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Ratschläge des NABU

Gelassen mit Wespen umgehen

Samstag, 03. August 2019, 08:25 Uhr
Dieses Jahr ist kein allzu gutes Jahr für Wespen. Möglicherweise fehlt es den Tieren an Blütenpflanzen und Insekten als Nahrung. Der NABU Thüringen rät beim Auftauchen von Wespen und ihren Nestern zur Gelassenheit.

Wespe (Foto: NABU) Wespe (Foto: NABU)


Sie können ganz schön nerven, wenn sie wie wild um den leckeren Apfelkuchen herumschwirren, den man sich gerade genüsslich in den Mund schieben möchte. Die Rede ist von den Wespen, die jetzt im Hochsommer so machen Zeitgenossen in Panik geraten lassen. Bei warmen und sommerlichen Temperaturen entdecken Haus- und Gartenbesitzer immer häufiger auch Wespennester in Nischen und geschützten Ecken, die fleißig von den Insekten umflogen werden.

Der NABU Thüringen rät beim Auftauchen von Wespen und ihren Nestern zur Gelassenheit. Dieses Jahr scheint auch kein sehr gutes für Wespen zu werden. „Der Jahreszeit entsprechend sind viele Nester je nach Region noch relativ klein ausgebildet. Möglicherweise liegt, das am Fehlen von Blütepflanzen und am Insektensterben. Am Wetter kann es jedenfalls nicht liegen, denn warme Temperaturen wirken sich in der Regel günstig auf den Wespenstaat aus und die Brut kann sich gut entwickeln. Es fehlt zwar dann an Wasser, aber in der Regel decken sie ihren Flüssigkeitsbedarf durch Pflanzensäften und Tau“, sagt Rainer Hanke, Wespenbeauftragter beim NABU Thüringen.

Wespen ernähren sich neben Nektar, Pollen und Pflanzensäften auch von proteinreicher Kost. Sie jagen Fliegen, Blattläuse, Raupen und andere Insekten sowie deren Larven. Im Naturhaushalt leisten sie als Gesundheitspolizei einen wertvollen Dienst, weil sie tote Insekten in kleinen Portionen abtransportieren.

Die meisten Wespen leben solitär, das heißt ein Weibchen versorgt seine Brut alleine ohne Arbeiterinnen. Von den acht bei uns vorkommenden sozialen Wespenarten, die Völker bilden, stören den Menschen meist nur die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. „Die Arbeiterinnen dieser Wespenarten finden wir dann an unserem Essen. Sie naschen Süßes wie Orangensaft als Sprit zum Fliegen und Deftiges wie Schinken als Nahrung für die Jungenaufzucht“, erklärt der NABU-Fachmann.
Meist sind die gelb-schwarzen Insekten mit sich und ihren Aufgaben so beschäftigt, dass sie uns Menschen nicht weiter ins Gehege kommen. Da sie ihren Stachel zur Verteidigung nutzen, ist trotzdem Vorsicht angebracht. Hektische Bewegungen sind nicht empfehlenswert. Wespen durch Wedeln oder Anpusten zu vertreiben, löst keine Probleme. Die Tiere fühlen sich angegriffen und stechen womöglich.

Ihre Nester bauen Wespen mitunter in enge Hohlräume am Haus. Natürliche Höhlen in Bäumen oder in der Erde sind in der Natur mittlerweile selten, so dass die Jungköniginnen Ausweichquartiere im oder am Haus aufsuchen. „Beim Menschen lösen die Nester dann Stress aus. Meist entdeckt man diese aber erst Ende Juli oder im August, wenn das Wespenvolk eine gewisse Größe erreicht hat. Jetzt in Panik zu verfallen ist sinnlos, denn man hat schon eine ganze Weile mit den Tieren verbracht ohne sie zu bemerken“, erklärt Rainer Hanke. Der Fachmann rät einen Sicherheitsabstand von zwei bis drei Metern zu Nestern einzuhalten. Möchte man auf das Nest hinweisen oder sind Kleinkinder auf dem Grundstück, ist eine Absperrung zum Beispiel mit Absperrband und Hinweiszetteln empfehlenswert. Die Wespen sollten möglichst bis zum Herbst geduldet werden. Dann stirbt das Volk sowieso ab und die jungen Königinnen suchen sich ein Winterquartier. Das Nest kann dann im Frühjahr entfernt werden, denn den Winter über dient es anderen Insekten wie Schwebfliegen noch als Unterschlupf.

Eine Umsiedelung oder gar die Vernichtung eines Wespennestes sollte nur von sachkundigen Fachleuten durchgeführt werden. Wespen sind laut Bundesnaturschutzgesetz - wie alle wild lebenden Tiere - geschützt und es ist verboten, sie mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Hornissen, die größten unserer einheimischen Wespenarten, gelten laut des Gesetzes sogar als besonders geschützt.

Weitere Tipps zum Umgang mit Wespen und eine Liste mit Wespen- und Hornissenberatern in Thüringen finden Sie auf der Internetseite des NABU Thüringen unter: https://thueringen.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/umgang-mit-wespen/index.html
Autor: red

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