nnz-Betrachtung zur unwichtigsten Nebensache der Welt
Ein Anstoß zum Abpfiff
Samstag, 02. Mai 2020, 15:30 Uhr
Dieser Beitrag zur besten Anstoßzeit richtet sich an all diejenigen, die sich auch an den fußballfreien Wochenendnachmittagen so furchtbar langweilen und fragen, was das denn wann und vor allem wie noch werden soll …
Auch wenn Fußball natürlich momentan niemanden wirklich interessiert, weil die abwechselnde Jagd nach Schutzmasken und Klopapier uns zur Genüge in Atem hält; wahlweise auch der Versuch sich zu orientieren, welcher der Wissenschaftler oder Kaffeesatzleser die uns genehmste Meinung in der Corona-Krise vertritt - die Frage bleibt, ob und wann, aber auch wie und wo irgendeine Fußball-Liga zu Ende geführt werden soll, falls sie nicht schon völlig humorlos einfach abgebrochen wurde.
Selbst in den oberen Ligen gibt es Zoff ohne Ende, wenn es um die anvisierten, Werbeeinnahmen rettenden Geisterspiele geht. In besonders abstiegsbedrohten Drittligastädten (Jena, Halle) haben die Stadtväter vorsorglich verfügt, dass sie den möglichen Abstieg in ihren heimischen Stadien bis auf weiteres nicht zulassen wollen. Eine klare Wettbewerbsverzerrung, rufen die dortigen Vereinsfunktionäre und fordern deshalb vehement den Saisonabbruch und damit den gesicherten Klassenerhalt.
In Thüringen warten in den Kreisligaen und Landeskassen noch einige Vereine in der Verbandsliga, der NOFV-Oberliga und der Regionalliga Nordost auf eine verbindliche Entscheidung. Je länger der fußballfeindliche Lockdown aber dauert, desto kurioser werden die Vorschläge, wie denn ein sportliches Ende herbeigeführt werden könnte.
Vorschlag 1:
Es wird nur die erste Halbserie gewertet, die von allen absolviert wurde
Da freut sich der Tabellenerste, der dann aufsteigen darf und wird dem sofort zustimmen. Die Vereine auf den anderen Podestplätzen, die sich noch Hoffnungen gemacht haben, den Thron in der zweiten Halbserie zu erklimmen, werden eher nicht begeistert sein. Desgleichen die Vereine auf den Abstiegsplätzen, die sich in Saison-Durchgang zwei höchstwahrscheinlich noch stark verbessert hätten in der Tabelle und dann nichts mehr mit dem Abstieg zu tun gehabt hätten.
Vorschlag 2:
Es wird anhand der bisher gespielten Partien ein Punkte-Koeffizient errechnet und wer den besten Schnitt hat steigt auf, wer den schlechtesten hat steigt ab
Freude und Frust ist bei dieser Variante ähnlich verteilt wie in Vorschlag 1 und das Hauptargument aller wird sein: Ja, die anderen hatten aber bisher nur leichte Gegner und wir schon die ganzen schweren. Es wir Klagen hageln.
Vorschlag 3:
Die derzeitigen Ersten steigen einfach auf, keiner steigt ab, die Ligen werden dementsprechend für ein Jahr aufgestockt
Das klingt für die abstiegsbedrohten Vereine gut, für die Tabellenführer auch. Es dürfte aber ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Anwälte auslösen, weil die halbe Liga klagen wird mit der Behauptung, sie hätte den Aufstieg auch noch geschafft, wenn es regulär weiter gegangen wäre. Was in der nächsten Spielzeit dann in einer Liga mit 22 oder 24 Mannschaften los wäre, von denen acht absteigen müssen, ist noch eine ganz andere Problematik.
Vorschlag 4:
Die Aufsteiger werden in Playoffs beziehungsweise in Kurzturnieren ermittelt
Das freut hauptsächlich die Fernsehstationen, die solche Spiele übertragen wollen, die beteiligten Klubs dürften bei solchen Hop- oder Top-Entscheidungen gemischte Gefühle haben. Und fair wird eine solche Entscheidung auch nicht werden. Im konkreten Beispiel zur Beendigung der Regionalliga Nordost sollen auf Wunsch des NOFV und des MDR zwei Halbfinalspiele und ein Finale über den Meister entscheiden. Eine Wettbewerbsverzerrung ist vorprogrammiert, denn anstatt der ersten vier Vereine der Tabelle kommt mit der Reserve von Hertha BSC ein Klub dazu, der die Chance nutzen wird mit dem halben Kader der Bundesligatruppe anzutreten. Hertha kommt ins Gespräch, weil Fürstenwalde als derzeitiger Vierter gar nicht in den Profifußball will. Der derzeitige Dritte Energie Cottbus trainiert im Gegensatz zu den anderen Beteiligten schon seit Mitte April wieder (wohl weil das Corona-Virus keinen Gefallen an seinen Spielern findet), was auch nicht gerecht wäre.
