Wacker Nordhausen steht vor einer ungewissen Zukunft
Saisonabbruch und Spendenaktie
Samstag, 18. April 2020, 07:33 Uhr
Während in der Kultur- und Theaterbranche alle Veranstaltungen bis Ende August abgesagt werden, wird im Sport und speziell im Fußball noch um die Weiterführung der Spielzeiten gerungen. Mittendrin der Regionalligist FSV Wacker 90. Wie die Nordhäuser sich positionieren, wollte Olaf Schulze wissen …
Wackers Präsidiumsmitglied Uwe Rollfinke initiierte eine Spendenaktion für den Verein
Die deutschen Bundesligisten hoffen, wenigstens mit sogenannten Geisterspielen unter Ausschluss der Fans die Saison zu Ende spielen und somit an die letzte Rate ihrer TV-Gelder gelangen zu können. In der 3. Liga ist ein heftiger Streit darüber entbrannt, ob man die Spielzeit ähnlich wie in Belgien und Österreich nicht einfach abbrechen sollte und auch im Nordostdeutschen Fußballverband wird hitzig diskutiert, wie es weiter gehen soll mit der zu zwei Dritteln gespielten Saison 2019/20 in der Regionalliga Nordost.
Die acht Drittligavereine, die sich für einen Abbruch der Spielzeit aussprechen (sieben abstiegsgefährdete und einer mit Aufstiegsambitionen) haben in einem Positionspapier folgende Begründung für ihren Wunsch angeführt: Wenn Ärzte und Pflegepersonal Tag und Nacht für ihre Patienten im Einsatz sind, wenn Kinder und Jugendliche nicht zur Schule oder zur Kita dürfen, wenn Gastronomen, Einzelhändler, Künstler und viele andere um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, dann darf der Fußball insbesondere in der 3. Liga mit der Verwurzelung der Vereine in den Regionen und Städten keine Sonderrolle für sich beanspruchen. Wenn er das tut, verliert er seine so wichtige Verwurzelung und missachtet seine gesellschaftliche Verantwortung.
Wie in der 3.Liga stehen auch die Clubs im Nordosten vor dem Dilemma, dass ihnen Geisterspiele in ihrer angespannten Situation nichts nutzen, weil die Kosten verursachen und keine Einnahmen generieren. Donnerstagabend trafen sich die Vertreter der Regionalligavereine um eine Lösung zu finden. Im Vorfeld hatte sich für den FSV Wacker 90 Uwe Rollfinke dahingehend geäußert, dass ein Saisonabbruch die bessere Alternative sei, wenn keine Fans ins Stadion kommen dürften. Die Spieler würden gerne spielen, aber es fallen überall Kosten an, sagte er dem Mitteldeutschen Rundfunk auf Nachfrage. Damit reihte er sich bei den Skeptikern ein. Richtige Befürworter der Saisonfortsetzung waren überhaupt nur die beiden Tabellenanführer Altglienicke und Lok Leipzig, die sich beide noch Hoffnung auf einen Aufstieg machen.
Um so überraschender dann das Resultat der gestrigen Besprechung. Nachdem sowohl der MDR als auch Rundfunk Berlin Brandenburg als zuständige Regionalsender die Möglichkeit ins Spiel gebracht hatten, alle ausstehenden Partien per livestream zu übertragen und den Vereinen zur Vermarktung auf ihrer Homepage zur Verfügung zu stellen, schlug die Stimmung pro reguläre Saisonbeendigung um. Ob es und vor allem wann wirklich dazu kommen kann, hängt wie so vieles vom Vormarsch des Corona-Virus ab. Uwe Rollfinke denkt auch über ein Szenario bei Saisonabbruch nach: Es ist ungünstig, dass Lok ein Spiel weniger hat und die Berliner vorne sind. Da sollte es auf jeden Fall eine sportliche Entscheidung geben. Vielleicht mit einem Entscheidungsspiel. Die Absteiger sollten sie in der Liga lassen und die Liga aufstocken."
Unterdessen plagen Wacker noch ganz andere Sorgen. Durch das Kontaktverbot ist auch eine Mitgliederversammlung unmöglich geworden, auf der nach der Pleite der Spielbetriebsgesellschaft eine neues Präsidium gewählt werden sollte. Weder gibt es Bewegung im Insolvenzverfahren, noch kann der Verein vernünftig für die Zukunft planen. Zwar hat Präsident Kleofas seinen Verzicht auf zukünftige Ämter im Verein angekündigt, aber mehrere dringend benötigte Sponsoren wollen abwarten, ob er diesen Worten auch Taten folgen lässt. Zurückgetreten ist der Inhaber einer Securityfirma bisher jedenfalls nicht.
Uwe Rollfinke sieht weitere Probleme auf den Verein zukommen, egal ob in dieser Spielzeit noch gespielt wird oder nicht. Im Sommer laufen die Verträge der Spieler aus und derzeit ist völlig ungewiss, wen der Kicker die Nordhäuser danach wieder verpflichten können.
Zur Abfederung der aktuellen Einbußen startete der Vereinsvorstand kürzlich eine Spendenaktion. Unterstützer des Nordhäuser Regionalligisten können in gestaffelter finanzieller Größenordnung fiktive Aktien erwerben, die offiziell als Spende geltend gemacht werden können. Über 7 500 Euro haben die Blau-Weißen so schon eingesammelt; Geld, das der Verein dringend braucht. Sowohl online auf der Vereinsseite als auch direkt in der Geschäftsstelle (mittwochs und freitags jeweils von 15 - 17 Uhr) besteht die Möglichkeit, sich an der Spendenaktion zu beteiligen.
