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1. Mitteldeutscher Tag der Elektromobilität

Autodrom unter Strom

Sonntag, 26. Mai 2019, 09:30 Uhr
Draußen standen die "Alten", die Benziner und Diesel, drinnen surrten und zischten Elektrofahrzeuge in allen Größen und Formen über den Asphalt: der erste mitteldeutsche Tag der Elektromobilität präsentierte gestern auf dem Autodrom in Nordhausen die ganze Bandbreite der alternativen Antriebssysteme auf zwei, drei und vier Rädern...

Tag der Elektromobilität auf dem Autodrom (Foto: Angelo Glashagel)
Vom Kleinwagen bis zu Lkw und Sportwagen konnte man auf dem Autodrom die neue Generation elektrisch betriebener Fahrzeuge gestern nicht nur ansehen, sondern auch ausprobieren. Rund 40 Aussteller aus dem mitteldeutschen Raum waren der Einladung der Nordhäuser Firma "Intrasol" gefolgt, die den Tag zusammen mit den Stadtwerken, der Firma Enercon und dank der Unterstützung durch die Thüringer Energieagentur und das Thüringer Minsiterium für Umweltschutz auf die Beine gestellt hat.

Besonders beliebt beim Publikum: der Große, der Schnelle und die Handlichen. Der "Große" war der E-Lkw der Firma "Framo" aus Sachsen. Der kann in fünf Sekunden von 0 auf 80 beschleunigen, was auf der Teststrecke des Autodroms immer wieder demonstriert wurde. Der "Schnelle" war der Sportwagen BMW I-8 unter die "Handlichen" fiel eine bunt gemischtes Sammelsurium an Mikor-Rollern, Mountainbike und Trekkingrädern.

"Die E-Bikes gehen gerade völlig durch die Decke", sagt Stefan Wehner vom Fahrradhändler "Zweirad Illhardt" aus Nordhausen. Der passionierte Mountainbiker tritt noch lieber mit Muskelkraft in die Pedale, kann die Vorzüge der elektrischen Räder aber nachvollziehen. "Wenn das E-Bike dazu führt das die Leute länger auf dem Rad bleiben, auch im fortgeschrittenen Alter, dann ist das zu begrüßen. Ähnlich beim Lastenfahrrad, das kann in der Stadt theoretisch das Auto ersetzen oder als "Zweitwagen" funktionieren." Oder als Dienstfahrzeug. Man habe inzwischen fast tägliche mit der Idee des "Jobrads" zu tun, erzählt Wehner, also dem Fahrradleasing über den Arbeitgeber.

Auf zwei Rädern geht der Trend klar in Richtung Akku. Auf vier Rädern gibt es mit der Brennstoffzelle eine Alternative. Man erlebe auch hier einen Schub, erzählt Robin Teichmann, nur werde über die Wasserstofftechnik in der Öffentlichkeit weniger diskutiert. Der Leiter des Dienstleistungsbereiches der Nordhäuser Firma Maximator zeigt auf dem Autodrom wie die praktische Anwendung aussehen kann. Die Hochdruckspezialisten von Maximator hoffen als Zulieferer in der neuen Technik eine Nische zu finden, die dem Rückgang von Benziner Diesel entgegenwirkt. Und Druck braucht die Brennstoffzelle. Zwischen 20 und 700 bar liegen auf dem Tank, erzählt Teichmann. Sorgen das man auf einem volatilen Hochdruckbehälter über die Straße rauscht versucht er zu zerstreuen. "Sie haben für jedes Bauteil 17 verschiedene Prüfverfahren und das gleiche dann noch einmal für das zusammengesetzte Endprodukt. Die werden sogar mit Kriegswaffen beschossen. Da explodiert nichts."

Robin Teichmann erläuterte die Brennstoffzellentechnik (Foto: Angelo Glashagel)
Der Kraftstoff wird durch die Trennung von Wasserstoff und Sauerstoff per Elektrolyse gewonnen, erklärt Teichmann. "Dafür braucht es Strom, kommt der aus regenerativen Quellen ist die Kette nahezu komplett Grün". Das macht die Brennstoffzelle auch als temporären Energiespeicher interessant. "Ich denke wir sollen in diesen Dingen nicht nur in Schwarz und Weiß denken. Die Brennstoffzelle und der Akku werden den Verkehr nicht komplett übernehmen, sie werden ein Teil der täglichen Mobilität sein. Damit das möglich wird, muss sie aber gefördert werden, insbesondere die nötige Infrastruktur. Man sollte sich da nicht nur auf eine Sache konzentrieren. Wenn man die Entwicklung allein dem Markt überlässt, dann wird der solange weiter machen wie gehabt, bis wir keine Ressourcen mehr haben."

Wer wollte, konnte das auch das fahren mit Wasserstoff ausprobieren. Den Unterschied zum Akku-Auto bemerkt man erst beim öffnen des Tankdeckels. Bis zum Nachmittag habe man knapp 1.000 Besucher gezählt, schätzte Sebastian Kupfer von Intrasol, kein schlechtes Ergebniss für den ersten Anlauf, gekommen seien nicht nur die Nordhäuser, auch aus dem weiteren Nordthüringer Raum hätten Leute ihren Weg zum Autodrom gefunden.
Angelo Glashagel
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