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Gartenkünstler und ihr Wirken in historischen Gärten

Herbstsymposion der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Mittwoch, 18. Oktober 2017, 12:39 Uhr
Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen, Fachgruppe Gärten findet vom 20. bis 21. Oktober 2017, Schloss Heidecksburg in Rudolstadt ein Herbstsymposion statt...


Höfische Gärten und Parkanlagen gehören als wesentlicher Bestandteil fürstlichen Selbstverständnisses untrennbar zu den historischen Schlossanlagen. Sie zeugen vom Repräsentationsanspruch, wechselndem Gestaltungs- und Reformwillen der Fürsten. Auch die zahlreichen Thüringer Residenzanlagen geben auf vielfältige Weise ein beredtes Zeugnis davon.

Die Schlossgärten stellen innerhalb des höfischen Erbes bedeutende Kulturdenkmale dar, die aus öffentlichem Interesse für Kunst und Geschichte im gewandelten, nun demokratischen Umfeld für die Allgemeinheit erhalten werden und dabei wichtige Aufgaben im Bereich von Tourismus, Erholung und Natur- wie Landschaftspflege erfüllen.

Mit ihrem Herbstsymposion 2017 richtet die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten den Fokus auf die Gestalter und steten Bewahrer der Gartenkunstwerke. Gartenkünstler und Hofgärtner waren Persönlichkeiten, die die Entstehung und den Erhalt der Anlagen maßgeblich prägten und erheblichen Anteil am hohen künstlerischen Stellenwert der Gärten hatten – auch dann, wenn ihre Auftraggeber maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltungsabsicht nahmen.

Gartenkünstler und ihr Wirken in historischen Gärten    (Foto: Thüringer Schlösser und Gärten) Gartenkünstler und ihr Wirken in historischen Gärten (Foto: Thüringer Schlösser und Gärten)

- Dornburger Schlösser und Gärten, Landschaftsgarten, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Foto: D. Hagner
Im Rahmen des Symposions werden verschiedenste Aspekte betrachtet: Ausgehend vom allgemeinen europäischen Rahmen, der mit einflussreichen Persönlichkeiten die gartengeschichtliche Entwicklung geprägt hat, wird beispielhaft auf Thüringen und andere Länder in Deutschland eingegangen. Zum grundlegenden Verständnis soll die soziale Stellung der Hofgärtner sowie die Bedeutung der Königlichen Gärtnerlehranstalt bei Potsdam betrachtet werden. Die 1824 gegründete Lehranstalt erweiterte die Ausbildungsmöglichkeiten für angehende Gartenkünstler erheblich, auch wenn es nach Absolvierung einer meist dreijährigen Lehrzeit weiterhin üblich blieb, auf Wanderschaft zu gehen, um andere europäische Gartenanlagen kennenzulernen.

Vielfach legten Gartenkünstler auch publizistisch Zeugnis über ihre Gestaltungsvorstellungen ab. Mit Hermann Jäger war im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach einer der produktivsten und bekanntesten Gartenschriftsteller des 19. Jahrhunderts tätig.

Neben Fragen zur Profession und wie sich die Gartenkünstler ihr Wissen angeeignet und es tradiert haben geht es darum, welche Aufgaben Gartenkünstler und Hofgärtner hatten. Nachweisen lassen sich ganze Familiendynastien, welche waren es in Thüringen? Zu den herausragenden Repräsentanten in Deutschland gehörte zweifellos Friedrich Ludwig von Sckell. An seinem Wirken in Bayern und Baden-Württemberg sollen das Aufgabenspektrum und Kennzeichen seiner gestalterischen Handschrift vorgestellt werden.

Schließlich wird die Situation in Thüringen an Beispielen erläutert. Sind die Strukturen, Künstler und ihre Gartenkunstwerke mit anderen Ländern vergleichbar? So wird unter anderem ein Blick auf den weniger bekannten Thüringer Zweig der Hofgärtnerfamilie Sckell geworfen sowie ein übergreifender Blick auf die in Thüringen tätigen Gartenkünstler.

Neue Aufgaben entstanden mit dem Ende der Monarchien, etwa die Entwicklung von Methodik und Ausführung der Gartendenkmalpflege. Mit der Fürstenabdankung wurden die Gartenverwaltungen in die neu entstandenen staatlichen Schlösserverwaltungen überführt. Mit ihrem Auftrag zur musealen Bewahrung erfolgte der Übergang vom gestaltenden zum bewahrenden Gartenkünstler der nun als Gartenbeamter mit den Aufgaben der sich erst entwickelnden Gartendenkmalpflege betraut war, ein Aufgabengebiet, das sich unter anderen Vorzeichen nach dem Zweiten Weltkrieg in West und Ost weiterentwickelte. Beiträge zum Fortgang in Bayern und im Dessau-Wörlitzer Gartenreich beleuchten diesen Aspekt. Der das Symposion abschließende Festvortrag wirft einen Blick auf die Gärtnerreisen in Europa. Waren doch der internationale Austausch und die Verknüpfung der Ausbildung u.a. mit Reisen nach England, Frankreich, Italien für Hofgärtner und Gartenkünstler wie auch für die Fürsten kanonischer Bestandteil der Bildung.

Gartenkünstler und ihr Wirken in historischen Gärten    (Foto: Thüringer Schlösser und Gärten) Gartenkünstler und ihr Wirken in historischen Gärten (Foto: Thüringer Schlösser und Gärten)

- Fürstlich Greizer Park, Pleasureground, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Foto: Helmut Wiegel

Das Herbstsymposion findet gemeinsam mit der Fachgruppe Gärten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen statt. Es konnten ausgewiesene Experten aus Praxis und Wissenschaft für die Tagung gewonnen werden, die aus ganz Deutschland kommen.

Dr. Susanne Rott
Pressestelle der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten
Autor: khh

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