Kulturszene aktuell
Von der 19. Ebelebener Werkstattlesung
Donnerstag, 09. März 2017, 10:45 Uhr
Mit einem neuen, spannenden Thema trat der Neubrandenburger Autor Frank Wilhelm zur 19. Werkstattlesung in Ebeleben auf, es ging um das Thema RAF im Osten- Terroristen unter dem Schutz der Stasi. Bei der Lesung dabei Uwe Vogt. Hier sein Bericht...
Aus der Zeit der RAF (Rote Armee Fraktion) sind in der damaligen Bundesepublik 62 Tote zu beklagen, dazu kommt ein Sachschaden von geschätzten 250 Millionen Euro, so der Autor. Auf das Konto der RAF- Terroristen gingen u.a. Anschläge wie die Ermordung des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback, des Dresdner Bank- Vorstandes Jürgen Ponto oder des Arbeitgeberpräsidenten Hanns- Martin Schleyer oder die Entführung der Lufthansamaschine Landshut.
Vielen Bürgern ist nicht oder nur wenig bekannt, dass zehn frühere RAF- Mitglieder ab 1980 in der DDR untertauchten und sich so der Strafverfolgung der damaligen BRD entzogen. Eine der Aussteigerinnen war Silke Maier- Witt alias Angelika Gerlach, die u.a. drei Jahre (1983- 1986) in Erfurt lebte. Diese frühere Terroristin der zweiten Reihe stand im Mittelpunkt der Lesung von Frank Wilhelm. Geboren wurde die Frau 1950 in Baden- Württemberg, sie studierte Medizin und Psychologie in Hamburg.
U.a. ausgelöst durch die Vietnamkriegsproteste und durch die lateinamerikanische Revolutionsbewegung driftete sie zunächst in das linksautonome, später in das linksextreme Spektrum ab. So gelangte Silke Maier- Witt in die RAF, bekam eine Schusswaffe und ging in die Illegalität. Insbesondere gehörten solche Tätigkeiten wie die Anmietung konspirativer Wohnungen, das Cleaning (Beseitigung von Spuren) oder Auskundschaftungen zu ihren Aufgaben. Nachdem bei einem Banküberfall in Zürich eine unbeteiligte Passantin getötet wurde, kamen bei Maier- Witt Zweifel an der Mission der RAF auf, sie gab ihre Waffe ab. Nachdem der Leiter der MfS- Terrorabwehr Harry Dahl entsprechende Grundlagen gelegt hatte, konnten insgesamt zehn Terroristen in der DDR 1980 untertauchen.
Ziel des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war es, Informationen von den Terroristen abzuschöpfen, die das Bundeskriminalamt nicht hatte. Zunächst wurden diese Menschen in das am Oder- Spree- Kanal gelegene Forsthaus Briesen verbracht, um sie auf den sozialistischen Alltag in der DDR vorzubereiten. Hier erhielten sie neue Lebensläufe, in denen auch die Wechsel aus der BRD in die DDR erklärt wurde. Frau Maier- Witt kam anschließend nach Hoyerswerda, sie verweilte dort, bis Gerüchte aufkamen, sie sei eine enttarnte ehemalige Spionin der DDR in der BRD gewesen. Nächste Station war Erfurt, wo sie an der Medizinischen Akademie als Hilfskrankenschwester arbeitete und gleichzeitig ein medizinisches Fachschulstudium in Weimar begann. Nachdem ein DDR- Übersiedler in der BRD Frau Maier Witt alias Gerlach enttarnte, das MfS durch den KGB alarmiert worden war, erfand man eine Liebesgeschichte, so dass sie aus Erfurt verschwand.
Nach mehreren konspirativen Aufenthalten kam sie schließlich 1987 nach Neubrandenburg mit neuem Namen (Sylvia Beyer). Hier bekam sie in der Dokumentationsstelle des VEB Pharma Arbeit. Nach der Wende flogen innerhalb weniger Tage im Juni 1990 alle Identitäten der ehemaligen Terroristen auf. Frau Maier Witt wurde ein Jahr später zu zehn Jahren Haft verurteilt, von denen sie aber nur drei Jahre absitzen musste.
