Findungsprozess ist abgeschlossen
Moderatoren empfehlen Biosphärenreservat
Montag, 01. Juli 2019, 19:47 Uhr
In Auswertung eines knapp zweijährigen Diskussions- und Findungsprozesses wurde heute vom eingesetzten Moderatorenteam die Errichtung eines Biosphärenreservates im Gebiet Südharz/Kyffhäuser empfohlen.
Die Abschlussveranstaltung zum moderierten Diskussionsprozess für ein Biosphärenreservat Südharz/Kyffhäuser, der vom 7.11. 2017 bis heute andauerte, fand im Beisein der zuständigen Thüringer Ministerin Anja Siegesmund, der Landräte Hochwind und Jendricke sowie der Nordhäuser (Ober)Bürgermeister Buchmann und Krauth statt. Zusätzlich füllten Landtagsabgeordnete, Vertreter von Parteien, Kommunen, Vereinen, Initiativen und aus der Wirtschaft den Nordhäuser Ratssaal.
Im Präsidium hatten die Moderatoren Dr. Jan Stegner, Prof. Dr. Harald Kunze und Sylvia Reyer-Rohde Platz genommen, um die Ergebnisse vorzustellen.
So sieht das ausgewiesene Gebiet aus
In ihrem Grußwort verwies die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund auf die sich bietenden Möglichkeiten und nannte den Prozess eine Chancendebatte über zwei Jahre. Sie stellte in Aussicht, das Biosphärenreservat mit Sachsen-Anhalt und eventuell auch mit Niedersachsen zu betreiben und dankte den beteiligten Akteuren. Die Menschen in natürlicher Umgebung zu betrachten sei das Hauptanliegen des Biosphärenreservates.
Schutzzonen im Landkreis Nordhausen (Foto: nnz)
Der Teil im Landkreis Nordhausen
Es ginge um eine Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften und man sei stets offen in den Diskussionsprozess gegangen. Das geplante Gebiet habe sich sogar noch um die Hohe Schrecke erweitert. Bei der Bundesregierung konnten stattliche 4,5 Mio Euro für ein Hotspot-Projekt eingeworben werden. Ein Viertel des Weges sei mit der heutigen Vorstellung erst gegangen, 2025 soll das Gebiet bei der Unesco gelistet sein. Die Gespräche mit Sachsen-Anhalt sollen ab 2020 geführt werden.
biosphärenreservat (Foto: Olaf Schulze)
Am Pult Ministerin Anja Siegesmund, dann v.l.n.r. Dr. Jan Stegner, Prof. Dr. Harald Kunze und Sylvia Reyer-Rohde
Nach der heute ausgewiesenen Karte sollen keine weiteren Kerngebiete mehr nötig sein, als bisher ohnehin schon existieren. Auch in den potentieller Entwicklungszonen wird es keine Einschränkungen für die Wirtschaft geben, sagte Siegesmund.
Die Kyffhäuser Landrätin Antje Hochwind bedankte sich für den offenen Prozess der Moderation und das Verfahren, nichts von Beginn an festzulegen. Eine weitere Region hat sich noch angemeldet (Roßleben-Wiehe) und hofft damit ebenfalls auf eine erfolgreiche Entwicklung der eigenen Region. Ein gutes Zeichen für das Gelingen sei auch die Entwicklung des Tourismusverbandes von 30 Mitgliedern bei Gründung 2015 auf über 100 jetzt.
Nordhausens Landrat Jendricke verwies auf die kontroverse Bewertungen in seinem Landkreis und freute sich über das Hotspot-Projekt, das einen positiven Einfluss auf die ganze Region habe. Weiterhin sieht er Chancen auf Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Einen nachhaltigen finanziellen Schub hält er aber unbedingt für nötig. Jendricke forderte in diesem Zusammenhang eine Summe von 20 Mio. Euro, umnachhaltige Strukturen zu schaffen. Der westliche Teil des Landkreises sei aus dem geplanten Reservat auf eigenen Wunsch größtenteils ausgespart, Jendricke freute sich aber, dass das Ministerium Wort gehalten hat und keine Schutzzonen neu hinzugekommen sind.
