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Neues aus Artern

Steinreiches Artern:

Dienstag, 03. April 2018, 09:48 Uhr
Zwei neue Denkmale zieren die Stadtränder von Artern. Von dieser Aktion Ende März erreichte kn dieser Bericht...

Trotz schneidend kalten Windes fanden sich am Nachmittag des 29. März 2018 fünfundzwanzig Interessierte aus Artern, Bennungen, Berga, Erfurt, Sömmerda und Tilleda ein, um an der feierlichen Übergabe eines Kleindenkmals in der Sangerhäuser Straße in Artern teilzunehmen. Dieses mangels Kenntnis der genauen Bezeichnung provisorisch als „Provinzstein“ bezeichnete Denkmal ist ein steinernes Dokument mit Bezügen zu Chausseebau bzw. -nutzung in Preußen, hier die ab 1830 errichtete Kunststraße zwischen Sangerhausen und Kindelbrück betreffend.

Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling) Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling)

Enthüllung des sanierten Original-Denkmals in der Sangerhäuser Straße

Bei der Sanierung wurde festgestellt, dass der Stein aus zwei Komponenten besteht: hochwertigen Terrazzo im Bereich des Kopfes bzw. aus minderwertigeren Waschbeton im Fußabschnitt. Es ist davon auszugehen, dass sich im Korpus eine Armierung aus Metall befindet. Außerdem bleibt anzumerken, dass der Arterner Stein ein sehr seltenes Denkmal darstellt, ein weiteres dieses Art wurde erst in Eisleben festgestellt.

Im Vorfeld der Wiederherstellung waren Mitglieder der Forschungsgruppe Meilensteine, des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue, des Sangerhäuser Geschichtsvereins und des Heimatvereins ARTORA besagter der Chaussee zu ermitteln. Das Denkmal markiert demnach Verantwortlichkeiten für diese Straße seitens der Preußischen Provinz Sachsen ab Sangerhausen bis zum Standort des Steins in Artern. Ab dort, also damaliger Ortseingang in der Sangerhäuser Straße, war dann die Kommune Artern für die innerstädtische Straßenbewirtschaftung zuständig. Diese Verantwortlichkeit gab die Stadt Artern aber an der Unstrut-Brücke in der Reinsdorfer Straße wieder ab, denn da ab dort hatte wieder die Provinz Sachsen die Hoheit über die Chaussee inne.

Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling) Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling)

Volkmar Künne berichtet über die alte Chaussee

Nach historischen Erläuterungen von Andreas Schmölling vom Heimatverein ARATORA halfen Bürgermeisterin Christine Zimmer und ARATORA-Vereinsmitglied Volkmar Künne sowie Manfred Schröter und Heinz Noack vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue, das bis dahin abgedeckt gewesene Denkmal zu enthüllen. Volkmar Künne berichtete anschließend noch über seine Kindheitserinnerungen an der alten Chaussee, der damals noch völlig unbebauten Sangerhäuser Straße.

Aufgrund dessen erst kürzlich auf einem Foto um 1950 ein zufällig mit auf diese Aufnahme gelangter, weiterer „Provinzstein“ entdeckt worden war, der bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges direkt an der Brücke in der Reinsdorfer Straße stand, behielt es sich der Heimatverein ARATORA vor, dieses nur noch bildlich vorhandene Relikt in Kopie, ebenfalls vom Steinmetzbetrieb Marko Gödicke in Artern, anfertigen zu lassen. Dieses neue Monument aus Sandstein wurde aber umständehalber etwa 100 Meter südlich der Brücke an der alten Chaussee nach Reinsdorf gesetzt, und zwar dort, wo der Damm der Kyffhäuser-Kleinbahn die Bundesstraße B 86 schneidet. Die Gravur „Stadt Artern“ blickt hier korrekterweise nach Norden, die Inschrift „Provinz“ nach Süden.

Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling) Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling)

Neuer Provinzstein an der Chaussee nach Reinsdorf

Die geäußerte Meinung, beide Steine wären um 180 Grad verkehrt herum aufgestellt, ist nämlich unrichtig, schließlich handelt sich bei diesen nicht um Festlegungen von Ortseingängen. Vielmehr zeigen die Schriftzüge an, in wessen Zuständigkeiten bei der Wegeführung und -unterhaltung jene Straßenabschnitte fallen, in die die Gravuren zeigen, also die Preußische Provinz Sachsen bzw. die Stadt Artern.

Die Zeitsetzung der Errichtung dieser straßenbauhistorischen Denkmale kann nur annähernd angegeben werden. Da auf dem Stein in der Sangerhäuser Straße die Längenangabe „Km“ zu lesen ist, kann das Denkmal erst nach 1869 gesetzt worden sein, das ist das Jahr der Einführung des metrischen Systems in Preußen. Die gleichfalls und zwar doppelt auf dem Stein mitgeteilte Angabe „12,1 Km“ könnte die Länge der Chaussee zwischen deren Beginn am damaligen Stadtrand von Sangerhausen bis Artern markieren (eine durchgeführte digitale Messung kommt der angebenden Zahl sehr nahe).

Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling) Steinreiches Artern: (Foto: Andreas Schmölling)

Denkmalfreunde unter sich: Manfred Schröter (rechts) und Andreas Schmölling

Die nach der Sanierung des Luthersteins von 1819, des Friedenssteins von 1871 und des Wappensteins von ca. 1735 nunmehr erfolgte Sanierung und Neuschaffung zweier weiterer historischer Denkmale ist von den Besuchern lebhaft begrüßt worden. Erfreulich zudem die gestellte Frage nach der nächsten Wiederherstellung eines Kleindenkmals. Hierfür ist zunächst der „Versteinerte Baum“ vor der romanischen Veitskirche ins Auge gefasst worden, dessen demolierter Sockel sowie fehlende fossile Hölzer restauriert werden sollen.

Text und Fotos: Andreas Schmölling
Heimatverein ARATORA
Autor: khh

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