Zwischenruf:
Was aber, wenn sich bei den vorausgehenden Tests der Spieler - egal ob Bundes- oder Verbandsliga - herausstellt, dass einer von ihnen mit dem Virus infiziert ist?
Dann müsste die ganze Mannschaft in Quarantäne und kann am Spielbetrieb (auch in Geisterspielen) nicht mehr teilnehmen. Bei vierzehn Tagen Quarantäne macht das in der Bundesliga bei den geplanten englischen Wochen mindesten vier Spiele Ausfall für diesen Verein. Trainieren dürften die Spieler in dieser Zeit natürlich auch nicht. Sollte noch in einem anderen Klub ein Infizierter ermittelt werden, entwickelt sich daraus ein exponentieller Spielausfall und die Bundesliga wird bis Weihnachten um den Meister der Saison 2019/20 spielen.
Vorschlag 5:
Diese Saison generell abbrechen und so tun, als hätte es dieses verseuchte Jahr nicht gegeben!
Keiner steigt nirgendwo hin, nicht auf und nicht ab. Es gibt in diesem Jahr keine Meister im Fußball, so wie es andere Sportarten schon beschlossen haben. Bei den derzeitigen Lockerungen ist nicht einmal für die beiden Bundesligen absehbar, wann es weitergehen kann, selbst wenn keiner der Spieler positiv getestet würde. Ende Juni beginnt regulär schon die Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Vielleicht ist ja dieser Termin wenigstens eine Option, die von den politischen Entscheidern mitgetragen wird. Alles andere scheint doch eine große Illusion zu sein.
Dennoch bin ich persönlich sehr für die Tests aller Bundesligaspieler, weil wir so wenigstens von der Bevölkerungsgruppe junger, sportlicher Männer erfahren können, wieweit die Durchseuchung mit dem Virus fortgeschritten ist. Ich glaube, da werden wir staunen und die unbemerkt Betroffenen auch. Spätestens dann ist die Fußballsaison 2019/20 definitiv Geschichte!
Olaf Schulze
Autor: oschAuch wenn Fußball natürlich momentan niemanden wirklich interessiert, weil die abwechselnde Jagd nach Schutzmasken und Klopapier uns zur Genüge in Atem hält; wahlweise auch der Versuch sich zu orientieren, welcher der Wissenschaftler oder Kaffeesatzleser die uns genehmste Meinung in der Corona-Krise vertritt - die Frage bleibt, ob und wann, aber auch wie und wo irgendeine Fußball-Liga zu Ende geführt werden soll, falls sie nicht schon völlig humorlos einfach abgebrochen wurde.
Selbst in den oberen Ligen gibt es Zoff ohne Ende, wenn es um die anvisierten, Werbeeinnahmen rettenden Geisterspiele geht. In besonders abstiegsbedrohten Drittligastädten (Jena, Halle) haben die Stadtväter vorsorglich verfügt, dass sie den möglichen Abstieg in ihren heimischen Stadien bis auf weiteres nicht zulassen wollen. Eine klare Wettbewerbsverzerrung, rufen die dortigen Vereinsfunktionäre und fordern deshalb vehement den Saisonabbruch und damit den gesicherten Klassenerhalt.
In Thüringen warten in den Kreisligaen und Landeskassen noch einige Vereine in der Verbandsliga, der NOFV-Oberliga und der Regionalliga Nordost auf eine verbindliche Entscheidung. Je länger der fußballfeindliche Lockdown aber dauert, desto kurioser werden die Vorschläge, wie denn ein sportliches Ende herbeigeführt werden könnte.
Vorschlag 1:
Es wird nur die erste Halbserie gewertet, die von allen absolviert wurde
Da freut sich der Tabellenerste, der dann aufsteigen darf und wird dem sofort zustimmen. Die Vereine auf den anderen Podestplätzen, die sich noch Hoffnungen gemacht haben, den Thron in der zweiten Halbserie zu erklimmen, werden eher nicht begeistert sein. Desgleichen die Vereine auf den Abstiegsplätzen, die sich in Saison-Durchgang zwei höchstwahrscheinlich noch stark verbessert hätten in der Tabelle und dann nichts mehr mit dem Abstieg zu tun gehabt hätten.
