlreichen Besucher, die bis zum Ende aushielten, ein nachdenklicher und auch berührender Abend.

Worum ging es?
Pfarrer Süpke stellte in einem rockigen Bänkellied die Frage: „War nun Luther reinlich heilig oder peinlich unverzeihlich?“ Er echauffierte sich darüber, dass Luther zwar viel – und oft zurecht – kritisiert wird. Aber leben wir das Gute, was er neu ans Licht brachte wie die Gnade und das Vertrauen in Jesus Christus, heute mit unserem Leben vor?
Sind wir den Menschen unserer Zeit nahe – auch in unserer Musik und unserer Sprache? Berühmte Lieder des Reformators waren Gassenhauer. Jetzt sind sie Kulturgut und stehen im Gesangbuch. Dennoch ziert sich die Kirche Gassenhauer von heute zu benutzen, um mit ihnen die frohe Botschaft von der Liebe Gottes in Jesus Christus weiter zu sagen.

Konzert mit Ansage Nr. 2 (3)
Pfarrer Süpke zierte sich nicht an beiden Abenden und brachte bekannte Songs aus der Hippiezeit zum Klingen, um damit zum Glauben einzuladen. Seine musikalische Frage und Empfehlung zum Thema lautete:

„Sag mir, was ist Reformation? / Weißt Du das im Herzen schon?
Kannst Du Gott total vertrauen / und auf seine Gnade bauen –
Hol die Thesen, lies noch mal von vorn.“

Konzert mit Ansage Nr. 2 (2) Martin Dreyer wiederum hat sich ganz der Frage nach einer modernen Sprache für die Bibel gestellt und dem Volk noch mal intensiver „aufs Maul geschaut“, wie Luther es formulierte. Er kam in einem Jugendzentrum in Köln auf diesen Gedanken. Denn die Jugendlichen waren so entkirchlicht, dass sie bei „Heiliger Geist“ nicht an die Dreieinigkeit dachten, sondern an einen Schnaps.

Und Sünde bedeutete für sie: „Wir hatten Spaß am Wochenende auf der Party – warum sollte Jesus für so was sterben? Ist nicht nötig!“
So entstand die Volxbibel und wurde das am meisten verkaufte Taschenbuch Deutschlands.

In einem Buchverlag entstand die Idee, in dieser abgefahrenen Sprache ein Buch mit Luthertexten herauszugeben. Dieser Herausforderung hat sich Martin Dreyer gestellt und seine Luthertexte können sich hören (und lesen) lassen. Und zwar in dem Buch „Martin reloaded – Luthers Schriften für alle“.

„Ein feste Burg ist unser Gott“ ist jetzt ein Rap und beginnt so: „Mein Gott ist ein fester Tower, mit ihm kämpf ich voller Power.“
Oder „Nun freut euch lieben Christengmein…“: ‚“Jetzt freut euch Christen, geht mal ab!...“

Die Zuhörer gingen mit, sie hatten Freude am Zuhören, es wurde viel gelacht aber auch nachdenklich genickt. Vielleicht waren diese Abende ein Anstoß neu zu fragen, ob wir noch auf dem Weg zur Reformation sind. Über Volxbibel und über Martin Luther kann viel Nachdenkliches gesagt werden. Aber die Frage bleibt: Wo ist die Kraft der Reformation, die mal ein ganzes Land bewegt hat? Um es mit dem Luther – Rap zu sagen: „Dabei wär es so einfach, wenn sich jeder fragt, was die Bibel heute so zu seinem Leben sagt.“
Autor: khh

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