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Hotelneubau

Leserantwort / cui bono 1 (Wem nützt es?)

Samstag, 19. Oktober 2019, 09:39 Uhr
Reinhard Plaschke antwortet ausführlich auf einige Lesermeinungen zum Thema Hotelneubau in Bad Frankenhausen ein und geht auch auf den neuen Flyer der Stadt Bad Frankenhausen ein. Hier der Wortlaut...

Vorangestellt möchte ich mich für die vielen aufmunternden Gespräche mit Frankenhäusern und den zahlreichen Anrufern aus ganz Deutschland für Ihre solidarischen Worte bedanken, die scheinbar mein ideologiefreies Anliegen auch verstanden haben.

Die Höflichkeit gebietet mir aber auch, auf die Lesermeinungen meines Leserbriefes vom 14.10.19 einzugehen die nicht meiner Meinung sind und mich dazu zu erklären.

Das die Bürgermeisterpartei dabei gleich Schnappatmung bekommt bedaure ich zutiefst und war so nicht gewollt. Deshalb bitte ich Sie, nehmen Sie sich immer Zeit, lesen Sie die Artikel langsam aber gründlich (ggf. nicht verstandene Sachverhalte „googeln“ oder mich anrufen) und verwenden Sie die meiste Zeit dafür, darüber nachzudenken, dann kommt vielleicht für alle etwas Positives heraus.
Ich bin eben auch nur ein Architekt.

In der größten deutschen Tageszeitung war zu lesen, das 78% (Allensbach) der Deutschen Angst haben Ihre Meinung frei zu bestimmten Themen zu äußern. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren sind es immerhin noch 68%). Alles wird fanatisch ideologisiert („Mainstream“).
Erinnert Ihr Euch noch an die Plakate der Kirchen und unzufriedenen Bürger vor der Wende „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ – schon vergessen?


Sehr geehrte(r ) Frau oder Herr Mr.107 zu Ihrem Beitrag „Völliger Blödsinn“

Ich erinnere nochmals daran, dass der Artikel meine ganz persönliche Meinung ist. Ich bin auch niemanden verpflichtet. - Nun zu Ihren Schwerpunkten:

Bürgerbeteiligung: Die Eingemeindungen zur Erinnerung: 1973 Seehausen, 1994 Udersleben, 2019 Ichstedt und Ringleben. Aus der Tätigkeit meine Büros in der Dorferneuerung und Stadtsanierung, weiß ich, dass zwingend die Identität und eigene Entwicklung dieser Gemeinden bewahrt, besonders gefördert und gestärkt werden muss. Die vorgenommen Eingemeindungen waren Staatswille und hatten nur den erklärten Zweck, die nicht mehr gewährleistete Verwaltungsarbeit personell abzusichern.

Hotel und Gründach:
Vom Land Thüringen wurde bereits 2005 wissenschaftlich versucht eine qualitative Bewertung unser Biotoptypen in Bedeutungsstufen vorzunehmen. Zum Beispiel:

Asphaltdecken (0), Fahrweg mit Pflaster ohne Fugenverguss (2), Dachbegrünung (9), entsiegelte Flächen, alte Schotterwege (15), Grünflächen und Erdwege (20-25), Park- und Grünanlagen (30-40).

Gründächer sind daher gegen die Flächenversiegelung des Hotelstandortes mit Gebäuden, Nebenanlagen, Straßen und Wegen wenig bedeutsam gegenüber Flächen mit alten Baum- und Strauchbestand.
Sie speichern auch kein Wasser, was in Trockenzeiten problematisch für den Dachbewuchs wird. Sie bieten keinen „ökologischen Trittstein“ für die städtische Fauna.

Auf diesem „Hotelgründach“ in 14 m Höhe (etwa Dachrinnenhöhe Schloss) halten sich keine Menschen auf, stehen keine Bänke unter großen schattenspenden Bäumen (wo gibt es diese in unserer Stadt noch), wird wenig Sauerstoff produziert und CO2 gebunden, fahren keine Mütter Ihre Kindern spazieren oder spielen mit Ihnen, suchen keine Kinder mit Ihren Eltern, Oma oder Opa Kastanien, werden keine Hunde ausgeführt, laufen und joggen keine Menschen.
Schauen Sie sich zum Verständnis des ökologischen Wertes ein 20 Jahre altes, wenig gepflegtes Gründach an.