Prof. Dr. Kunze stellte bei seiner Präsentation der Empfehlung fest, dass sich das Stimmungsbild im Laufe der Diskussion gewandelt hätte und er glaubt, die Dissonanzen hätten dem Entwicklungsprozess gut getan. 70 konkrete Vorhaben waren insgesamt formuliert worden, davon 37 ausgewiesene Projekte und 33 Projektideen. Freizeit und Tourismus stellten dabei mit 13 Projekte und 14 Ideen die größte Anzahl.
Sylvia Reyer-Rohde führte aus, dass es keine Einbeziehung der Goldenen Aue gegeben habe, aber eine zuzügliche Verbindungsfläche im Bereich der Thüringer Pforte angestrebt sei. Intensiv um eine Teilnahme bemüht hatte sich dafür die Stadt Sondershausen. Auch das Stadtgebiet Nordhausen ist mit integriert worden, ebenso Werther. In Ellrich und Harztor werde noch diskutiert. Klar gegen eine Teilnahme sprach sich dagegen die Gemeinde Hohnstein aus.
Die Kernzone, so berichtete Frau Reyer-Rohde, beträgt mit 8,4 % deutlich mehr als für eine Unesco-Anerkennung des Gebietes benötigt werde. Auch Kern- und Pflegezone gemeinsam überstiegen die prozentualen Anforderungen deutlich. Die ausgewiesenen Entwicklungszonen erstrecken sich signifikant großflächiger im Kyffhäuserkreis als im Landkreis Nordhausen.
Für die zu erfüllenden Bedingungen sei die Ausweisung weiterer Waldstücke nicht nötig. Diese Forderung aus der Region sieht Reyer-Rohde hinlänglich erfüllt.
Und so empfahlen die Moderatoren nach einer reichlichen Stunde des Anwesenden wenig überraschend die Einrichtung eines Biosphärenreservats Südharz/Kyffhäuser und den Aufbau von regionalen Büros, um den Prozess zu koordinieren.
Der Jubel der Befürworter von BUND über NABU bis hin zu Vertretern der Partei, der die Ministerin angehört, war groß. In der anschließenden Diskussion meldeten sich die meist in der privaten Land- und Forstwirtschaft beheimateten Gegner des Biosphärenreservates allerdings auch lautstark zu Wort. Bleibt abzuwarten, ob die anvisierte Anerkennung durch die UNESCO im Jahre 2025 eine realistische Einschätzung der ambitionierten Thüringer Umweltministerin war oder bloßer Wunsch. Sie selbst sieht gute Chancen, auch wenn der Weg dorthin noch lang und steinig wird.
Olaf Schulze
Autor: oschDie Abschlussveranstaltung zum moderierten Diskussionsprozess für ein Biosphärenreservat Südharz/Kyffhäuser, der vom 7.11. 2017 bis heute andauerte, fand im Beisein der zuständigen Thüringer Ministerin Anja Siegesmund, der Landräte Hochwind und Jendricke sowie der Nordhäuser (Ober)Bürgermeister Buchmann und Krauth statt. Zusätzlich füllten Landtagsabgeordnete, Vertreter von Parteien, Kommunen, Vereinen, Initiativen und aus der Wirtschaft den Nordhäuser Ratssaal.
Im Präsidium hatten die Moderatoren Dr. Jan Stegner, Prof. Dr. Harald Kunze und Sylvia Reyer-Rohde Platz genommen, um die Ergebnisse vorzustellen.
So sieht das ausgewiesene Gebiet aus
In ihrem Grußwort verwies die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund auf die sich bietenden Möglichkeiten und nannte den Prozess eine Chancendebatte über zwei Jahre. Sie stellte in Aussicht, das Biosphärenreservat mit Sachsen-Anhalt und eventuell auch mit Niedersachsen zu betreiben und dankte den beteiligten Akteuren. Die Menschen in natürlicher Umgebung zu betrachten sei das Hauptanliegen des Biosphärenreservates.
Schutzzonen im Landkreis Nordhausen (Foto: nnz)
Der Teil im Landkreis NordhausenEs ginge um eine Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften und man sei stets offen in den Diskussionsprozess gegangen. Das geplante Gebiet habe sich sogar noch um die Hohe Schrecke erweitert. Bei der Bundesregierung konnten stattliche 4,5 Mio Euro für ein Hotspot-Projekt eingeworben werden. Ein Viertel des Weges sei mit der heutigen Vorstellung erst gegangen, 2025 soll das Gebiet bei der Unesco gelistet sein. Die Gespräche mit Sachsen-Anhalt sollen ab 2020 geführt werden.
biosphärenreservat (Foto: Olaf Schulze)
Am Pult Ministerin Anja Siegesmund, dann v.l.n.r. Dr. Jan Stegner, Prof. Dr. Harald Kunze und Sylvia Reyer-Rohde
Nach der heute ausgewiesenen Karte sollen keine weiteren Kerngebiete mehr nötig sein, als bisher ohnehin schon existieren. Auch in den potentieller Entwicklungszonen wird es keine Einschränkungen für die Wirtschaft geben, sagte Siegesmund.
