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Meldung aus der Wirtschaftswelt

Schwammspinner-Massenvermehrung soll gestoppt werden

Montag, 06. April 2020, 10:38 Uhr
ThüringenForst will das flächige Absterben von Eichenwäldern als Folge der Schwammspinner-Massenvermehrung verhindern. Dies gelingt nur mit lokal begrenzten Insektizideinsätzen. Dazu diese Meldung von ThüringenForst, da auch im Kyffhäuserkreis Bekämpfungsmaßnahmen vorgesehen sind und es anschließend in diesem Bereich ein Sammel- und Betretungsverbot gibt...


An einigen Orten Thüringens ist die Gefahr real - es könnten wertvolle Eichenwälder flächig absterben. Schon seit 2017 fressen Schwammspinnerraupen in Ost-, Nord-, Mittel- und vor allem Südthüringen Jahr für Jahr ganze Eichenwälder kahl. 2019 wurde auf landesweit 325 Hektar, das entspricht der Fläche des Englischen Gartens in München, starker bis totaler Kahlfraß in den öko-logisch besonders wertvollen Eichen- und Eichenmischwäldern festgestellt.

Ausgerechnet der kleinparzellierte Privatwald ist Hauptschadensschwerpunkt. In Gera-Liebschwitz wurde die örtliche Bevölkerung in ihren Häusern von den „Ekelraupen“ regelrecht überfallen, als die Bäume kahl und das Fressen knapp wurde. Jetzt droht den Eichenwäldern, durch die Trockenjahre 2018 und 2019 zusätzlich geschwächt, stellenweise das großflächige Absterben. ThüringenForst hat als verantwortliche Untere Forstbehörde, die Belange des Waldschutzes, des Insektenschutzes und den Schutz der Anwohner und Waldbesucher abgewogen und sich für eine Bekämpfung des Eichenschädlings entschlossen. Die beteiligten Naturschutzbehörden hatten zuvor Zustimmung erteilt.

Mit dem Absterben der Wälder drohen wichtigen Waldfunktionen das Aus

„Im Forstamt Sondershausen ist eine Waldfläche von 35 Hektar im Bereich Günserode - Bilzingsleben unmittelbar von Kahlfraß bedroht, ein flächiges Absterben der Altbäume ist zu befürchten“, so der Leiter des Forstamtes Sonders-hausen Uli Klüßendorf. Nicht nur, dass damit ein hochwertiges Ökosystem mit vielen geschützten Arten gänzlich verloren ginge, auch wichtige zusätzliche Leistungen der Wälder wie Trinkwasserschutz, Sauerstoffproduktion, Bodenschutz und negative Veränderungen des örtlichen Klimas wären für die nächsten Jahr-zehnte zu befürchten.

Für die waldliebenden Förster die Ultima Ratio

Mit dem Häutungsbeschleuniger „Mimic“ steht ein bewährtes Pflanzenschutz-mittel zur Verfügung, das zuletzt in Franken zum Einsatz kam. Per Hubschrauber in die grünen Kronen gesprüht, nehmen die Raupen den Wirkstoff beim gefräßigen Blattverzehr auf und sterben dann schnell ab. Im Zeitraum zwischen 15. April und 31. Mai soll die Ausbringung bei geeignetem Flugwetter erfolgen. Die Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter Sömmerda und Kyffhäuserkreis wurden gehört und die Zustimmung, soweit erforderlich, eingeholt.

„Während der Hubschrauberausbringung sind die Wälder durch das Thüringer Forstamt Sondershausen vor dem Betreten kurzzeitig gesperrt“, so Amtsleiter Uli Klüßendorf. Vorsorglich besteht bis drei Wochen nach der Ausbringung ein Sammelverbot für Waldfrüchte wie Pilze, Beeren oder Kräuter, auch wenn gesundheitliche Schäden durch Rückstände auf Lebensmitteln nicht bekannt sind.

Die letzte Schädlingsbekämpfung aus der Luft liegt in Thüringen ein Vierteljahrhundert zurück

Für ThüringenForst, das den Einsatz von Pflanzenschutzmittel in den vergangenen neun Jahren im Forstbetrieb kontinuierlich auf ein Minimum abgesenkt hat und zuletzt Ende der 90iger Jahre des vergangenen Jahrtausends eine Schädlingsbekämpfung per Hubschrauber durchführte, ist der Einsatz des Insektizids die absolut letzte Chance, um das Szenario eines flächigen Waldsterbens in den Regionen zu verhindern. „Wir haben die Entscheidung, im konkreten Fall Pflanzenschutzmittel einzusetzen, umfassend abgewogen, immer wieder mit Experten diskutiert und uns abschließend für einen Einsatz entschieden“, so Klüßendorf weiter.

Alternativ hätte auf einen natürlichen Zusammenbruch der Schwammspinner-Massenvermehrung in den nächsten Jahren gewartet werden können. Dies hätte erfahrungsgemäß drei bis fünf Jahre gedauert. Aber: Der Schwammspinner gilt nicht nur mit 1 m2 Blattflächenverzehr pro Raupe als extrem gefräßig, die Raupen vertilgen neben den Eichen auch das Grün nahezu sämtlich anderer Laubbaumarten, zusätzlich vieler Nadelbaumarten und auch den Bewuchs in Gärten und landwirtschaftlichen Kulturen. Weder den Eigentümern noch der betroffenen Bevölkerung ist dies auf Jahre zumutbar.

Wann Bekämpfung?

Der Bekämpfungstermin hängt vom voraussichtlichen Schlupftermin ab und wírd voraussichtlich Mitte April sein. Ca drei Tage vor dem Bekämpfungstermin wird kn über den Zeitpunkt informieren.
Schwammspinner-Massenvermehrung soll gestoppt werden (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
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