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Tod der jungen Luchsmutter im Eichsfeld

Neue Erkenntnisse

Dienstag, 02. Mai 2017, 14:44 Uhr
Der NABU Thüringen gibt heute neue Erkenntnisse zum Tod der jungen Luchsmutter im Eichsfeld bekannt. Wissenschaftler schließen nicht aus, dass die Luchsin an einer Krankheit, die zu Knochenveränderungen führt, verendet ist...

Luch (Foto: Silvester Tamás) Luch (Foto: Silvester Tamás)

Wieso die sterblichen Überreste des Tieres Anzeichen einer menschlichen Manipulation aufweisen, bleibt jedoch weiterhin unklar.

Am 5. Dezember 2015 wurden bei Bockelnhagen im Eichsfeld die sterblichen Überreste eines Luchses aufgefunden. Es stellte sich heraus, dass es sich hierbei um die junge Luchsin mit der wissenschaftlichen Bezeichnung F5, aus dem Harz, handelte. Das Tier wurde im Rahmen des dortigen Luchsprojektes mit einem Sendehalsband versehen und wanderte ins Eichsfeld nach Thüringen ab.

„Im Mai 2015 brachte sie hier eine Rekordzahl von fünf Luchsjungen zur Welt. Damit gelang erstmals, seit der Ausrottung der Luchse im 18. und 19. Jahrhundert, der Nachweis einer Reproduktion von Luchsen in Thüringen“, berichtet Silvester Tamás der Sprecher von der Landesarbeitsgruppe Luchs im NABU Thüringen. „Da die Luchsjungen zum Zeitpunkt des Todes der jungen Luchsin jedoch noch auf ihre Mutter angewiesen waren, ist davon auszugehen, dass diese wahrscheinlich auch verendet sind.“

Bislang konnte die Todesursache der Luchsin F5 nicht geklärt werden. Ein erstes Gutachten des Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin (IZW) kam zu keinem Ergebnis. Ein weiteres umfängliches Gutachten, verbunden mit forensischer Untersuchung durch FeliCITES, Stuttgart schloss hingegen sogar eine menschliche Manipulation der sterblichen Überreste der toten Luchsin nicht aus.

Neue Untersuchungsergebnisse von FeliCITES belegen nun, dass die Luchsin an einer hypertrophen Osteopathie verendet sein könnte. Dabei handelt es sich um pathologische Veränderung des Knochengewebes, die zur reaktiven Bildung von jugendlichem Knochengewebe vornehmlich an den Gliedmaßenknochen und damit zu Knochenveränderungen führt. "Die Knochenveränderungen deuten auf einen Krankheitsprozess im Brustraum hin, der sicherlich zu Beeinträchtigungen geführt hat und eventuell auch todesursächlich gewesen sein kann", erläutert Volker Zimmermann von FeliCITES.

Die neuen Ergebnisse zeigen, wie wichtig die genaue Untersuchung von tot aufgefunden Beutegreifern ist. "Wir wissen, dass Luchse aber auch Wölfe in Deutschland immer wieder illegal getötet werden, obwohl sie strengsten Schutzstatus genießen. Deshalb ist es unerlässlich herauszufinden, woran tot aufgefundene Luchse und Wölfe wirklich gestorben sind. Ebenso sind die Fundumstände und Fundzusammenhänge am Fundort genauestens zu untersuchen. Nur dann kann man zu forensisch verwertbaren Ergebnissen kommen", so Silvester Tamás.

Im Fall der jungen Luchsin F5 bleibt weiterhin unklar, wieso ihre sterblichen Überreste Anzeichen menschlicher Manipulation aufweisen, und in welcher Weise der Totfund unmittelbar an den Rand eines Waldweges bei Bockelnhagen gekommen ist.
Autor: red

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