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Berufsleben

Meine zweite Chance

Freitag, 25. Juni 2021, 09:43 Uhr
Wer alleine ein Kind groß ziehen muss, sieht sich einer ganzen Reihe an Herausforderungen gegenüber. Nicht zuletzt wenn es darum geht, in das Berufsleben zurückzukehren. In Heldrungen unterstützt die IBKM Akademie Eltern bei genau diesem Problem. Wie das genau funktioniert, davon berichten zwei Teilnehmerinnen...

Im Jahr 2018 erhielt ich durch das Projekt „Maßgeschneiderte Ausbildungsbegleitung für jungen Menschen mit Familienverantwortung“ der IBKM Akademie GmbH in Heldrungen die Chance, mein Leben neu zu gestalten.

Bis dahin verlief alles ziemlich holprig. Mit 19 wurde ich zum ersten Mal Mutter. Vom Vater des Kindes hatte ich mich schon während der Schwangerschaft getrennt, familiäre Unterstützung hatte ich keine. Die Zeit mit dem Baby und ohne Perspektive war ganz besonders hart für mich.

Durch einen Artikel in dieser Zeitung habe ich von der Möglichkeit erfahren, als alleinerziehende Mutter einen Berufsabschluss zu erlangen. Den Beruf des Ergotherapeuten kannte ich bis dahin nur als Patientin, konnte mir aber gut vorstellen, selbst in diesem Bereich tätig zu werden.

Durch die Beratung der im Projekt tätigen Sozialpädagogin wurde mein Entschluss gefestigt. Vor dem Ausbildungsbeginn mussten jedoch noch einige Hürden bewältigt werden. Unter anderem war ein Umzug in einen anderen Landkreis notwendig. Das der Berufsschule angeschlossene Wohnheim bot mir die Möglichkeit. Inzwischen ist auch die Kinderbetreuung optimal, da es vor Ort einen zum Schulträger gehörenden Kindergarten gibt, dessen Öffnungszeiten individuell auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst werden können.
Dank stets verständnisvoller Lehrer und der Unterstützung durch die Sozialpädagogin bei allen Problemen stehe ich jetzt kurz vor den Abschlussprüfungen und habe bereits ein Arbeitsangebot einer IBKM Praxis für Ergotherapie erhalten.

Nachdem ich meine Ausbildung zur Bürokauffrau erfolgreich abgeschlossen hatte, dachte ich, ins Berufsleben einsteigen zu können.
Leider gab es zu diesem Zeitpunkt eine Vielzahl an Bewerbern und Bewerberinnen auf eine freie Stelle. Als Berufseinsteigerin mit Kleinkind waren meine Chancen schon gering. Erschwerend hinzu kam, dass ich wegen eines pflegebedürftigen Familienangehörigen ortsgebunden war.

Aus dieser Situation entstand mein Wunsch, mich beruflich noch einmal neu zu orientieren. Durch die regelmäßige Begleitung eines Angehörigen zur Ergotherapie wurde mein Interesse an diesem Beruf geweckt. Da ich jedoch schon eine abgeschlossene Berufsausbildung hatte, gab es für mich keine Möglichkeit die Ausbildung zu finanzieren. Bei einem Gespräch mit den Mitarbeiterinnen der ThINKA Artern (Thüringer Initiative für Integration, Nachhaltigkeit, Kooperation und Aktivierung) erfuhr ich von dem Projekt „Maßgeschneiderte Ausbildungsbegleitung für junge Menschen mit Familienverantwortung“, bei dem die Berufsschule kostenlos besucht werden kann. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben.

Durch die lange Zeit zu Hause fiel es mir schwer, meinen Alltag mit Kind und Schule neu zu strukturieren und ich musste vor allem das Lernen wieder lernen. Dabei halfen mir die Mitarbeiterinnen des Projektes und die Lehrer zeigten jederzeit Verständnis für die Probleme einer alleinerziehenden Mutter. Da ich nicht mobil bin, konnte ich den angebotenen Fahrdienst nutzen und so pünktlich in der Schule sein. Meine ersten praktischen Erfahrungen innerhalb der Ausbildung konnte ich in einer nahegelegenen IBKM Praxis für Ergotherapie sammeln. Die unterschiedlichen Einsatzgebiete und die Vielfältigkeit des Berufes wurden mir dabei noch einmal deutlich. Mein Entschluss war richtig!

Nach der erfolgreich bestandenen Prüfung im August diesen Jahres werde ich als Ergotherapeutin in einer IBKM Ergotherapiepraxis arbeiten. Die Arbeitszeiten und die Nähe zum Arbeitsplatz bieten mir die Möglichkeit, mich ausreichend um meine Tochter zu kümmern. Ohne das Projekt „Maßgeschneiderte Ausbildungsbegleitung für junge Menschen mit Familienverantwortung“, welches durch staatliche Fördermittel finanziert wird, wäre das alles nicht möglich gewesen.
Autor: red

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