Wo wächst sie noch?
Sucht die Trollblume!
Donnerstag, 08. Juni 2017, 06:45 Uhr
Die Trollblume ist entsprechend der aktuellen Roten Liste deutschlandweit bedroht, stellenweise stark gefährdet oder ausgestorben. Auch an einer ganzen Reihe von Wuchsorten im Südharz scheint sie nach Jahren des Rückganges nun verschwunden zu sein. Helfen Sie mit, diese wunderschöne Art zu retten, - indem Sie ihre letzten Südharzer Exemplare finden...
Ursachen für die Verluste von Wuchsorten bedrohter Pflanzenarten auf unseren ursprünglich extensiv genutzten Wiesen und Weiden gibt es viele: Nutzungsintensivierung bzw. nicht artgerechte Nutzung (wie z.B. durch Rinderweide) Klimawandel, Aufforstung, Umbruch zu Ackerland, diskontinuierliche Bereitstellung von Fördermitteln für Landschaftspflegeverbände und oft ungeeignete, auf landwirtschaftliche Interessen zugeschnittene Pflegeprogramme wie das Kulap-Programm, politisch verordnete Bürokratie und Mitteleinsparung im Naturschutz, Behördenprobleme, Nutzungsaufgabe, folgenlose Politikerworte...
Die Wende hat aus all diesen Gründen zu weiteren dramatischen Verlusten geführt, trotz einer nachwendischen, die Grundprobleme kaschierenden Schwemme an Schutzgebieten, Programmen, Landschaftspflegeverbänden, Richtlinien und Biodiversitätsstrategien.
Die Trollblume (Trollius europaeus), eine wie die legendäre Arnika einst typische Bewohnerin unserer Bergwiesen dürfte im Harz und damit auch im Landkreis Nordhausen vor allem unter Nutzungsaufgabe sowie unter ungeeigneter Bewirtschaftung und deren vielfältige Ursachen leiden. Möglicherweise wird das attraktive, kühle- und feuchtigkeitsliebende Hahnenfußgewächs aber zunehmend auch zum Opfer der Klimaerwärmung. In vielen Teilen des Flachlandes ist sie komplett verschwunden.
Der Botaniker HAMPE gibt die heute deutschlandweit gefährdete Art in seiner Flora Hercynica von 1873 noch als auf feuchten Wiesen des Harzes fast überall auftretend… an und die Nordhäuser Pflanzenkenner VOCKE und ANGELRODT benennen 1886 in ihrer Arbeit Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend u.a. Sophienhof, das Ilfelder Tal und Rothesütte als Vorkommensgebiete. Dort ist sie heute so gut wie verschwunden. Ich selbst konnte die gesetzlich geschützte Art als Kartierer im Auftrag der TLUG zwischen 2004 und 2006 noch an mehreren Stellen u.a. im Raum Rothesütte finden. Von fast überall wie zu Hampes Zeiten konnte aber schon damals überhaupt keine Rede mehr sein. An acht Wuchsorten stellte ich um 2005 ca. 450 Pflanzen fest. In den vergangenen Jahren hat diese bereits recht niedrige Zahl weiter abgenommen.
Dass sie in nur rund 12 Jahren auf vielen Südharzer Bergwiesen jedoch wahrscheinlich ganz verschwinden würde, hielt ich aber nicht für möglich. Dies jedoch war das Ergebnis einer erneuten Aufsuchung der damals kartierten Wuchsorte am vergangenen Wochenende. Lediglich auf einer kontinuierlich gemähten Wiese im Raum Ilfeld war die Trollblume noch feststellbar, allerdings auch nur in einer relativ niedrigen Zahl von ca. 60 Exemplaren. Hampe sowie Vocke & Angelrodt hätten sich gewiss nicht vorstellen können, in welch kurzen Zeiträumen es möglich ist, eine einst häufige Art aus unserer Landschaft zu verdrängen. Das gegenwärtige Arten- bzw. Wuchsortsterben ist den Verantwortlichen weitestgehend entglitten. Denn die Trollblume ist nur eines von kaum zählbaren Beispielen. Projekte kommen oft zu spät, ihre Vorbereitung ist zu aufwändig und zu langwierig oder sie sind auf Grund ihrer Befristung vielfach uneffektiv.