Die Kyffhäuser Landrätin Antje Hochwind bedankte sich für den offenen Prozess der Moderation und das Verfahren, nichts von Beginn an festzulegen. Eine weitere Region hat sich noch angemeldet (Roßleben-Wiehe) und hofft damit ebenfalls auf eine erfolgreiche Entwicklung der eigenen Region. Ein gutes Zeichen für das Gelingen sei auch die Entwicklung des Tourismusverbandes von 30 Mitgliedern bei Gründung 2015 auf über 100 jetzt.
Nordhausens Landrat Jendricke verwies auf die kontroverse Bewertungen in seinem Landkreis und freute sich über das Hotspot-Projekt, das einen positiven Einfluss auf die ganze Region habe. Weiterhin sieht er Chancen auf Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Einen nachhaltigen finanziellen Schub hält er aber unbedingt für nötig. Jendricke forderte in diesem Zusammenhang eine Summe von 20 Mio. Euro, umnachhaltige Strukturen zu schaffen. Der westliche Teil des Landkreises sei aus dem geplanten Reservat auf eigenen Wunsch größtenteils ausgespart, Jendricke freute sich aber, dass das Ministerium Wort gehalten hat und keine Schutzzonen neu hinzugekommen sind.
Prof. Dr. Kunze stellte bei seiner Präsentation der Empfehlung fest, dass sich das Stimmungsbild im Laufe der Diskussion gewandelt hätte und er glaubt, die Dissonanzen hätten dem Entwicklungsprozess gut getan. 70 konkrete Vorhaben waren insgesamt formuliert worden, davon 37 ausgewiesene Projekte und 33 Projektideen. Freizeit und Tourismus stellten dabei mit 13 Projekte und 14 Ideen die größte Anzahl.
Sylvia Reyer-Rohde führte aus, dass es keine Einbeziehung der Goldenen Aue gegeben habe, aber eine zuzügliche Verbindungsfläche im Bereich der Thüringer Pforte angestrebt sei. Intensiv um eine Teilnahme bemüht hatte sich dafür die Stadt Sondershausen. Auch das Stadtgebiet Nordhausen ist mit integriert worden, ebenso Werther. In Ellrich und Harztor werde noch diskutiert. Klar gegen eine Teilnahme sprach sich dagegen die Gemeinde Hohnstein aus.
Die Kernzone, so berichtete Frau Reyer-Rohde, beträgt mit 8,4 % deutlich mehr als für eine Unesco-Anerkennung des Gebietes benötigt werde. Auch Kern- und Pflegezone gemeinsam überstiegen die prozentualen Anforderungen deutlich. Die ausgewiesenen Entwicklungszonen erstrecken sich signifikant großflächiger im Kyffhäuserkreis als im Landkreis Nordhausen.
Für die zu erfüllenden Bedingungen sei die Ausweisung weiterer Waldstücke nicht nötig. Diese Forderung aus der Region sieht Reyer-Rohde hinlänglich erfüllt.
Und so empfahlen die Moderatoren nach einer reichlichen Stunde des Anwesenden wenig überraschend die Einrichtung eines Biosphärenreservats Südharz/Kyffhäuser und den Aufbau von regionalen Büros, um den Prozess zu koordinieren.
Der Jubel der Befürworter von BUND über NABU bis hin zu Vertretern der Partei, der die Ministerin angehört, war groß. In der anschließenden Diskussion meldeten sich die meist in der privaten Land- und Forstwirtschaft beheimateten Gegner des Biosphärenreservates allerdings auch lautstark zu Wort. Bleibt abzuwarten, ob die anvisierte Anerkennung durch die UNESCO im Jahre 2025 eine realistische Einschätzung der ambitionierten Thüringer Umweltministerin war oder bloßer Wunsch. Sie selbst sieht gute Chancen, auch wenn der Weg dorthin noch lang und steinig wird.
Olaf Schulze

