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Große Mehrheit der Deutschen ist zufrieden

Vom Winde verwehte Warnungen

Samstag, 03. August 2019, 11:17 Uhr
„Wehret den Anfängen!“ verhallte in Deutschland bei Anbruch des „Dritten Reiches“ wie ein Ruf in der Wüste. Ähnliche Warnungen vor populistischen Aufhetzern finden auch heute zu wenig Beachtung in der Öffentlichkeit. Mit Hassparolen soll das „gesunde Volksempfinden“ angestachelt werden...


Die Umfragen von nnz-online in Nordhausen liefern dafür anschauliche Exempel. Wenn es um die Popularität von Parteien, die Arbeit von Regierungen,
die Sicherheit und die Polizei sowie das subjektive Lebensgefühl geht, schwanken die Resultate um 50 Prozent pro AfD und ihre verzerrten Bilder der deut-
schen Wirklichkeit.

Dass diese Meinungstests nicht repräsentativ sind, ist nur ein schwacher Trost und beruhigend für Nordhausen. Anders verhält es sich mit der jüngsten Umfrage der ARD, die nach wissen-
schaftlichen Regeln als allgemein gültig erachtet wird. „Echokammern“ von notorischen Nörglern haben keine Chance zur Einflussnahme. „Sehr zufrieden bzw. überwiegend zufrieden“ mit der Entwicklung in Deutschland seit der Wiedervereinigung sind 75 Prozent der Befragten. „Überwiegend unzufrieden oder sehr unzufrieden“ äusserten sich 23 Prozent.

In Nordhausen und der ehemaligen DDR fallen die Befunde freilich abweichend aus. Während im Westen das Verhältnis von 77:21 Prozent eine hohe Zustimmung signalisiert, fällt der Osten dahinter mit 68:30 Prozent zurück. Das ist nicht weiter verwunderlich, sondern es hat berechtigte, handfeste Gründe. Der Anteil der Marginalisierten an der Bevölkerung ist eben höher. Hinzu zählen verbiesterte Genossen, die sich abgehängt vorkommen.

Dass die politischen und wirtschaftlichen Eliten korrupt seien, die Medien bestochen, die Kultur verdorben, das ist jedem, der die AfD überhaupt zur Kennt-nis nehmen mag, geläufig, artikuliert ein Beobachter. Der Geschichtslehrer Björn Höcke verteufele den Neoliberalismus und raune von Verschwörungstheorien. Deshalb dürfe er noch lange nicht als Nazi bezeichnet werden. Eine geistige Verwandtschaft könne aber nicht geleugnet werden.

Öl ins Feuer gießt Doris von Sayn-Wttgenstein. „Die Markierung als Feind der Regierung“ durch den Verfassungsschutz sei „so zusagen wie ein Orden“. Die AfD-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein löst immer wieder Kopfschütteln im Bundesvorstand aus. „Ich warte nur noch darauf, dass sie sagt, die Erde sei eine Scheibe. Das passt in ihr Weltbild“, so Kay Gottschalk. Die Gräfin verneint die Kriegsschuld Nazi-Deutschlands.

Um den politischen Gegner zu schockieren und zum Schweigen zu bringen, schwingen AfD-Agitatoren gern die „Nazi-Keule“. Nach Wikipedia handelt es sich um ein „Totschlag-Argument“. Rassistische Kommentare im Internet, offene Sympathien für Neonazis, zunehmende Nähe zur AfD werden in jüngster Zeit vereinzelt der Polizei nachgesagt. Ein Generalverdacht wäre jedoch ebenso absurd wie ein „Persilschein“ für bewiesene Fälle in Sachsen.
Manfred Neuber
Autor: red

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