Unabhängig davon, ob die Trollblume nur in diesem Jahr eine Ruhepause einlegt oder ob sie, was ich eher glaube, an vielen früheren Wuchsorten verschwunden ist: In jedem Fall ist sie stark zurückgegangen.
Doch wir sollten diese einstige Perle unserer Bergwiesen nicht verloren geben. Zwar sind erste Pflanzen an der einzigen jüngst von mir besuchten noch vorhandenen Wuchsstelle bereits verblüht, es gibt aber auch noch Exemplare mit Knospen. Daher kann sie wahrscheinlich dort, wo sie sie in diesem Jahr eventuell doch noch erblüht, leicht wahrgenommen werden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser Ihre Augen bei etwaigen Ausflügen in den Südharz, aber auch in den außerthüringischen Harz jetzt im Juni offenhalten und mir eine Information geben, wo Sie die Trollblume gesehen haben. Gern können Sie mir diese Infos unter bodo_schwarzberg@yahoo.de zusenden, am besten mit einigen aussagekräftigen Fotos.
Und hier noch eine kurze Beschreibung der Art:
Sie ist ausdauernd, wird bis zu einem halben Meter hoch und wächst auf feuchten, artenreichen, d.h. meist auffallend bunten Bergwiesen. Ihre grundständig langgestielten und weiter oben sitzenden (hier ungestielten) Laubblätter sind mehrfach handförmig geteilt. Die sattgelben Blüten fallen durch ihre annähernd kugelige und geschlossene Form auf. Anbei einige Fotos.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Suche, bei der Sie natürlich die geltenden Naturschutzregelungen beachten sollten. Ihre eventuellen Ergebnisse dienen unter anderem dazu, dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser und der Unteren Naturschutzbehörde zu helfen, die Trollblume und die für sie typische Pflanzengemeinschaft durch geeignete Maßnahmen zu erhalten.
Bodo Schwarzberg
Autor: redUrsachen für die Verluste von Wuchsorten bedrohter Pflanzenarten auf unseren ursprünglich extensiv genutzten Wiesen und Weiden gibt es viele: Nutzungsintensivierung bzw. nicht artgerechte Nutzung (wie z.B. durch Rinderweide) Klimawandel, Aufforstung, Umbruch zu Ackerland, diskontinuierliche Bereitstellung von Fördermitteln für Landschaftspflegeverbände und oft ungeeignete, auf landwirtschaftliche Interessen zugeschnittene Pflegeprogramme wie das Kulap-Programm, politisch verordnete Bürokratie und Mitteleinsparung im Naturschutz, Behördenprobleme, Nutzungsaufgabe, folgenlose Politikerworte...
Die Wende hat aus all diesen Gründen zu weiteren dramatischen Verlusten geführt, trotz einer nachwendischen, die Grundprobleme kaschierenden Schwemme an Schutzgebieten, Programmen, Landschaftspflegeverbänden, Richtlinien und Biodiversitätsstrategien.
Die Trollblume (Trollius europaeus), eine wie die legendäre Arnika einst typische Bewohnerin unserer Bergwiesen dürfte im Harz und damit auch im Landkreis Nordhausen vor allem unter Nutzungsaufgabe sowie unter ungeeigneter Bewirtschaftung und deren vielfältige Ursachen leiden. Möglicherweise wird das attraktive, kühle- und feuchtigkeitsliebende Hahnenfußgewächs aber zunehmend auch zum Opfer der Klimaerwärmung. In vielen Teilen des Flachlandes ist sie komplett verschwunden.
