kyffhaeuser-nachrichten.de
Fachkräfte gesucht

Pflege hat Zukunft

Freitag, 30. Juni 2017, 12:20 Uhr
Der Pflegebereich brummt, die Zahl der Beschäftigten steigt stetig. Zur heutigen Vorstellung der Arbeitsmarktdaten nutzte man im Haus. St. Jakob die Gelegenheit für die Arbeit mit den Mitmenschen die Werbetrommel zu rühren und wandte sich an den Nachwuchs...

Beatrice Rödel hat es bald geschafft: im August beginnen die letzten Prüfungen zur Altenpflegerin (Foto: Angelo Glashagel) Beatrice Rödel hat es bald geschafft: im August beginnen die letzten Prüfungen zur Altenpflegerin (Foto: Angelo Glashagel)


27 Jahre lang hat Siegried Hanusch bei der Nordhäuser Diakonie gearbeitet, heute wurde sie von ihren Kollegen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Beatrice Rödel hat dagegen ihr Berufsleben noch vor sich, in etwas mehr als einem Monat beginnen die Prüfungen, nach deren Ende sie als Altenpflegerin wird arbeiten können.

Zwei kleine Geschichten, wie sie sich in den letzten Jahren des öfteren in den Häusern der Diakonie ereignet haben dürfte. Anders als in vielen anderen Bereichen der modernen Arbeitswelt sinkt hier das Durchschnittsalter der Belegschaft. "Wir sind in der glücklichen Position jedes Jahr mehr Bewerber als Stellen zu haben", sagte Diakonie-Geschäftsführer Michael Görk am Vormittag anlässlich der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten für den vergangenen Monat.

Die Pflegebranche boomt, das wollten Agenturleiter Karsten Froböse und Diakonie-Chef Görk vermitteln. Rund 8,3 Prozent aller Beschäftigten in den drei Nordthüringer Kreisen Nordhausen, Kyffhäuser und Eichsfeld sind im Pflegebereich tätig, in drei Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten um 16,7 %. Die Zahl der Pflegeeinrichtungen stieg zwischen 2005 und 2015 von 40 auf über 75. "Und der Bedarf steigt weiter, wir merken das jeden Tag. Nicht nur in der Pflege, auch in der Betreuung und der hauswirtschaftlichen Begleitung, gerade in einer ländlichen Region wie der unseren", sagte Michael Görk.

Frau Rödel war die Entscheidung in die Pflege zu gehen leicht gefallen, erste Erfahrungen hatte sie schon in der eigenen Familie gesammelt, erzählte die junge Frau heute, mit Hilfe der Arbeitsagentur habe sie dann den Fuß in die Tür bekommen. Die Arbeitsvermittler besorgen Interessenten ein Praktikum, prüfen über den berufspsychologischen Dienst die Eignung und organisieren Qualifizierungsmaßnahmen. Man brauche den Nachwuchs hier, bekräftigte Andrea Springer von der Nordhäuser Arbeitsagentur, allein im Thüringer Gesundheits- und Sozialwesen würden bis 67.100 Arbeitskräfte bis 2025 gebraucht.

v.l: Andrea Springer, Karsten Froböse, Beatrice Rödel und Michael Görk (Foto: Angelo Glashagel) v.l: Andrea Springer, Karsten Froböse, Beatrice Rödel und Michael Görk (Foto: Angelo Glashagel)


Die Jugend für den Pflegeberuf zu begeistern ist indes nicht ganz einfach. Lange Arbeitszeiten, auch an Wochenend- und Feiertagen, magere Bezahlung, körperlich anstrengende Tätigkeiten, das Image des Berufsfeldes war lange Zeit nicht das beste. "Natürlich gibt es den Schichtdienst, zur Silvesterfeier kann dann vielleicht nur Wasser getrunken werden weil man am nächsten morgen raus muss.", sagte Diakonie-Chef Görk, das sei eine Herausforderung, aber gehöre dazu und sollte bei der Berufswahl nicht vergessen werden. "Wir versuchen in der Diakonie mehr zu tun als einfach nur nach Tarif zu zahlen", so Görk weiter, die Bewerber wüssten was sie an der Diakonie hätten. Allgemein pflege man im Haus guten Umgang miteinander, so wie es einer "christlichen Einrichtung gut zu Gesicht stehe". Es gibt eine Betriebsrente und Gesundheitsförderung. "Meine Mitarbeiter sollen ihre Rente einmal so erleben können, das sie auch noch genossen werden kann", meinte Görk.

Gang und Gäbe sei das in der Branche nicht immer, in Nordhausen hätten Bewerber aber angesichts der vielen Anbieter die es inzwischen am Markt gibt viel Auswahl und könnten nach ihren Präferenzen wählen, sowohl in finanzieller Hinsicht wie auch in Bezug auf die Tätigkeit.

Die nächsten Qualifizierungen für den Pflegebereich bietet die Arbeitsagentur für den 1. September an. "Wir helfen gern", sagte Karsten Froböse, "aber man muss sich jetzt langsam darum kümmern." Handwerk mag goldenen Boden haben, die Pflege hat Zukunft, unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung, denn Alt werden immer mehr Menschen.
Angelo Glashagel
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de