Olaf Schulze
Autor: oschWackers Präsidiumsmitglied Uwe Rollfinke initiierte eine Spendenaktion für den Verein
Die deutschen Bundesligisten hoffen, wenigstens mit sogenannten Geisterspielen unter Ausschluss der Fans die Saison zu Ende spielen und somit an die letzte Rate ihrer TV-Gelder gelangen zu können. In der 3. Liga ist ein heftiger Streit darüber entbrannt, ob man die Spielzeit ähnlich wie in Belgien und Österreich nicht einfach abbrechen sollte und auch im Nordostdeutschen Fußballverband wird hitzig diskutiert, wie es weiter gehen soll mit der zu zwei Dritteln gespielten Saison 2019/20 in der Regionalliga Nordost.
Die acht Drittligavereine, die sich für einen Abbruch der Spielzeit aussprechen (sieben abstiegsgefährdete und einer mit Aufstiegsambitionen) haben in einem Positionspapier folgende Begründung für ihren Wunsch angeführt: Wenn Ärzte und Pflegepersonal Tag und Nacht für ihre Patienten im Einsatz sind, wenn Kinder und Jugendliche nicht zur Schule oder zur Kita dürfen, wenn Gastronomen, Einzelhändler, Künstler und viele andere um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, dann darf der Fußball insbesondere in der 3. Liga mit der Verwurzelung der Vereine in den Regionen und Städten keine Sonderrolle für sich beanspruchen. Wenn er das tut, verliert er seine so wichtige Verwurzelung und missachtet seine gesellschaftliche Verantwortung.
Wie in der 3.Liga stehen auch die Clubs im Nordosten vor dem Dilemma, dass ihnen Geisterspiele in ihrer angespannten Situation nichts nutzen, weil die Kosten verursachen und keine Einnahmen generieren. Donnerstagabend trafen sich die Vertreter der Regionalligavereine um eine Lösung zu finden. Im Vorfeld hatte sich für den FSV Wacker 90 Uwe Rollfinke dahingehend geäußert, dass ein Saisonabbruch die bessere Alternative sei, wenn keine Fans ins Stadion kommen dürften. Die Spieler würden gerne spielen, aber es fallen überall Kosten an, sagte er dem Mitteldeutschen Rundfunk auf Nachfrage. Damit reihte er sich bei den Skeptikern ein. Richtige Befürworter der Saisonfortsetzung waren überhaupt nur die beiden Tabellenanführer Altglienicke und Lok Leipzig, die sich beide noch Hoffnung auf einen Aufstieg machen.
Um so überraschender dann das Resultat der gestrigen Besprechung. Nachdem sowohl der MDR als auch Rundfunk Berlin Brandenburg als zuständige Regionalsender die Möglichkeit ins Spiel gebracht hatten, alle ausstehenden Partien per livestream zu übertragen und den Vereinen zur Vermarktung auf ihrer Homepage zur Verfügung zu stellen, schlug die Stimmung pro reguläre Saisonbeendigung um. Ob es und vor allem wann wirklich dazu kommen kann, hängt wie so vieles vom Vormarsch des Corona-Virus ab. Uwe Rollfinke denkt auch über ein Szenario bei Saisonabbruch nach: Es ist ungünstig, dass Lok ein Spiel weniger hat und die Berliner vorne sind. Da sollte es auf jeden Fall eine sportliche Entscheidung geben. Vielleicht mit einem Entscheidungsspiel. Die Absteiger sollten sie in der Liga lassen und die Liga aufstocken."
Unterdessen plagen Wacker noch ganz andere Sorgen. Durch das Kontaktverbot ist auch eine Mitgliederversammlung unmöglich geworden, auf der nach der Pleite der Spielbetriebsgesellschaft eine neues Präsidium gewählt werden sollte. Weder gibt es Bewegung im Insolvenzverfahren, noch kann der Verein vernünftig für die Zukunft planen. Zwar hat Präsident Kleofas seinen Verzicht auf zukünftige Ämter im Verein angekündigt, aber mehrere dringend benötigte Sponsoren wollen abwarten, ob er diesen Worten auch Taten folgen lässt. Zurückgetreten ist der Inhaber einer Securityfirma bisher jedenfalls nicht.
Uwe Rollfinke sieht weitere Probleme auf den Verein zukommen, egal ob in dieser Spielzeit noch gespielt wird oder nicht. Im Sommer laufen die Verträge der Spieler aus und derzeit ist völlig ungewiss, wen der Kicker die Nordhäuser danach wieder verpflichten können.
Zur Abfederung der aktuellen Einbußen startete der Vereinsvorstand kürzlich eine Spendenaktion. Unterstützer des Nordhäuser Regionalligisten können in gestaffelter finanzieller Größenordnung fiktive Aktien erwerben, die offiziell als Spende geltend gemacht werden können. Über 7 500 Euro haben die Blau-Weißen so schon eingesammelt; Geld, das der Verein dringend braucht. Sowohl online auf der Vereinsseite als auch direkt in der Geschäftsstelle (mittwochs und freitags jeweils von 15 - 17 Uhr) besteht die Möglichkeit, sich an der Spendenaktion zu beteiligen.
Olaf Schulze