Der Botaniker HAMPE gibt die heute deutschlandweit gefährdete Art in seiner Flora Hercynica von 1873 noch als auf feuchten Wiesen des Harzes fast überall auftretend… an und die Nordhäuser Pflanzenkenner VOCKE und ANGELRODT benennen 1886 in ihrer Arbeit Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend u.a. Sophienhof, das Ilfelder Tal und Rothesütte als Vorkommensgebiete. Dort ist sie heute so gut wie verschwunden. Ich selbst konnte die gesetzlich geschützte Art als Kartierer im Auftrag der TLUG zwischen 2004 und 2006 noch an mehreren Stellen u.a. im Raum Rothesütte finden. Von fast überall wie zu Hampes Zeiten konnte aber schon damals überhaupt keine Rede mehr sein. An acht Wuchsorten stellte ich um 2005 ca. 450 Pflanzen fest. In den vergangenen Jahren hat diese bereits recht niedrige Zahl weiter abgenommen.
Dass sie in nur rund 12 Jahren auf vielen Südharzer Bergwiesen jedoch wahrscheinlich ganz verschwinden würde, hielt ich aber nicht für möglich. Dies jedoch war das Ergebnis einer erneuten Aufsuchung der damals kartierten Wuchsorte am vergangenen Wochenende. Lediglich auf einer kontinuierlich gemähten Wiese im Raum Ilfeld war die Trollblume noch feststellbar, allerdings auch nur in einer relativ niedrigen Zahl von ca. 60 Exemplaren. Hampe sowie Vocke & Angelrodt hätten sich gewiss nicht vorstellen können, in welch kurzen Zeiträumen es möglich ist, eine einst häufige Art aus unserer Landschaft zu verdrängen. Das gegenwärtige Arten- bzw. Wuchsortsterben ist den Verantwortlichen weitestgehend entglitten. Denn die Trollblume ist nur eines von kaum zählbaren Beispielen. Projekte kommen oft zu spät, ihre Vorbereitung ist zu aufwändig und zu langwierig oder sie sind auf Grund ihrer Befristung vielfach uneffektiv.
Unabhängig davon, ob die Trollblume nur in diesem Jahr eine Ruhepause einlegt oder ob sie, was ich eher glaube, an vielen früheren Wuchsorten verschwunden ist: In jedem Fall ist sie stark zurückgegangen.
Doch wir sollten diese einstige Perle unserer Bergwiesen nicht verloren geben. Zwar sind erste Pflanzen an der einzigen jüngst von mir besuchten noch vorhandenen Wuchsstelle bereits verblüht, es gibt aber auch noch Exemplare mit Knospen. Daher kann sie wahrscheinlich dort, wo sie sie in diesem Jahr eventuell doch noch erblüht, leicht wahrgenommen werden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser Ihre Augen bei etwaigen Ausflügen in den Südharz, aber auch in den außerthüringischen Harz jetzt im Juni offenhalten und mir eine Information geben, wo Sie die Trollblume gesehen haben. Gern können Sie mir diese Infos unter bodo_schwarzberg@yahoo.de zusenden, am besten mit einigen aussagekräftigen Fotos.
Und hier noch eine kurze Beschreibung der Art:
Sie ist ausdauernd, wird bis zu einem halben Meter hoch und wächst auf feuchten, artenreichen, d.h. meist auffallend bunten Bergwiesen. Ihre grundständig langgestielten und weiter oben sitzenden (hier ungestielten) Laubblätter sind mehrfach handförmig geteilt. Die sattgelben Blüten fallen durch ihre annähernd kugelige und geschlossene Form auf. Anbei einige Fotos.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Suche, bei der Sie natürlich die geltenden Naturschutzregelungen beachten sollten. Ihre eventuellen Ergebnisse dienen unter anderem dazu, dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser und der Unteren Naturschutzbehörde zu helfen, die Trollblume und die für sie typische Pflanzengemeinschaft durch geeignete Maßnahmen zu erhalten.
Bodo Schwarzberg




