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Mobile-Ostperlen im Einkaufstempel

Garderobenwechsel bei den "Schraubern"

Sonntag, 28. April 2019, 17:08 Uhr
Ab Morgen werden Kunden der Nordhäuser Südharz Galerie aus dem Staunen nicht mehr herauskommen: An fünf Standorten wird ihnen präsentiert, was die mobilen Herzen der Eltern- und Großelterngeneration in einen schnelleren Schlag versetzte. Wir konnte heute schon mal einen Blick wagen...

Ausstellung in der Südharz Galerie (Foto: nnz) Ausstellung in der Südharz Galerie (Foto: nnz)
Nach Monaten der Arbeit in den Werkstätten und Garagen, ist nun beim Ostklassikerklub in Wolkramshausen wieder der jahreszeitlich bedingte Garderobenwechsel angezeigt. Die verschmutzte Arbeitskombi wird mit der gut gepflegten Lederkombination getauscht, die Schweißerbrille mit der Fahrerbrille.

Bevor die Ausfahrten allerdings beginnen, stellen sie das aus, was im einstigen Ostblock ersonnen, erdacht und schließlich auch gebaut und verkauft wurde. Vereinsvorsitzender Hubert Rein sagte heute bei der Ausstellungseröffnung: "All das wurde geschaffen, um Menschen und Werte von A nach B zu befördern, um die Wirtschaft in Bewegung zu halten, aber auch um die Bedürfnisse nach Freizeit und Sport zu befriedigen. In den 40 Jahren der Geschichte der DDR, wurden Fahrzeuge einst dafür geplant, gebaut und auch weiterentwickelt aber auch stets sehr aufwendig gepflegt und repariert, um ihnen ein langes Fahrzeugdasein zu ermöglichen.

Sie dienten dem Transport waren aber auch private Statussymbole wie die legendäre Jawa 350, der elegante EMW 327 und der sportliche Wartburg 313 S. Mit der politischen Wende 1989/90 in Deutschland bzw. in Osteuropa, endete für viele Ostfahrzeuge ihr oft langes Fahrzeugleben, zwecks einer politisch bestimmten Markbereinigung, auf den Schrottplätzen.

Der besonderen Mentalität vieler ehemaliger DDR-Bürger ist es aber zu verdanken, dass doch noch ein erheblicher Bestand an Fahrzeugen des damaligen Ostblocks erhalten blieb und heute als technische Kulturgüter einer untergegangenen Epoche noch erlebbar sind. Rückblickend auf die Zeit des Sozialismus kann auch festgestellt werden, dass es damals auch schon eine ausgeprägte Szene gab, die sich um historische Fahrzeuge bemühten."

Und die diese technische Epoche erhalten und an jüngere Generationen weitergeben. Thüringens Verkehrsministerin Birgit Keller, die die Schirmherrschaft für diese Exposition übernahm, lobte im Vorfeld den Einsatz des Klubs: „Durch das ehrenamtliche Engagement der Klubmitglieder und viele Werkstattstunden in der vergangenen Wintersaison erhalten wir jetzt einen wundervollen Einblick in gut restaurierte Oldtimer aus DDR-Zeiten. Der ‚Ost Klassiker Klub‘ leistet dabei einen wichtigen Beitrag zum Erhalt technischer Kulturgüter und historischer Fahrzeuge aus dem damaligen Ostblock.“

In der Ausstellung des Vereins zum Saisonauftakt 2019 präsentieren die Klubmitglieder legendäre „OSTmobilitäten“, wie die legendäre Jawa 350 mit Rennverkleidung des mehrfachen DDR - Meisters im Rennsport Hartmut Thaßler oder die Jawa 356 mit Vollverkleidung und jeweils eine Pannonia und Awo mit Seitenwagen. Außerdem werden ein Trabant P50 (ausgezeichnet vom Trabant Register in Sachsen), ein Barkas B 1000 und ein Vorkriegs DKW F8 gezeigt. Auch verschiedene Motorroller und Mopeds, wie beispielsweise von Simson die SR1 und SR2 sowie Schwalbe und Habicht, sind zu sehen. Und das alles bis zum 5. Mai zu den Öffnungszeiten der Südharz-Galerie, die zum zweiten Mal als Ausstellungsraum für die Wolkramshäuser Ostklassiker fungiert.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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