Letztendlich verstellt dieses Großhotel eine der wichtigsten Frischluftschneisen der Stadt (Schlachtberg-Lindenstraße) für ein erträgliches Stadtklima.
Ist alles Nachzulesen im Kurortentwicklungsplan, Landschaftsplan Bad Frankenhausen …, u.a.m..

Bebaute Schlossgartenfläche: Ihr Ergebnis basiert auf einem statistischen Zahlentrick. Je größer die Bestandsfläche ausgewiesen wird (+ Kinderspielplatz, + Böschung des Schlosses + Grünstreifen an der B85 + u.a.), umso geringer (prozentual) wird die bebaute Fläche. Diese Flächen sollten doch lt. Lageplan erhalten bleiben? Zieht man diese Flächen aber ab, kommt man, ohne die tatsächliche. hotelkonkrete Beeinflussung zu kennen leicht auf etwa 40% und etwa 15% Fläche (ca. 2.000 m2 Tiefgarage) mit eingeschränkter Oberflächennutzung.

Beliebtheit der Therme: Hier muss ich Ihnen uneingeschränkt Zustimmen.


Ich nehme an, dass sich mich nicht kennen. Deshalb hätte ich beinahe vergessen zu erwähnen, dass ich seit 2002 (Bau der Schwimmhalle) bis 2015 (5. Bauabschnitt) im Auftrag der plafog GmbH Kulmbach, bauleitender Architekt der Kyffhäusertherme war und die Kyffhäusertherme mit errichtet habe. Ich bin daher, weil auch seit 2016 Rentner, weder wütend oder “gnatzig“. Das ist nicht meine Mentalität.
Das hätte ich sein können als mir Bürgermeister Strejc 2016 schriftlich mitteilte, dass er seine Schlüsse aus meinem Verhalten zieht (ich hatte dem Bürgermeister widersprochen und mich gewehrt) und mein Verhalten bei seiner weiteren zukünftigen Arbeit berücksichtigen werde.
Da ich als Frankenhäuser Architekturbüro vom Bürgermeister Strejc noch nie einen Auftrag erhalten hatte, war für mich diese Drohung jedoch bedeutungslos - er hatte offensichtlich bloß die Übersicht verloren.

Trotzdem habe ich als Frankenhäuser in meiner Heimatstadt viele Objekte, wie Panorama, östliche Angerbebauung, Sanierung/ Neubau Krankenhaus, Kyffhäusertherme, Generalsanierung Kath. Kirche, Turnhalle „Juri Gagarin Schule“ u.v.a.m. vorbereitet, geplant und realisiert. In der letzten 30 Jahre war für mich die Planung und der Bau des Feuerwehrgebäudes das einzige, noch vom Bürgermeister Ringleb in Auftrag gegebene, Bauvorhaben.

Lese soeben den „Flyer“ der Stadtverwaltung mit Bildern einer teilweise unbekannten Einrichtung.
Alle aufgezählten Faktoren hängen in keinster Weise vom Hotelbau auf dem Schlossgarten ab. Die restlichen Faktoren haben nur einen (durchschaubaren) hypothetischen Wert, keine Fakten oder Beweise. ä
Andere Punkte stammen aus alten Stadtratsbeschlüssen und sind von einem Hotel unabhängig beschlossen worden. Der Bürgermeister ist jetzt scheinbar auch „Gutachter im Gutachterausschuss für Grundstücks-werte für das Gebiet des Kyffhäuserkreises und des Landkreises Nordhausen“ - ich bin es.

Bürger von Bad Frankenhausen bleibt kritisch, lasst Euch nicht mit unbewiesenen Behauptungen und Spinnereien in die Irre führen – unsere Stadt hat bereits 17 Millionen Euro Schulden. Die Zukunft kann niemand, auch nicht unser Bürgermeister, vorhersehen.
Ich weiß aber aus der politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Nachrichtenlage, dass sie mit viel mehr Problemen belastet sein wird. Wir müssen m.E. deshalb mehr Vertrauen in den Geschäftssinn, die Intelligenz und die Selbstentwicklungskräfte unserer Bürgerschaft und deren Einrichtungen setzen. Hier wäre das gegenwärtig inszenierte Engagement wesentlich effektiver in die Bürger der Stadt investiert.


„Only after the last tree has been cut dawn / Only after the last river has been poisoned / Only after the last fish has been caught / Then will you find that money cannot be eaten “ (Indianerweisheit der Cree)

(Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.”)

Reinhard Plaschke
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: khh

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