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Meinungs-Wirrwarr im Fall Özil

Montag, 23. Juli 2018, 17:31 Uhr
Als ob es nichts anderes als den Fall Mesut Özil gebe. Sämtliche Medien – ob Rundfunk, Fernsehen oder Zeitungen – überbieten sich gegenwärtig mit Kommentaren und Betrachtungen über einen Fußballspieler, der seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft erklärte...


Özil sparte in seiner Begründung nicht mit Kritik. Er wetterte gegen den DFB, gegen Verbandschef Reinhard Gründel, gegen Medien. In der Erklärung des Fußballers waren sogar Rassismusvorwürfe herauszulesen.

In dem Wirrwarr der Meinungsvielfalt fällt es schwer, herauszufinden, wer da mit seiner Ansicht recht hat und wer nicht. Im Fall Özil habe ich eine eigene Meinung. Die von Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, teile ich nicht. Nur der Satz „Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist…“ ist mir gewogen.

Hoeneß ist als Abteilung Attacke bekannt. Er sagt, was er denkt. Hält die Zunge nur ungern hinter den Zähnen. Im Fall des Fußballers Ö. denkt er so: „Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Jetzt verstecke er seine Mist-Leistung hinter diesem Foto.“

Der Bayern-Präsident setzt noch einen drauf: „Zuletzt in Russland, als die Nationalmannschaft in der Vorrunde scheiterte, habe niemand hinterfragt, was der bei der WM für einen Mist gespielt hat. Seine 35 Millionen Fallower-Boys, die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt, kümmern sich darum, dass er überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt.“ Sportlich, meint Hoeneß, habe Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren.

Während die bekannte Schauspielerin Sophia Thomalla Özils Begründung, aus der Nationalmannschaft auszutreten, für „stockenblöde“ hält, ist Theo Zwanziger, der frühere Präsident des Deutschen Fußballbundes, tief traurig über Özils Entscheidung. Der habe doch gut gespielt. Außerdem: Migranten dürften sich nicht als Deutsche zweiter Klasse sehen. Bundeskanzlerin Merkel schätzt den Fußballer ebenfalls. Er habe, ließ sie über eine Regierungssprecherin erklären, viel für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft getan.

In der Türkei wird Mesut als Held gefeiert. Justizminister Abdulhami Gül meint, Özil habe mit seinem Rücktritt das „schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen.“ Wir erinnern uns der Faschismusvorwürfe des Präsidenten Erdogan, der den Fußballer ebenfalls überschwänglich lobt, gegen die Bundesregierung.

Für mich ist und bleibt das Foto Özils mit Erdogan ein Fehler. Ihm und Gündogan hätte bewusst sein müssen, dass sie damit einem Autokraten huldigen. Was Mesut Özils Begründung anbelangt, nähert sich meine Meinung der von Sophia Thomalla an. Was allgemein an Äußerungen zum Fall des M. Ö. zu lesen und zu hören ist, hängt davon ab, ob sie in einem liberalen oder konservativen Blatt verbreitet wird und die des jeweiligen Chefredakteurs entspricht. Von einem schweren Schlag gegen die Integrationsbemühungen bis hin, die Spieler sollten schleunigst zu ihrem verehrten Präsidenten gehen, ist da die Rede.

Mir ist von allen Meinungsäußerungen die von Außenminister Heiko Mass, ganz Diplomat, sehr gefällig: „Ich glaube, alle Beteiligten in der Causa sollten einmal in sich gehen. Ich sehe wenige, die nach meiner Wahrnehmung sich da einigermaßen richtig verhalten haben.“ Rückschlüsse vom Fall Özil zum Stand der Integration in Deutschland möchte Maas nicht ziehen. „Ich glaube nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland.“
Kurt Frank
Autor: red

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