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Eine nnz-Betrachtung von Olaf Schulze

Raus aus der Angst und rein in die Natur

Mittwoch, 20. Januar 2021, 18:30 Uhr
Während ein Teil der Thüringer Bevölkerung aufgrund hoher Fallzahlen und drohender Mutationen bei schleppend anlaufendem Impfgeschehen größte Ängste hegt, fühlt sich ein anderer Teil dafür bestraft, dass auch die härteste Lockdown-Maßnahmen keine positiven Effekte zeitigen…

Im Winterwald bei Sophienhof (Foto: oas)

Die breite Masse zwischen den extremen Meinungen fragt sich hingegen, wie schlimm oder harmlos die Situation tatsächlich ist und wartet die Erfolge der Anordnungen mehr oder weniger gelassen ab. Aber wie lange kann das noch gutgehen bei derartigen Misstönen aus den Reihen der Regierenden?

Offensichtlich haben die ganzen Verschärfungen der Eindämmungsmaßnahmen in den letzten Wochen nichts gebracht. Die „Fallzahlen“ stiegen und stiegen. Und weil sich die ganzen Beschränkungen des öffentlichen Lebens als ungeeignet herausgestellt haben, sollen sie nun noch einmal verschärft werden. Also: die Dosis der Medizin wird erhöht, weil sie immer noch nicht anschlägt. Oder ist es vielleicht die falsche Medizin? Oder sind es die falschen Leute, die darüber entscheiden, welche Medizin uns verabreicht wird?

Schon die bloße Vorstellung, die uns regierenden Politiker wären verantwortlich für die Versorgung der Supermärkte mit Lebensmitteln (oder gar mit Klopapier) und das würde so funktionieren wie jetzt die Impfstoffverteilung, treibt vielen Zeitgenossen inzwischen die Schweißperlen auf die Stirn.

Wie dramatisch ist nun aber die Situation in Thüringen, dem derzeitigen Hotspot der Corona-Ausbrüche? Wir haben einen Blick in die Statistik geworfen. Verlässliche Auskunft gibt das Divi-Register, in dem täglich aktuell aufgelistet wird, in welchem Bundesland wie viele Menschen in Krankenhäusern behandelt werden und wie viele Betten zur Verfügung stehen.

Laut Stand vom 20.Januar um 9 Uhr liegen auf Thüringer Intensivstationen wegen einer Covid19-Erkrankung in stationärer Behandlung 176 Patienten. Davon werden 105 invasiv beatmet. Die aktuelle Anzahl belegter Betten auf diesen Intensivstationen beträgt 630. Als freie Betten verzeichnet das Register 110. Über 343 Reservebetten, die binnen einer Woche einsatzbereit sind, verfügt Thüringen zusätzlich.

Neben Berlin und Hamburg hat Thüringen momentan die prozentual größte Invasivbeatmungs-Auslastung bundesweit, selbst das als absoluter Hotspot viel zitierte Sachsen hat weniger (dort sind übrigens Stand heute noch 316 Intensivstations-Betten frei und 616 in Reserve verfügbar).

Thüringen zählt derzeit 2,137 Millionen Einwohner. Runden wir, um leichter rechnen zu können, ab und nehmen 2 Millionen an. Wegen Corona auf einer Intensivstationen liegen Stand heute 176 Patienten. Runden wir, um besser rechnen zu können, auf 200 auf. Dann liegen bei sehr großzügiger Auf- und Abrundung dieser Zahlen derzeit 0,01 Prozent der Thüringer Bevölkerung mit einer Corona-Erkrankung auf den Intensivstationen des Freistaates. Wenn man diese Zahlen einmal zur Verdeutlichung auf Längenmeter einer Straße überträgt, so haben wir auf einer Strecke von 200 Kilometern ganze 20 Meter, die betroffen sind.

Bei den gemeldeten Patientenzahlen ist außerdem nicht gesagt, ob auch Corona-Erkrankte aus anderen Bundesländern in Thüringer Einrichtungen wie bspw. der Neustädter Lungenklinik liegen und hier gezählt werden.

In den anderen Bundesländern sinken die Zahlen von Erkrankten und positiv Getesteten ständig weiter, so dass sich die Lockdown-Verschärfungen inzwischen nur noch schwerlich rechtfertigen ließen, gäbe es da nicht die englische Mutation des Corona-Virus’. Die ist seit September bekannt, trat in Südafrika und England auf, wurde inzwischen in EU-Staaten (auch in Deutschland) schon nachgewiesen und soll noch infektiöser sein als das herkömmliche Covid19-Virus. Jetzt grassiert dieser Mutant gerade ganz schlimm auf Irland. Das ist die Insel, die in den letzten Monaten einen der härtesten und wie sich nun herausstellt sinnlosesten Lockdowns weltweit durchgezogen hat.

Auf Nachfrage von Journalisten bei einer der letzten Bundespressekonferenzen konnte Regierungssprecher Seibert für die These einer neuen Gefahr durch das mutierte Virus keinerlei Belege liefern, nichtsdestotrotz bleibt das Schreckgespenst eines mutierten Virus das Hauptargument der Bundeskanzlerin und dient jetzt als Grundlage ihrer gestern Abend zäh durchgesetzten Verlängerung der Schließung von Schulen, Sportvereinen, der Gastronomie, des Einzelhandels und der Dienstleister etc. pp. „Es ist, als würde jemand einen Jumbo-Jet landen wollen, der die Bedeutung der Knöpfe im Cockpit nicht kennt, und kurz vor der Landebahn das Fahrwerk einfährt.“, kommentierte der Publizist Roland Tichy jüngst das Agieren der Bundesregierung.

So bleibt uns in der angespannten Situation wohl nur die Hoffnung auf einen möglichst baldigen Impfstart, damit alle, die sich schützen wollen, das endlich tun können. Insgesamt sollten wir jedoch alle versuchen, den Panikmodus zu vermeiden. Es wird sehr hilfreich sein, die ganze Problematik einmal angstfrei zu betrachten oder am besten ganz auszublenden sowie mehr Gelassenheit an den Tag zu legen.

Also Leute: schützt euch vor Panik und lasst euch nicht in die Angstspirale hineinziehen. Geht raus in die Natur und wartet nicht vorm Fernseher ab, was uns angeblich als nächstes bevorsteht.

Ein ausgedehnter Spaziergang im verschneiten Winterwald kann zur seelischen Beruhigung wahre Wunder bewirken. Hier zwischen den Bäumen hat Corona keine Macht und meist ist in deutschen Wäldern auch der Internetempfang so schlecht, dass die neusten Horrormeldungen nicht bis hierher vordringen.
Olaf Schulze
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