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Hohe Schrecke: 5 weitere Urwaldreliktarten gefunden

Mittwoch, 02. Oktober 2019, 17:44 Uhr
Nachrichten aus dem Reich der Käfer Dazu erreichte kn von der Naturstiftung David diese Meldung...

In den alten Laubwäldern der Hohen Schrecke konnten mittlerweile 20 Urwaldreliktarten der deutschen und mitteleuropäischen Liste nachgewiesen werden. Urwaldreliktarten gehören mit wenigen Millimetern zu den kleinsten Wald- und Holzbewohnern in der Hohen Schrecke und sind zudem sehr selten. Aktuell gibt es höchstens noch 115 Arten in ganz Mitteleuropa. Angepasst an Urwälder, die über einen langen Zeitraum vorherrschten, bevor der Mensch die Wälder nach seinen Ansprüchen umbaute, gelten sie als Zeitzeugen einer andauernden ungebrochenen Waldgeschichte. Viele der Urwaldreliktarten aus der Gruppe der totholzbewohnenden Käfer sind akut vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden. Ihr Überleben ist nur in weitgehend sich selbst überlassenen Laubwäldern möglich.

Echte Urwälder gibt es in Deutschland heute nicht mehr. Wohl aber urwaldähnliche Waldbestände oder auch Altbaum-Ansammlungen, s. g. Altholzinseln, die besonders seltene und naturschutzfachlich wertvolle Kleinlebensräume aufweisen. Durch die Bereitschaft ausreichend große, ungenutzte Waldbereiche wieder zuzulassen, hofft man, diese Arten erhalten zu können - so auch in der Hohen Schrecke. Hier werden aktuell bereits insgesamt rund 2.000 Hektar Wald nicht mehr forstlich genutzt.

Dazu zählen große zusammenhängende Wildnisflächen rund um den ehemaligen Schießplatz, im Wiegental und auf dem Hessenköpfchen, sowie kleinere zwischen 1 bis 20 Hektar große Altholzinseln, eingestreut im Wirtschaftswald. Alle anderen Waldflächen des insgesamt rund 6.500 Hektar großen Waldgebietes können weiterhin forstwirtschaftlich genutzt werden. Dank der alten Baumbestände in den drei großen gesicherten Wildnisgebieten und dem integrierten Netz an zahlreichen Altholzinseln sind in der Hohen Schrecke die Vorrausetzungen für die Erhaltung ihrer Lebensräume vorhanden und somit hoffentlich auch zukünftig eine gute Lebensgrundlage für diese kleinen Käfer.

Hohe Schrecke: 5 weitere Urwaldreliktarten gefunden (Foto: A, Weigel) Hohe Schrecke: 5 weitere Urwaldreliktarten gefunden (Foto: A, Weigel)

Bildunterschrift: Vertreter der Urwaldreliktkäfer in der Hohen Schrecke Rothörniger Moos-Großhalbflügler (lat. Hesperus rufipennis) links und Schwarzer Breihals-Flachkäfer (lat. Grynocharis oblonga) rechts [beide Abb. A. Weigel]

6 neue Kinderstuben für den Hirschkäfer


Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Hohe Schrecke wurden in geeigneten Waldrandlagen im Projektgebiet die ersten sogenannten Hirschkäferwiegen errichtet.
Hirschkäfer, fast jeder kennt sie. Mit bis zu 9 Zentimetern Größe ist der Hirschkäfer die größte in Europa beheimatete Käferart. Seinen Namen erhielt er wegen der mächtig verlängerten Mundwerkzeuge der Männchen, die an das Geweih eines Hirsches erinnern - beeindruckend und gefährlich aussehend, für den Menschen aber vollkommen harmlos. Insbesondere durch den Verlust geeigneter Lebensräume sind die Vorkommen des Hirschkäfers in Deutschland und Europa stark rückläufig, so dass der Hirschkäfer auf der bundesweiten Roten Liste in der Kategorie 2 „stark gefährdet“ geführt wird.
Hirschkäfer bevorzugen alte Eichenwälder und Eichenmischwälder an sonnigen und trockenen Standorten.

Im Zuge der forstlichen Waldbewirtschaftung und "Aufräumaktionen" in unseren Wäldern wurden besonders die lichten Laubwälder und die für die Entwicklung der Hirschkäferlarven notwendigen Totholzanteile oftmals entfernt. Die in der Hohen Schrecke nachgewiesenen Hirschkäfervorkommen sollen zukünftig durch den Bau von Hirschkäferwiegen unterstützt werden. Hierfür werden ca. 1 Meter lange Eichenstämme/Starkäste tief in den Boden um einen Eichenstubben eingegraben und die Zwischenräume mit Eichenholzhackschnitzel ausgefüllt. Diese „Wiegen“ sollen künftig Hirschkäferlarven als Kinderstuben dienen. Denn die Larven entwickeln sich hauptsächlich in sich zersetzendem Holz im Boden, vorzugsweise in Eichen, wo die Weibchen ihre Eier bis in eine Tiefe von 1 m ablegen. Die Larven benötigen 5 bis 6, mitunter 8 Jahre bis zum Abschluss ihrer Entwicklung zum fertigen Käfer. Sie fressen das morsche und tote Holz von abgestorbenen Bäumen und deren Wurzeln. Das Holz der eingegrabenen Stämme wird sich von Zeit zu Zeit zersetzen und übernimmt somit die Funktion von natürlichen Brutplätzen.

Hohe Schrecke: 5 weitere Urwaldreliktarten gefunden (Foto: Werner Krämer) Hohe Schrecke: 5 weitere Urwaldreliktarten gefunden (Foto: Werner Krämer)

Bildunterschrift: Hirschkäfer (lat. Lucanus cervus, lucanus ‚Waldbewohner‘ und cervus ‚Hirsch‘) [Foto: Werner Krämer, 2019]

Für das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke stehen insgesamt ca. 15 Millionen Euro zur Verfügung. 75 Prozent zahlt das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und 15% übernimmt das Umweltministerium des Freistaates Thüringen. Die verbleibenden 10 Prozent bringt die Naturstiftung Davis als Eigenanteil ein und wird dabei unterstützt von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, dem BUND sowie der Regina Bauer Stiftung.

Weitere Informationen unter: www.naturstiftung-david.de/schrecke/
Autor: khh

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