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Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung

Freitag, 02. August 2019, 00:09 Uhr
Lange Orgelnacht zum Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung in der Unterkirche Bad Frankenhausen...

Des Öfteren kann man von „langer Orgelnacht“ lesen, eine Veranstaltung über mehrere Stunden mit einem oder wechselnden Organisten. In Bad Frankenhausen bot sich dies erstmals an, ist doch die große Strobelorgel wieder ein vollgültiges Instrument. Kantorin Laura Schildmann lud ehemalige Stelleninhaber an der Frankenhäuser Orgel und Organisten aus der Region zu diesem Unternehmen ein. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, hat man doch nur eine sehr begrenzte Spielzeit zur Verfügung und man muß damit rechnen, dass man erst ziemlich spät zum Einsatz kommt. Doch alle Teilnehmer haben sich darauf eingelassen.

Ergebnis: 9 Spieler, 5 Stunden (18.00 – 23.00 Uhr), 4 Stunden Spielzeit, 1 Stunde Pause ((verteilt auf je 30 Minuten). Es wurden Werke von 14 Komponisten gespielt: Johann Sebastian Bach (8x), Gustav Merkel ((5x), Joseph Gabriel Rheinberger (4x), Max Reger (1x), Franz Liszt (1x), Felix Mendelssohn Bartholdy (1x), Gottfried Fischer (1x) u. a.

Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung (Foto: Peter Zimmer) Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung (Foto: Peter Zimmer)

Foto: Kantor Lothar Baumgärtel - Leipzig

Mit 85 Jahren war Lothar Baumgärtel (Leipzig) der älteste Vorgänger von Kantorin Schildmann; er war 1967/1968 Kantor an der Unterkirche. 1968 feierte die Stadt Bad Frankenhausen 150 Jahre Kurstadt, natürlich wurden (geschuldet den politischen Verhältnissen) in die Vorbereitungen Kirche nicht einbezogen. Da seine Frau (ebenfalls Kantorin) den Chor des Volkssolbades leitete, besprachen sich beide bzgl. Eines musikalischen Beitrags zu den Feierlichkeiten. Der gefragte Chor von Frau Bräutigam sagte sofort zu und so begannen die Proben für die „Schöpfung“ (Joseph Haydn). Erst nach der Hälfte der Proben merkten die Parteioberen, was da ablief, aber sie wagten dann nicht, das Projekt zu unterbinden. So gab es dann eine erfolgreiche Aufführung der „Schöpfung“ in der Unterkirche von Kantorei und Volkschor – zusammen etwa 100 Sänger und Sängerinnen plus Solisten und Orchester.
Matthias Dreißig (Erfurt – Prof. an der Hochschule für Musik Weimar – im Fach Orgel) war von 1985 bis 1994 Kantor an der Unterkirche. Er führte die von Uthmar Scheidig begründeten „Frankenhäuser Sommermusiken“ erfolgreich weiter.

Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung (Foto: Peter Zimmer) Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung (Foto: Peter Zimmer)

Foto: Kantorin Angelika Credé (verh. Lohse) - Roth in Bayern

Angelika Credé (verh. Lohse) war nur kurze Zeit an der Unterkirche im Amt (Februar 2006 bis Januar 2008 – sie verließ uns aus familiären Gründen). Sie spielte neben anderen Werken von Gottfried Fischer (1924-2009) zur „Erheiterung“ und „Aufmunterung“ der Anwesenden einen musikalischen Scherz „Wenn Mozart Geh aus, mein Herz und suche Freud komponiert hätte“.

Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung (Foto: Peter Zimmer) Abschluß der Festwoche zur Orgeleinweihung (Foto: Peter Zimmer)

Foto: Kantor Rüdiger Löwer - Menteroda

Aus dem Kirchenkreis Bad Frankenhausen – Sondershausen beteiligten sich Rüdiger Löwer (Menteroda – nahe bei Mühlhausen) und Kreiskantor Andreas Fauß (Sondershausen), aus dem Kirchenkreis Eisleben – Sömmerda erfreuten Pascal Salzmann (Artern) und Martina Pohl (Sangerhausen) die Anwesenden mit den vielfältigen musikalischen Möglichkeiten der Strobel-Orgel.

Gleich am Anfang, nach dem „Einstand“ von Kantorin Schildmann gab es noch eine musikalische Überraschung.

Professor Wolfgang Wiemer (85Jahre alt / Ludwigsburg / verlebte seine Kindheit von 1935 bis 1946 in Bad Frankenhausen, sein Vater Rudolf Otto Wiemer - manchem bekannt durch seine christliche Literatur - war Lehrer in Bad Frankenhausen) ist seit etwa 40 Jahren Mitglied der Neuen Leipziger Bachgesellschaft. Er war es, der 1982 der Frankenhäuser Kirchgemeinde den Hinweis gab, dass der letzte Brief Bachs an einen Bachschüler und Kantor an der Unterkirche ging. Prof. Wiemer beschäftigt sich schon viele Jahre mit Bachs letztem Werk: die Kunst der Fuge. Da dieses Werk unvollendet blieb, hat Prof. Wiemer dieses Werk gründlich analysiert und ist zu einem schlüssigen „Ende“ gekommen. An diesem Abend spielte er einmal den unvollendeten Satz Bachs und anschließend seine Version mit den von ihm gefundenen Schlußtakten und dem seiner Meinung nach dazugehörigen Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.
Zwischen den drei „Musikblöcken“ gab es im Gemeindesaal der Unterkirche die Möglichkeit zum Gespräch bei Getränken und kleinem Imbiß.

- Kantor Pascal Salzmann – Arten
- Kantorin Laura Schildmann - Bad Frankenhausen
- Kantorin Martina Pohl - Sangerhausen
- Kreiskantor Andreas Fauß – Sondershausen
- Prof. Matthias Dreißig – Erfurt

Eine solche Veranstaltung „Lange Orgelnacht“ gibt die Möglichkeit des Kommens und Gehens, es ist auch nicht unbedingt eine „Massenveranstaltung“, zumal es dies erstmals in Bad Frankenhausen gab. Zu Beginn zählte man 75 Besucher, nach der ersten Pause waren es 55 und zum 3. Teil genossen noch 30 Anwesende die unterschiedlichsten Orgelklänge. Superintendent i. R. Dieter Bornschein als ältester Konzertbesucher erfreute sich die gesamte Zeit von 18.00 Uhr bis 23.00 Uhr über die vielfältigen Klangmöglichkeiten der sanierten Strobel-Orgel.

Text und Fotos: Peter Zimmer
Bad Frankenhausen
Autor: khh

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