kyffhaeuser-nachrichten.de
kn-Forum

Aufrichtige Anteilnahme und/oder Danksagung

Freitag, 08. Februar 2019, 08:53 Uhr
Die Mutter ist tot, die Kinder leben weiter. Eigentlich der ganz normale Lebenszyklus, den ich mit unendlich viel Wut im Bauch, miterleben muss. So beginnt eine Leserbrief zum Thema Manniske-Krankenhaus Bad Frankenhausen...


Das Frankenhäuser Manniske-Krankenhaus ist das Mutterhaus der DRK-Krankenhausgesellschaft Thüringen-Brandenburg, dessen Tod der Belegschaft und der Öffentlichkeit gestern mitgeteilt wurde.

Mit jedem neuen Kind (Krankenhäuser in Sömmerda, Luckenwalde und Sondershausen) wurde dem Mutterhaus ein mehr oder weniger großes Körperteil amputiert und diese noch nicht einmal durch schlechte Prothesen, sondern gar nicht ersetzt. In Sömmerda sorgte der damals abgesandte oder abgeschobene Dr. Bust spätestens mit seiner Nominierung zum ärztlichen Direktor unter dem Motto „My house first“ für eine positive Entwicklung des Hauses. Bei der Übernahme des Sondershäuser Krankenhauses (für die ich mich damals stark eingesetzt habe) hat wohl unser ehemaliger Landrat der Krankenhausgesellschaft des DRK einige Kompromisse hinter verschlossenen Türen abgerungen, die dem Sondershäuser Krankenhaus nicht nur das Überleben sicherten.

Selbst da war es für eine vollständige Genesung des Mutterhauses noch nicht zu spät. Denn es gab einige ausgezeichnete Ärzte, die auf Grund ihrer Fähigkeiten weit über die Grenzen des Kyffhäuserkreises bekannt waren. Da gab es beispielsweise den damaligen ärztlichen Direktor Dr. Hoffmann, der mit seiner Bauchchirurgie viele Patienten ins Haus brachte. Da gab es einen Dr. Müller, der in der Onkologie nicht nur nationale Anerkennung genoss und so Patienten aus ganz Deutschland akquirierte. Die hat man alle ziehen lassen. Und als die Erkrankung des Mutterhauses dann ein sehr bedrohliches Stadium erreicht hatte, gab es als letzten Rettungsanker noch das geriatrische Zentrum mit vielversprechenden Millionen aus dem Krankenhausstrukturfonds.

Und die Patientin Mutterhaus Manniske hätte diesen Rettungsanker gern ergriffen. Das versicherten mir viele MitarbeiterInnen bei meinem Krankenhausaufenthalt im Dezember. Doch nun kam die „Sorge“ der Lokalpolitik ins Spiel. Es könnte in Bad Frankenhausen mit der Umsetzung dieses Konzeptes keine Grundversorgung mehr gewährleistet werden. Dieser „Sorge“ verliehen die Kreistagsmitglieder mit einem mehrheitlichen „Nein“ zum Konzept des geriatrischen Zentrums auf verhängnisvolle Art Ausdruck - unterstützt von einem Thüringer Gesundheitsministerium, dass sich nicht gegen den Willen des Kreises positionieren wollte. Das war dann wohl der Todesstoß für das Mutterhaus Manniske in Bad Frankenhausen.

Ich bin auf die nächste Demo zur Rettung des Manniske Krankenhauses gespannt – noch mehr jedoch auf die Ergebnisse des Bieterverfahrens und welche „Erfolge“ unser Kreis dabei erzielen wird.
Für die künftigen Betreiber wird es ja nicht schwer, das unwirtschaftliche Mutterhaus Manniske fallen zu lassen. Die Drecksarbeit bezüglich der Entlassungen hat ja der Insolvenzverwalter bzw. das Wirtschaftsberatungsunternhemen WMC Healthcare, deren Nobelkarossen täglich auf dem Manniske-Gelände zu bewundern sind, quasi übernommen.

Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer der Gesellschaft sitzen derweil in der neu angemieteten Villa der Sömmerdaer Sparkasse in Büros so groß, dass normale Menschen darin eine ganze Wohnung unterbringen könnten und haben nichts zu befürchten. Wenn es ganz skurril kommt, dürfen sie die Gesellschaft sogar weiterführen.

Auch den Lokalpolitikern, die ja mehrheitlich ehrenamtlich im Kreistag agieren, wird nichts Übles passieren. Leider gilt das Verursacherprinzip nicht für Manager, Direktoren und Politiker. Dafür zahlen müssen genau Diejenigen, die zum Teil seit mehreren Jahrzehnten und bis zur letzten Minute ihren Dienst im Manniske-Krankenhaus ordentlich versehen.
Und genau denen gilt meine Anteilnahme und nicht nur meiner eigenen Wut und Ohnmacht will ich mit diesem Brief Ausdruck verleihen sondern auch der Wut und Enttäuschung der vielen Manniske MitarbeiterInnen.

Fazit: Das Konzept des geriatrischen Zentrums wurde abgelehnt und nun im ersten Teil, Bettenabbau, Notfallversorgung und Weitervermitteln der Patienten an andere Häuser umgesetzt. Was allerdings fehlt? Die 26 Millionen und die Sicherung von Arbeitsplätzen durch das geriatrische Zentrum und natürlich die umfangreiche Versorgung der Bürger und Gäste unserer Region.
Marion Haas
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de