Gewerkschaft kritisiert Mini-Löhne
40 Stunden Arbeit und am Ende reicht's nicht
Montag, 28. Oktober 2019, 09:48 Uhr
40 Stunden die Woche arbeiten – und trotzdem reicht’s am Monatsende nicht: Im Kyffhäuserkreis arbeiten rund 4.600 Vollzeit-Beschäftigte zum Niedriglohn. Damit liegt mehr als jeder dritte Arbeitnehmer (37 Prozent) trotz voller Stundenzahl unter der amtlichen Niedriglohnschwelle von aktuell 2.203 Euro brutto im Monat. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit...
Die NGG Thüringen beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Geschäftsführer Jens Löbel spricht von einem Alarmsignal. Tausende Menschen hätten trotz langer Arbeitstage enorme Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. In Metzgereien, Bäckereien, Restaurants und Hotels ist der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten dabei besonders hoch. Hier müssen die Firmen endlich deutlich höhere Löhne zahlen, fordert Löbel. Nach Angaben der Arbeitsagentur liegen bundesweit 53 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Lebensmittel- und Gastgewerbe unter der Niedriglohngrenze.
Eine Hauptursache für diesen Zustand ist nach Einschätzung der Gewerkschaft NGG die schwindende Tarifbindung. Auch im Kyffhäuserkreis zahlen immer weniger Hoteliers und Gastronomen nach Tarif, kritisiert Löbel. Die Folgen träfen die ganze Gesellschaft: Eine aktuelle Studie des DGB beziffert die finanziellen Ausfälle durch fehlende Tarifbindung im Freistaat – von Mindereinnahmen bei den Sozialversicherungen und Steuern bis hin zur niedrigeren Kaufkraft – auf fast 4,8 Milliarden Euro.
Um diesen Trend zu stoppen, müssten sich Firmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, an die mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge halten und armutsfeste Löhne zahlen. Nach Beobachtung der NGG nimmt die Zahl der Verbandsmitglieder, die aus der Tarifgemeinschaft ausscheren, seit Jahren zu. Außerdem fordert die Gewerkschaft die künftige Landesregierung auf, die Stärkung der Tarifbindung oben auf die Agenda zu setzen. Sie solle sich dafür einsetzen, dass Fördermittel nur noch an tarifgebundene Betriebe vergeben werden. Betriebe, die Niedriglöhne zahlten, dürften nicht noch quersubventioniert werden.
Außerdem muss es noch mehr Tarifverträge geben, zu denen ganze Branchen durch die Politik verpflichtet werden – gerade da, wo der Niedriglohnsektor wuchert, so Löbel. Eine sogenannte Allgemeinverbindlichkeit könne vom Bundes- oder Landesarbeitsministerium erklärt werden. Am Ende komme es aber auch auf die Beschäftigten selbst an, betont die NGG. Wer in der Gewerkschaft ist, hat nicht nur beim Lohn, sondern auch bei Urlaub und Arbeitszeit die besseren Karten.
Das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen liegt im Kyffhäuserkreis laut Arbeitsagentur bei 2.512 Euro (brutto) im Monat – im Bundesschnitt sind es 3.304 Euro.
Jens Löbel
Geschäftsführer der
NGG-Region Thüringen
Autor: redDie NGG Thüringen beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Geschäftsführer Jens Löbel spricht von einem Alarmsignal. Tausende Menschen hätten trotz langer Arbeitstage enorme Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. In Metzgereien, Bäckereien, Restaurants und Hotels ist der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten dabei besonders hoch. Hier müssen die Firmen endlich deutlich höhere Löhne zahlen, fordert Löbel. Nach Angaben der Arbeitsagentur liegen bundesweit 53 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Lebensmittel- und Gastgewerbe unter der Niedriglohngrenze.
Eine Hauptursache für diesen Zustand ist nach Einschätzung der Gewerkschaft NGG die schwindende Tarifbindung. Auch im Kyffhäuserkreis zahlen immer weniger Hoteliers und Gastronomen nach Tarif, kritisiert Löbel. Die Folgen träfen die ganze Gesellschaft: Eine aktuelle Studie des DGB beziffert die finanziellen Ausfälle durch fehlende Tarifbindung im Freistaat – von Mindereinnahmen bei den Sozialversicherungen und Steuern bis hin zur niedrigeren Kaufkraft – auf fast 4,8 Milliarden Euro.
Um diesen Trend zu stoppen, müssten sich Firmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, an die mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge halten und armutsfeste Löhne zahlen. Nach Beobachtung der NGG nimmt die Zahl der Verbandsmitglieder, die aus der Tarifgemeinschaft ausscheren, seit Jahren zu. Außerdem fordert die Gewerkschaft die künftige Landesregierung auf, die Stärkung der Tarifbindung oben auf die Agenda zu setzen. Sie solle sich dafür einsetzen, dass Fördermittel nur noch an tarifgebundene Betriebe vergeben werden. Betriebe, die Niedriglöhne zahlten, dürften nicht noch quersubventioniert werden.
Außerdem muss es noch mehr Tarifverträge geben, zu denen ganze Branchen durch die Politik verpflichtet werden – gerade da, wo der Niedriglohnsektor wuchert, so Löbel. Eine sogenannte Allgemeinverbindlichkeit könne vom Bundes- oder Landesarbeitsministerium erklärt werden. Am Ende komme es aber auch auf die Beschäftigten selbst an, betont die NGG. Wer in der Gewerkschaft ist, hat nicht nur beim Lohn, sondern auch bei Urlaub und Arbeitszeit die besseren Karten.
Das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen liegt im Kyffhäuserkreis laut Arbeitsagentur bei 2.512 Euro (brutto) im Monat – im Bundesschnitt sind es 3.304 Euro.
Jens Löbel
Geschäftsführer der
NGG-Region Thüringen