Vorschlag 2:
Es wird anhand der bisher gespielten Partien ein Punkte-Koeffizient errechnet und wer den besten Schnitt hat steigt auf, wer den schlechtesten hat steigt ab
Freude und Frust ist bei dieser Variante ähnlich verteilt wie in Vorschlag 1 und das Hauptargument aller wird sein: Ja, die anderen hatten aber bisher nur leichte Gegner und wir schon die ganzen schweren. Es wir Klagen hageln.
Vorschlag 3:
Die derzeitigen Ersten steigen einfach auf, keiner steigt ab, die Ligen werden dementsprechend für ein Jahr aufgestockt
Das klingt für die abstiegsbedrohten Vereine gut, für die Tabellenführer auch. Es dürfte aber ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Anwälte auslösen, weil die halbe Liga klagen wird mit der Behauptung, sie hätte den Aufstieg auch noch geschafft, wenn es regulär weiter gegangen wäre. Was in der nächsten Spielzeit dann in einer Liga mit 22 oder 24 Mannschaften los wäre, von denen acht absteigen müssen, ist noch eine ganz andere Problematik.
Vorschlag 4:
Die Aufsteiger werden in Playoffs beziehungsweise in Kurzturnieren ermittelt
Das freut hauptsächlich die Fernsehstationen, die solche Spiele übertragen wollen, die beteiligten Klubs dürften bei solchen Hop- oder Top-Entscheidungen gemischte Gefühle haben. Und fair wird eine solche Entscheidung auch nicht werden. Im konkreten Beispiel zur Beendigung der Regionalliga Nordost sollen auf Wunsch des NOFV und des MDR zwei Halbfinalspiele und ein Finale über den Meister entscheiden. Eine Wettbewerbsverzerrung ist vorprogrammiert, denn anstatt der ersten vier Vereine der Tabelle kommt mit der Reserve von Hertha BSC ein Klub dazu, der die Chance nutzen wird mit dem halben Kader der Bundesligatruppe anzutreten. Hertha kommt ins Gespräch, weil Fürstenwalde als derzeitiger Vierter gar nicht in den Profifußball will. Der derzeitige Dritte Energie Cottbus trainiert im Gegensatz zu den anderen Beteiligten schon seit Mitte April wieder (wohl weil das Corona-Virus keinen Gefallen an seinen Spielern findet), was auch nicht gerecht wäre.
Zwischenruf:
Was aber, wenn sich bei den vorausgehenden Tests der Spieler - egal ob Bundes- oder Verbandsliga - herausstellt, dass einer von ihnen mit dem Virus infiziert ist?
Dann müsste die ganze Mannschaft in Quarantäne und kann am Spielbetrieb (auch in Geisterspielen) nicht mehr teilnehmen. Bei vierzehn Tagen Quarantäne macht das in der Bundesliga bei den geplanten englischen Wochen mindesten vier Spiele Ausfall für diesen Verein. Trainieren dürften die Spieler in dieser Zeit natürlich auch nicht. Sollte noch in einem anderen Klub ein Infizierter ermittelt werden, entwickelt sich daraus ein exponentieller Spielausfall und die Bundesliga wird bis Weihnachten um den Meister der Saison 2019/20 spielen.
Vorschlag 5:
Diese Saison generell abbrechen und so tun, als hätte es dieses verseuchte Jahr nicht gegeben!
Keiner steigt nirgendwo hin, nicht auf und nicht ab. Es gibt in diesem Jahr keine Meister im Fußball, so wie es andere Sportarten schon beschlossen haben. Bei den derzeitigen Lockerungen ist nicht einmal für die beiden Bundesligen absehbar, wann es weitergehen kann, selbst wenn keiner der Spieler positiv getestet würde. Ende Juni beginnt regulär schon die Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Vielleicht ist ja dieser Termin wenigstens eine Option, die von den politischen Entscheidern mitgetragen wird. Alles andere scheint doch eine große Illusion zu sein.
Dennoch bin ich persönlich sehr für die Tests aller Bundesligaspieler, weil wir so wenigstens von der Bevölkerungsgruppe junger, sportlicher Männer erfahren können, wieweit die Durchseuchung mit dem Virus fortgeschritten ist. Ich glaube, da werden wir staunen und die unbemerkt Betroffenen auch. Spätestens dann ist die Fußballsaison 2019/20 definitiv Geschichte!
Olaf Schulze

