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Kommunalpolitiker äußern sich

Gedenken zum Tag der Befreiung

Montag, 08. Mai 2017, 19:46 Uhr
Sehr übersichtlich war die Zahl der Teilnehmer an der heutigen Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung, die sich heute vor dem Mahnmal der Opfer des Faschismus in Sondershausen versammelt hatte…

Die Linke Kyffhäuserkreis hatte unter der Überschrift „Gegen das Vergessen“ zu dieser feierliche Kranzniederlegung aufgerufen. Offensichtlich wurde dieser Termin bei vielen Leuten „vergessen“

Gedenken zum Tag der Befreiung (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Gedenken zum Tag der Befreiung (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Außer Sabine Bräunicke Vorsitzende der Fraktion (SPD/Grüne) im Stadtrat Sondershausen und Frau Axt für ihren Mann Gerhard Axt (NUBI), er war wahrscheinlich in der zeitgleich stattfindenden ersten Sitzung des Kulturausschuss der Stadt, waren nur Vertreter der Linkspartei unter Führung von Torsten Blümel, Vorsitzender Fraktion Die Linke im Kreistag, dabei.

Gedenken zum Tag der Befreiung (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Gedenken zum Tag der Befreiung (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Ein paar Schritte und eine viertel Stunden weiter am  Sowjetischen Ehrenfriedhof am Rosengarten  sah es nicht anders aus.

Sigrid Rösner und Angela Trommer legten am Mahnmal ein Gebinde nieder und Angela Trommer und Torsten Blümel auf dem Sowjetischen Friedhof.

Hier die Vorbereitete Rede zur Kenntnis:

Wir begehen heute den 72. Jahrestag der Befreiung. Diesen Jahrestag zu begehen ist kein leeres Ritual sondern angesichts des rasanten Aufstiegs neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte in nahezu allen europäischen Ländern - Teil des Widerstandes gegen diese Entwicklung.

Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Ihnen in Auszügen die Rede von G. Pappenheim zu verlesen, die er anlässlich des 72 Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald gehalten hat. Er schildert seine Erfahrungen mit dem Faschismus, aber auch die gegenwärtige Situation in Deutschland:

Liebe Kameraden, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde

Am 19. April 1945 stand ich hier auf dem Appellplatz des Konzentrationslagers Buchenwald und atmete als Befreiter tief die frische Luft ein.
Wir 21.000 Überlebenden waren glücklich in diesem Moment, wohl wissend, dass der abscheuliche Krieg noch nicht zu Ende ist und dass die Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus ein längerer Prozess sein wird. Dieses Wissen führte zu den Formulierungen in der Deklaration vom 19.
April 1945, die als „Schwur von Buchenwald “in die Geschichte einging.
Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“.
Zweiundsiebzig Jahre sind seit diesem denkwürdigen Tag vergangen. Es waren bewegte Zeiten, ereignisreiche, schöne, auch schwere.
Heute müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass unser Ziel nicht erreicht ist, dass aber unsere damaligen Forderungen höchste Aktualität besitzen.
Es gibt die Bereitschaft, sich mit dem deutschen Faschismus und seinen grausamen Verbrechen auseinanderzusetzen. Die Bereitschaft allein genügt nicht, in der Gesellschaft Abscheu und den Willen zu entwickeln, aktiv zu werden, um zu verhindern, dass sich wiederholt, was geschah.
Die Hemmschwelle, rassistisch, fremdenfeindlich, aggressiv gegenüber Anderem zu denken und zu handeln, ist erheblich gesunken.
Es ist schwerer geworden, für eine Welt des Friedens und der Freiheit zu kämpfen. Kriege sind wieder Mittel der Politik. Der Waffenhandel hat eine starke internationale Lobby. Schwere soziale Verwerfungen und Unterschiede zerren eine Welt der Freiheit ins Absurde.

Weil das die Wirklichkeit ist, sind wir angesichts der Opfer von Krieg, Gewalt und faschistischen Terrors, angesichts gefährlicher rechtspopulistischer Entwicklungen verpflichtet, das Bemühen um die Verwirklichung des Schwurs von Buchenwald nicht einen Moment ruhen zu lassen.

Die Kräfte unserer Generation nähern sich dem Ende. Den folgenden Generationen kommt die Aufgabe zu, das Mahnen und Gedenken I aufrecht zu erhalten.
Ich habe Vertrauen in die Kraft und Klugheit der uns Nachfolgenden, in ihren politischen Willen, das Vernünftige zu tun.
Günter Pappenheim
Autor: khh

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