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In die Vergangenheit geschaut

Freitag, 25. Oktober 2019, 05:47 Uhr
Von einst nicht sonderlich beliebten Bauvorhaben in Bad Frankenhausen berichtet ein Leser...

Die Möglichkeit, auf der Ostseite des Schlossplatzes einen Hotelneubau zu errichten, lässt uns innerhalb Bad Frankenhausens zu ganz unterschiedlichen Betrachtungsweisen kommen. Dass dies bereits auch in der Vergangenheit der Fall war, mögen einige Beispiele zeigen.

Zwischen 1924 und 1926 trennte sich die Familie von Ehrenbürger Wilhelm Schall (1828-1916) von ihren Liegenschaften in unserer Stadt. Dazu gehörte der Weinberg, der Südabhang des Kyffhäusergebirges unterhalb des Knopfmacherhölzchens. Einen nicht unbeträchtlichen Teil erwarb die „Krankenkasse des Gewerkschaftsbundes der Angestellten“. Ihr Ziel bis 1927: die Errichtung eines Kinderkurheimes. Als die Baupläne publik wurden, waren die Meinungen geteilt. Einen vergleichbar großen Baukörper in der Stadt boten bislang lediglich das Schloss und die Kirchen.

Als zur Vorbereitung des Bauplatzes auch noch Sprengarbeiten zu vernehmen waren, gab’s noch mehr Gesprächsstoff. Schließlich wurde zu Ostern 1927 ein monumentaler Bau eingeweiht und der Öffentlichkeit präsentiert. Da noch kaum hohe Bäume und Strauchwerk vorhanden waren, konnte das wuchtige Bauwerk weithin sichtbar wahrgenommen werden. Für nicht wenige Einwohner lange Jahre ein neues Gebäude, das so gar nicht ins Stadtbild passen wollte. Doch mit den Jahren änderte sich die Betrachtungsweise. Das Kinderkurheim bzw. Kindersanatorium wurde zu einem geschätzten Teil des Kurwesens und auch der Stadtsilhouette. 2018 erwarb die Stadt das viele Jahre ungenutzt dastehende Gebäude. Dass sein weiteres Schicksal und eine zukünftige Nutzung viele Einwohner bewegt, zeigte eine Besichtigungsveranstaltung im vergangenen Jahr. Dass das Bauvorhaben 1926 verworfen worden wäre, ist wohl für die meisten Einwohner heute nur schwer vorstellbar.

Hedrich-Heim (Foto: privat) Hedrich-Heim (Foto: privat)

Foto: Privat

Noch im Jahr der Einweihung des „Hermann-Hedrich-Heimes“, 1927, präsentierte derselbe Architekt, Gustav Wünschmann aus Leipzig, ein Gestaltungskonzept für den Kurpark und einen Bereich der Saline. Darin eingebunden die Schaffung eines Soleschwimmbades. Das vom Stadtrat, dem Bürgermeister Dr. Karl Bleckmann und der Kurverwaltung im Kurhaus vorgestellte Projekt schauten sich nur eine Hand voll Bürgerinnen und Bürger an. Ja, man könnte sagen, das Interesse tendierte gegen Null. Der Grund dafür war einfach zu finden: erst 1925 war am westlichen Ende der Weidengasse das Jugendschwimmbad seiner Bestimmung übergeben worden. Demzufolge die fast einhellige Meinung: wozu brauchen wir ein zweites Schwimmbad. Das eine reicht völlig aus. Das Projekt wurde verworfen und verschwand zunächst in der Schublade.

Es war der Inhaber der Angerapotheke, Hermann Quincke (1883-1946), der das Projekt wieder aus der Versenkung holte, vorantrieb und schließlich – nach einigen baulichen Missgeschicken – bis 1938 zur Vollendung brachte. Apotheker Quincke war zu dieser Zeit Direktor der Pfännnerschaft, in deren Händen sich auch die Kurverwaltung befand. Schon kurz nach der Eröffnung des Soleschwimmbades war es – wie würden wir heute sagen – der Hotspot in Bad Frankenhausen. Und – etwas schmunzeln ist erlaubt – er hatte noch einen drauf gesetzt. Noch vor Baubeginn, 1931, erwarb er für die Kurverwaltung den in Schieflage geratenen „Thüringer Hof“ am Anger und machte ihn zum Vorzeigekurhotel. Er ließ eigens einen Weg für die Hotelgäste zum neuen Schwimmbad anlegen. Wir würden es heute wohl „Bademantelgang“ nennen.

Auch das Soleschwimmbad – da dürften wohl viele Einwohner zustimmen – war letztlich aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken. Beide Schwimmbäder – Soleschwimmbad und Jugendschwimmbad – erfreuten sich über Jahrzehnte einem regen Zuspruch der Einheimischen und der Gäste. Als es 1998 geschlossen wurde, wollten wir uns damit nicht abfinden. Endlich, 2016, nach 18 langen Jahren endlich die Eröffnung des Solewasser-Vitalparks an gleicher Stelle.

Beispiele für sich wandelnde Betrachtungsweisen ließen sich noch einige anführen. Sie sind keine Aufforderung, sich für oder gegen das eventuell zu bauende Hotel zu entscheiden. Sie machen lediglich etwas deutlich: mit der Stadtentwicklung haben wir es uns nie so recht leicht gemacht. Und in der Rückschau blieb die Tonlage auch nicht immer dezent.

Die Diskussion um den Hotelneubau hat allerdings auch eine – für mich zumindest – wahrlich gute Seite. Es wird über den Schlossplatz gesprochen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem ansehnlichen Schlosspark gestaltet, ging es mit ihm Mitte des 20. Jahrhunderts langsam bergab. Um 1970 war sein Zustand so schlecht, dass von der einstigen Pracht nur noch wenig übrig war. Erst die Vorbereitungen des „450. Jahrestages des Deutschen Bauernkrieges“ 1975 brachten einen Neuanfang.

Die Bäume entlang der Wege wurden gepflanzt und die Skulpturen, die sich heute westlich vor dem Schloss oder in Kräme befinden, aufgestellt. Natürlich fehlten auch Blumenbeete nicht. Unabhängig vom Hotelneubau würde ich mir wünschen, dass der Schlossplatz wieder zu einem Schlossgarten gestaltet würde. Unsere Stadt braucht Grün. Das jetzt vorhandene Grün auf dem Schlossplatz mag ich nicht mehr als Wiese anzusprechen. Zudem weicht das jetzige Grün immer mehr zurück. Übrig bleibt eine unbewachsene Fläche, die sich wohl kaum erholen wird.

Dr. Ulrich Hahnemann
Bad Frankenhausen
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Autor: khh

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