Nach seinem Vortrag beantwortete der Autor die Fragen aus dem Publikum. Die Veranstaltung war in bewährter Weise von der Stadtverwaltung Ebeleben gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und den Mühlhäuser Werkstätten geplant und durchgeführt worden.
Autor und Bild: Uwe Vogt
Autor: khhAus der Zeit der RAF (Rote Armee Fraktion) sind in der damaligen Bundesepublik 62 Tote zu beklagen, dazu kommt ein Sachschaden von geschätzten 250 Millionen Euro, so der Autor. Auf das Konto der RAF- Terroristen gingen u.a. Anschläge wie die Ermordung des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback, des Dresdner Bank- Vorstandes Jürgen Ponto oder des Arbeitgeberpräsidenten Hanns- Martin Schleyer oder die Entführung der Lufthansamaschine Landshut.
Vielen Bürgern ist nicht oder nur wenig bekannt, dass zehn frühere RAF- Mitglieder ab 1980 in der DDR untertauchten und sich so der Strafverfolgung der damaligen BRD entzogen. Eine der Aussteigerinnen war Silke Maier- Witt alias Angelika Gerlach, die u.a. drei Jahre (1983- 1986) in Erfurt lebte. Diese frühere Terroristin der zweiten Reihe stand im Mittelpunkt der Lesung von Frank Wilhelm. Geboren wurde die Frau 1950 in Baden- Württemberg, sie studierte Medizin und Psychologie in Hamburg.
U.a. ausgelöst durch die Vietnamkriegsproteste und durch die lateinamerikanische Revolutionsbewegung driftete sie zunächst in das linksautonome, später in das linksextreme Spektrum ab. So gelangte Silke Maier- Witt in die RAF, bekam eine Schusswaffe und ging in die Illegalität. Insbesondere gehörten solche Tätigkeiten wie die Anmietung konspirativer Wohnungen, das Cleaning (Beseitigung von Spuren) oder Auskundschaftungen zu ihren Aufgaben. Nachdem bei einem Banküberfall in Zürich eine unbeteiligte Passantin getötet wurde, kamen bei Maier- Witt Zweifel an der Mission der RAF auf, sie gab ihre Waffe ab. Nachdem der Leiter der MfS- Terrorabwehr Harry Dahl entsprechende Grundlagen gelegt hatte, konnten insgesamt zehn Terroristen in der DDR 1980 untertauchen.
Ziel des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war es, Informationen von den Terroristen abzuschöpfen, die das Bundeskriminalamt nicht hatte. Zunächst wurden diese Menschen in das am Oder- Spree- Kanal gelegene Forsthaus Briesen verbracht, um sie auf den sozialistischen Alltag in der DDR vorzubereiten. Hier erhielten sie neue Lebensläufe, in denen auch die Wechsel aus der BRD in die DDR erklärt wurde. Frau Maier- Witt kam anschließend nach Hoyerswerda, sie verweilte dort, bis Gerüchte aufkamen, sie sei eine enttarnte ehemalige Spionin der DDR in der BRD gewesen. Nächste Station war Erfurt, wo sie an der Medizinischen Akademie als Hilfskrankenschwester arbeitete und gleichzeitig ein medizinisches Fachschulstudium in Weimar begann. Nachdem ein DDR- Übersiedler in der BRD Frau Maier Witt alias Gerlach enttarnte, das MfS durch den KGB alarmiert worden war, erfand man eine Liebesgeschichte, so dass sie aus Erfurt verschwand.
Nach mehreren konspirativen Aufenthalten kam sie schließlich 1987 nach Neubrandenburg mit neuem Namen (Sylvia Beyer). Hier bekam sie in der Dokumentationsstelle des VEB Pharma Arbeit. Nach der Wende flogen innerhalb weniger Tage im Juni 1990 alle Identitäten der ehemaligen Terroristen auf. Frau Maier Witt wurde ein Jahr später zu zehn Jahren Haft verurteilt, von denen sie aber nur drei Jahre absitzen musste.
Nach seinem Vortrag beantwortete der Autor die Fragen aus dem Publikum. Die Veranstaltung war in bewährter Weise von der Stadtverwaltung Ebeleben gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und den Mühlhäuser Werkstätten geplant und durchgeführt worden.
Autor und Bild: Uwe Vogt

