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Meldung aus dem Landratsamt

E-Mobilität ist gut fürs Image

Donnerstag, 07. Juni 2018, 00:03 Uhr
Beim gestrigen Workshop zur Entwicklung einer Ladenetzinfrastruktur für Elektroautos im Kyffhäuserkreis gab es Positives, aber es werfen sich noch mehr Fragen auf...


Die Landrätin des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind (SPD)hatte gemeinsam mit Sebastian Kupfer, Geschäftsführer der Firma InTraSol-Intelligent Traffic Solutions GmbH, zu diesem Workshop mit Vertretern der Kommunen, aus dem Tourismusbereich sowie Projektpartnern eingeladen.

E-Mobilität ist gut fürs Image (Foto: Karl-Heinz Herrmann) E-Mobilität ist gut fürs Image (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Das Landratsamt ermittelt im Rahmen der Elektromobilitätsstudie des Kyffhäuserkreises potentielle Standorte für eine flächendeckende und bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur. Die Firma InTraSol hat hierfür eine erste Potentialanalyse erstellt und wird diese mit den Vertretern diskutieren. Der Bedarf sowie regionale Gesichtspunkte werden als weiche Faktoren in die Studie einfließen.

E-Mobilität ist gut fürs Image (Foto: Karl-Heinz Herrmann) E-Mobilität ist gut fürs Image (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Derzeit sind mit Stand März 2018 gerade mal 17 echte E-Autos im Kyffhäuserkreis zugelassen. Dazu kommen noch 107 Hybridfahreuge. Diese Zahlen muss man wissen, wenn es um die E-Mobilität im Kreis geht. Die Zahl der E-Autos, die im Kyffhäuserkreis tatsächlich unterwegs sind, kann man nicht einschätzen.

Laut Daniel Krieg Projektmanager bei InTraSol sollte alle 10 Kilometer eine Ladesäule stehen. Mit den im Kyffhäuserkreis bestehenden 17 Ladesäulen (bei 11 Ladestandorten) gibt es 32 Ladepunkte, was heißt, es könnten 32 E-Autos an den verschiedenen Orten gleichzeitig ihre Batterien aufladen. Das sei eine Abdeckung von im Kreis von 84 Prozent. Laut Krieg soll demnächst in Wiehe eine weitere Ladestation in Betrieb gehen. Unklar war war, ob in Ebeleben eine Ladesäule dazu kommt.

E-Mobilität ist gut fürs Image (Foto: Karl-Heinz Herrmann) E-Mobilität ist gut fürs Image (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Ladesäule in Sondershausen: Die Normalladesäulen, Parkplatz Stadtwerke/Bibliothek, Parkplatz am Krankenhaus sowie der Parkplatz auf dem Possen, stehen bereits seit Ende letzten Jahres zur Verfügung. Dazu kommt die Schnellladesäule seit kurzem an der Honsel-Tankstelle.

Andreas Grabe von den Stadtwerken Sondershausen informierte im Gespräch mit kn auf Nachfrage, dass es noch 2018 eine Ladesäule Am Schwan (Markt) geben soll. Der sollen 2019 noch eine Ladesäule an der Trinitatiskirche und eine Schnellladesäule am OBI-Baumarkt folgen.

Sondershausen ist also im Landkreis weit vorgeprescht. Aber ist die Euphorie gerechtfertigt? Andreas Grabe sagte es klar und deutlich, diese gezeigte E-Mobilität ist gut fürs Image, aber wir verdienen mit den Ladesäuln kein Geld!
Man mus erst mal Ladesäulen vorhalten, um den E-Autos überhaupt eine Chance zu geben.

Ingo Bornemann von der Thüringer Energie AG und Dr. Sven Hasse vom Energiebetreiber enviaM hatte zur Ladesäulenstruktur in Thüringen bzw. zur Netzintegration von Ladeinfrastruktur gesprochen.
Sie konnten zwar beschwichtigen, selbst wenn Deutschland nur noch E-Autos hätte, dass der Strom reichen würde, gaben aber auch zu, so Haase, dass es zu Spitzenzeit schnell eng mit der Bereitstellung von Strom kommen könnte. Gegen 18:00 Uhr, wenn es jetzt bereits heftige Spitzenzeiten im Stromverbrauch gibt, kämen dann noch die Autos dazu, wenn man von der Arbeit kommt.

Da könnte schnell mal der Strom für die Autos knapp werden. Über intelligente Systeme zur Betankung mit Strom werde nachgedacht, aber so richtig spruchreif wäre noch nichts.

Wer in einem Ein- oder Zweifamilienhaus wohnt, kommt ja, wenn es der Stromanschluss zulässt, noch gut zu einem Platz zum Laden. Aber 70 Prozent der Bevölkerung lebt in Mehrfamilienhäusern, die die Autos der Bewohner haben meist nicht mal einen festen Parkplatz. Hier ist noch völlig unklar, wie hier das Laden eines E-Autos erfolgen soll. Sollen die alle an öffentliche Ladesäulen?
Vorstellungen, dass Laden an der Arbeitsstätte durchzuführen ist amüsant. Man stelle sich vor, wo das Landratsamt allein die Parkplätze hernehmen sollte, um mal ein Beispiel zu nennen. Von den anderen rechtlichen Problemen der Bezahlung ganz abgesehen. Wie viele Ladesäulen sollte zum Beispiel WAGO für seine Leute vorhalten?

Es zeigt sich, dass es zu einer größeren Einführung der E-Autos nocht einige grundlegende Dinge zu klären gibt.

Und eine Problematik wird sowohl hier im Kleinen im Kreis und auch im Großen bei der Politik völlig ausgeklammert: Die Frage der E-Bikes und der Pedelecs. Der Boom in dieser Branche geht los. Beim Urlaub an der Mosel konnte kn beobachten, dass rund jedes dritte Fahrrad bereits mit Strom unterstützt wurde.

Daniel Krieg räumte in einem Gespräch mit kn ein, dass man diesem Thema bisher kaum Beachtung geschenkt hat. Ein intaktes Radwegenetz in Verbindung mit Pedelecs könnte die Straßen gerade im Berufsverkehr wahrscheinlich mehr entlasten, als die E-Autos. Aber die Radfahrer interessiert ja kaum ein Mensch. Siehe Sondershausen. Vor einem Jahr wurde ein Radwegskonzeption beschlossen. Bisher hat kn noch nicht bemerkt, dass sich da etwas getan hat.

Mit Blick auf den Unstrut-Werra-Radweg kann man feststellen, der Radtourist wird wird keinen Hinweis auf eine Ladestation bekommen. Und die es gibt im ganzen Kreis nur zwei öffnetliche Säulen zum Laden von Pedelecs. So viel zur Förderung des Radtourismus.

So nützlich sicher so ein Treffen wie gestern war, die Lösung der Verkehrsprobleme wird es kaum ein Stück voranbringen, selbst wenn man sich auf die eine oder andere weitere Ladesäule einigt.
Autor: khh

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