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Qualitätsweg "Wanderbares Deutschland" endet an Weidezaun

Ende einer Wanderung mit Hochspannung

Freitag, 13. März 2020, 11:23 Uhr
Die Kriterien für die Erteilung des Zertifikats „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ werden auf der entsprechenden Homepage eindeutig benannt. Auch der heimische Karstwanderweg wurde in die Spitzenklasse deutscher Wanderwege aufgenommen und die entsprechende Mitgliedschaft aller paar Jahre verlängert...

Ende einer Wanderung (Foto: B.Schwarzberg) Ende einer Wanderung (Foto: B.Schwarzberg)

Hier endet der Wanderweg abrupt

Leider jedoch decken sich nicht alle Beobachtungen entlang des Weges mit jenen Kriterien. Die nnz berichtete mehrfach darüber.
Ganz aktuell: Zwischen Woffleben und Gudersleben endet der Weg plötzlich an einem Weidezaun.

Etwas absurd mutet da der Wegweiser an (siehe Foto), der direkt auf die eingezäunte Weide weist. Wobei der Wanderer allein schon dadurch irritiert sein dürfte, dass eigentlich außer der Wiese gar nichts zu entdecken ist, was einem Weg, zum Beispiel wenigstens einem schmalen Wiesenpfad, ähnlich sieht. „Muss man tatsächlich über die Weide oder doch am Zaun entlang gehen?“,wird er sich fragen.

Dabei heißt es doch auf der Seite des Deutschen Wanderverbandes zum Thema deutsche Qualitätswege:

„Die Qualität der Wegeinfrastruktur wird in den Regionen thematisiert und nachhaltig verbessert. Es entsteht regionale Wanderkompetenz. Der Wandergast bekommt eine Orientierungs- und Entscheidungshilfe für seine Reiseentscheidung.“ - Man höre und staune.

Und, man mag es zumindest an dieser Stelle zwischen Woffleben und Gudersleben wirklich kaum glauben:
„Ein vom Deutschen Wanderverband ausgezeichneter Wanderweg legt den Grundstein für ein eindrucksvolles Wandererlebnis“, heißt es beim Deutschen Wanderverband.

Um anderslautenden Vermutungen vorzubeugen: Ich möchte hier noch einmal betonen, dass es höchste Anerkennung verdient, wenn sich ehrenamtlich tätige Mitbürger oft unter großen Schwierigkeiten aktiv für die Erhaltung unserer im Vergleich mit anderen Regionen nicht immer gut entwickelten Wanderwegeinfrastruktur einsetzen. Ihnen ist keinerlei Vorwurf zu machen. Ganz im Gegenteil.

Wenn es aber einem Naturpark, einem Tourismusverband und einem Landkreis nicht oder offensichtlich nicht ausreichend gelingt, einen über mehrere Bundesländer und im Internet bekannten so genannten Qualitätsweg als einen ebensolchen und ja, als Aushängeschild einer wunderschönen Region zu erhalten, und hierfür das notwendige Geld und das notwendige Personal bereitzustellen, dann hat der Karstwanderweg das Qualitätssiegel auch nicht verdient. Und die Region nicht den Karstwanderweg.

Denn vom Deutschen Wanderverband werden auf der entsprechenden Internetseite u.a.
„Geschulte und kompetente Wegeexperten vor Ort u.a. aus Wandervereinen, Großschutzgebieten und dem Tourismus“, sowie die „Gewährleistung dauerhafter Wegepflege über den gesamten Nutzungszeitraum“ als (angebliche) Stärken der Qualitätswege und damit auch des Karstwanderweges herausgestellt, tatkräftiges Potenzial also aus verschiedenen, mit öffentlichen Mitteln finanzierten Institutionen.

Offensichtlich wurden konkret auf den Weidezaun zwischen Woffleben und Gudersleben bezogen, nicht rechtzeitig alle unmittelbaren Weganrainer in die Notwendigkeiten bzw. Pläne der Wegunterhaltung, Wegeerhaltung und Wegepflege einbezogen. Und vielleicht sogar des Wegverlaufs. Genau diese Einbeziehung aller Akteure am Weg wird vom Deutschen Wanderverband für seine Qualitätswege gefordert. -

Ob es sich nun um einen mit Stammholz zugelegten, während der Hauptsaison mit meterhohem Gras bewachsenen, durch stellenweise verfallene oder fehlende Infotafeln gekennzeichneten oder einen auf eine Weide gelenkten Weg handelt (all das hatten wir schon): Mir scheint es, als sollten die Tourismusverantwortlichen schnell noch vor der nächsten Hauptwandersaison alle in irgendeiner Weise mit dem Karstwanderweg in Berührung stehenden Personen und Institutionen an einen Tisch bringen umd so etwas künftig zu vermeiden.

Einzelne der wunderschönen und wohl einmaligen geologischen Infotafeln zu ersetzen und die noch immer fast überall gute Markierung zu erhalten, wie dies glücklicherweise gleichbleibend geschieht, reicht nicht aus, um den Karstwanderweg wandererfreundlich zu gestalten. Ein solcher Weg muss in Gänze und, wie es aus der Seite des Deutschen Wanderverbandes ersichtlich ist, ganzjährig ein Aushängeschild der jeweiligen Region und ihrer Zuständigen sein und vor allem kompetent gemenagt sowie vermarktet werden.

Jene, die sich schon und seit Jahren für unseren Karstwanderweg engagieren, benötigen endlich mehr Unterstützung der Verantwortlichen. Genau das haben sie und die Wanderer verdient.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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