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Neues aus Bad Frankenhausen

Weltgebetstag – „Was ist denn fair?“

Donnerstag, 09. März 2017, 13:47 Uhr
Jüngst wurden in vielen Kirchgemeinden der Weltgebetstag durchgeführt, so auch in Bad Frankenhausen...

Laut UNO-Katalog gibt es für die unterschiedelichsten Probleme und Themen ein sogenannter „Welttag“. Aber nur die wenigsten werden in allen Ländern der Erde gefeiert oder mit entsprechenden Veranstaltungen gewürdigt.

Ein weltweit beachteter und von fast allen Menschen der Erde berücksichtigter Tag ist der Jahreswechsel. Während wir in Deutschland auf das neue Jahr anstoßen, ist dies in anderen Gegenden schon Vergangenheit und anderswo geschieht dies erst zeitlich später von uns.
Auch der Weltgebetstag – Frauen aller Konfessionen laden ein – ist solch ein Ereignis. In über 100 Ländern der Erde wird dieser Weltgebetstag in den einzelnen Gemeinden gefeiert – rund um den Erdball!

Weltgebetstag – „Was ist denn fair?“ (Foto: Peter Zimmer) Weltgebetstag – „Was ist denn fair?“ (Foto: Peter Zimmer)

Für das Jahr 2017 wurde von den philippinischen Frauen dieser Tag vorbereitet (das geschieht schon mehrere Jahre zuvor) mit dem Thema: „Was ist denn fair?“
Es ist eigentlich eine banale Frage, aber wie ernst nehmen wir sie. Faires Verhalten erwarten wir bezüglich aller Lebensbereiche, aber es setzt auch voraus, dass wir es selber tun. Das ist leichter gesagt als getan.

Die Frauen der Philippinen haben sich damit auseinandergesetzt, ist doch ihr Land mit vielen Problemen konfrontierte, die man aus der Zeitung kennt, die aber zum Teil auch ein Thema bei uns sind: Ungerechte Arbeitsbezahlung, Differenz zwischen Ökonomie und Ökologie, Altersarmut usw.

Die Philippinen sind ein aus 7.107 Inseln bestehender Staat im Pazifischen Ozean und nur wenig kleiner als Deutschland, 101 Millionen Einwohner wurden im Juli 2015 geschätzt. Etwa 80 Sprachen und Dialekte werden gesprochen. 12% der Bevölkerung gelten als Ureinwohner, die nochmals in 60 verschiedene Gruppen unterteil sind. Erst im 16. Jahrhundert kamen Europäer auf der Suche nach Gewürzen (u.a. Pfeffer) ins Land. Seit 1946 sind die Philippinen ein unabgängiger Staat. Die Philippinen sind neben Osttimor der einzige asiatische Staat mit katholischer Bevölkerungsmehrheit von 83 %.

Getragen wird der philippinische Weltgebetstag seit rund 70 Jahren vom „Zusammenschluss der Philippinischen Kirchenfrauen“. Sie haben für alle beteiligten Gemeinden in der Welt das Thema „Was ist denn fair?“ aufbereitet und Anregungen vorgeschlagen.
Auch in der Kirchgemeinde Bad Frankenhausen traf sich der Vorbereitungskreis schon im Januar und machte sich mit der Problematik vertraut. Mehrere kleine Gruppen erarbeiteten die einzelnen Abschnitte des vorgegebenen Textes, es wurden die Rezepte für die landestypischen Gerichte verteilt und die organisatorischen Schritte vorbereitet.

Wie immer wird der Weltgebetstag am ersten Freitag im März gefeiert. Begonnen wurde in der Kirchgemeinde Bad Frankenhausen mit einem Informationsteil über Land und Leute. Danach gab es ein gemeinsames Essen mit den unterschiedlichsten Gerichten, so dass jeder sich ein mehrgängiges Menü zusammenstellen konnte. Natürlich muß manchmal bei der Herstellung der Gerichte etwas improvisiert werden, da nicht immer die Originalzutaten erhältlich sind. Doch geschmeckt hat es noch immer und kaum blieb etwas übrig!

Der Höhepunkt des Weltgebetstages ist dann der Gottesdienst. Ablauf und Inhalt wird vom jeweiligen Land ausgearbeitet, ebenso mehrheitlich die Lieder und die Bibelstellen ausgewählt. Im Mittelpunkt stand das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg aus dem Matthäusevangelium (Kap. 20, 1 – 6): Ein Weinbergbesitzer engagiert zu verschiedenen Tageszeiten Arbeiter und sagt ihnen Lohn zu – unabhängig von der Arbeitsdauer – und alle sind erst einmal zufrieden, haben sie doch erst mal Arbeit und einen Lohn für den Tag. Doch am Abend bei der Lohnauszahlung merken sie, dass alle die gleiche Summe erhalten – unabhängig von der Arbeitsdauer. Obwohl alle mit den Bedingungen anfangs einverstanden waren und es ein freiwilliges Übereinkommen zwischen „Arbeitsgeber“ und „Arbeitsnehmer“ war, gibt es am Ende Unstimmigkeiten. „Ist das fair?“; ist das gerecht?; was ist gerecht? Das Gleichnis endet mit dem bekannten Satz: „ So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“ Man kann das Gleichnis sowohl vom Materiellen als auch vom Ideellen her sehen. Im Ablauf des Gottesdienstes wurden beide Gedanken berücksichtigt. Schließlich lassen sich auch in Europa für beide Seiten aktuelle Beispiele finden.

Weltgebetstag – „Was ist denn fair?“ (Foto: Peter Zimmer) Weltgebetstag – „Was ist denn fair?“ (Foto: Peter Zimmer)

Die Vision eines Lebens in Gerechtigkeit und Frieden verbindet sich mit der Selbstverpflichtung, konkretes Handeln danach auszurichten. Um konkrete Hilfe zu leisten wird für verschiedene Projekte um eine Spende gebeten. Auch in der Frankenhäuser Weltgebetstagsgemeinde von etwa 40 Besuchen kam am Ende eine ansehnliche Summe zusammen.

Weltgebetstag – „Was ist denn fair?“ (Foto: Peter Zimmer) Weltgebetstag – „Was ist denn fair?“ (Foto: Peter Zimmer)

Wie immer endet der Gottesdienst mit einem Lied, welches den Gedanken des weltumspannenden Weltgebetstages aufnimmt: „Wie über Länder, über Meere, der Morgen ewig weiterzieht, tönt stets ein Lied zu Deiner Ehre. Dein Lob, vor dem der Schatten flieht. Kaum ist die Sonne uns entschwunden, weckt ferne Menschen schon ihr Lauf, und herrlich neu steigt alle Stunden die Kunde deiner Wunder auf.“

Text & Fotos:
Peter Zimmer
Bad Frankenhausen
Autor: khh

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