NNZ-BETRACHTUNG von Kurt Frank
Der unberechenbare Heuchler
Sonntag, 27. Februar 2022, 09:46 Uhr
Ich verhehlte nicht meine Sympathien für Wladimir Putin, was ich auch an dieser Stelle öffentlich bekundete. Das bettelarme Land unter Jelzin mit leeren Regalen in den Geschäften und einer heruntergekommenen Armee war gestern...
Jeder Russe kann heute auch frei seinen Glauben leben, wenngleich die Kluft zwischen den superreichen Oligarchien, die über das Volk herrschen, und dem einfachen Menschen nicht zu übersehen ist. Selbst für die Annexion der Krim, obwohl ich sie verurteile, hegte ich insgeheim ein gewisses Verständnis:
Nach zermürbenden russisch- osmanischen Kriegen annektierte sie die aus Deutschland stammende Zarin Katharina die Große am 8. April 1783 und erfüllte den Traum aller Zaren. Die Krim wurde Neurussland. Der Zarin Liebhaber Grigori Potjomkin huldigte sie: Glaub mir: Durch diese Tat wirst du größeren, unsterblichen Ruhm gewinnen als jeder andere russische Monarch zu irgendeiner Zeit. Katharine ging als die Große in die Geschichte ein.
Bis 1954 blieb die Ukraine russisch. Nikita Chruschtschow als Nachfolger Stalins schenkte sie mit einer großen Geste anlässlich des 300.Jahrestages des Eides von Perejaslaw der Ukrainischen Sowjetrepublik. 2014 geißelte dies Putin als historischen Fehler und tat es der Zarin gleich. Er wird dennoch nicht als Wladimir der Große in die Geschichte Eingang finden. Im Gegenteil!
Da sitzen zwei europäische Staatsmänner von Rang und Namen am langen Tisch dem Kreml-Chef gegenüber. Der spricht wie sie von Dialogbereitschaft, Konflikte friedlich lösen zu wollen. Zu einer Zeit, wo das Angriffszenario gegen die Ukraine schon in seiner Schublade lag. Putin belog den Franzosen und den Deutschen nach Strich und Faden. Heuchelei ohnegleichen in der Diplomatie. Ist das Größenwahn? Selbstüberschätzung? Arroganz hoch drei? Als dumme Jungen müssen sich Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz vorgekommen sein. Meine Sympathie für den Mann in Moskau ist dahin. Endgültig!
Die Ukraine bettelte um deutsche Waffen. Wir sind blank, sagt Alfons Mais, Chef des deutschen Heeres. Selbst an dicken Jacken und warmer Unterwäsche fehle es. Hubschrauber, die nicht fliegen. Panzer, die nicht einsatzfähig sind. Gewehre, die ungenau schießen. Der Diktator in Moskau schüttelt sich vor Lachen. Er weiß um die Pannentruppe, die Schwächen der EU und (Macron: Tiger ohne Zähne) der Nato.
Eines hat Putin erreicht: Die bislang hierzulande von jeder Erhöhung des Verteidigungsetats nichts wissen wollten, schreien jetzt am lautesten: Moderne Waffensysteme gehören in die Hände der Bundeswehr! Christine Lambrecht, ihres Zeichens Verteidigungsministerin, schickt schon eilfertig deutsche Soldaten nach Tschechien und Polen, damit diese Länder besser gegen den Aggressor aus dem Osten gewappnet sind. Nun will man der Ukraine auch mit Panzerabwehrwaffen und Boden-Luftraketen Hilfe leisten.
Diktator Putin, der sich zum Alleinherrscher aufgeschwungen habe und jede Opposition im Land brutal unterdrücke, habe die Maske fallen lassen, tönt es aus europäischen Nato-Kreisen. Der Mann sei unberechenbar. Jetzt wisse man, was zu tun bleibt: Aufrüstung! Gleichgewicht des Schreckens nennen es Militärs. Gegen den Aggressor müsse man gewappnet sein. Deutschland vorneweg. Milliarden wird das kosten. Das und die Sanktionen gegen Russland werden auch für uns Folgen haben. Der Frieden kenne kein Preisschild, sagt die Außenministerin. Will heißen, sich auf Teuerungen und Einschränkungen einzustellen.
Auch damit rechnet Putin, der gewiefte Fuchs: Flüchtlingswellen werden nach Europa schwappen. Vielleicht in Millionen. Das Gerangel der Länder, wer wie viele Flüchtlinge aufnehmen kann, beginnt erneut. Wladimir reibt sich die Hände über die Uneinigkeit innerhalb der EU.
Gewiss: Auch USA-Präsident Bush ließ mit falschen Behauptungen in den Irak einmarschieren, Macht und Überlegenheit demonstrierend, Chaos im Land hinterlassend. Jetzt tat es ihm Zar Putin gleich. Der eine wie der andere waren oder sind: Aggressoren, deren Handeln durch nichts zu rechtfertigen war oder ist!
Wer als Machthaber das Existenzrecht eines souveränen Landes aberkennt, mit Gewalt ein Marionettenregime nach seinem Ermessen schaffen will, die Muskeln spielen lässt, der mit Atomgeschossen bestückten Raketensystemen sich öffentlich in Szene setzt, der Tod und Verderben über unschuldige Menschen bringt und der allen mit Vernichtung droht, die es wagen sollten, sich ihm in den Weg zu stellen – diesem Mann ist fortan nicht mehr über den Weg zu trauen. Er ist zu allem fähig.
Wie viele Menschen in diesem Land und Regierungen aller Schattierungen der Welt habe auch ich noch vor wenigen Tagen Wladimir Putin nicht für einen hinterhältigen Heuchler und skrupellosen machtbesessenen Menschen gehalten.
Im Handstreich wie die Annexion der Krim wollte Putin die Ukraine einnehmen. Mit dem heldenhaften Widerstand des Volkes hat er wohl nicht gerechnet. Jugendliche, Studenten und Frauen basteln selbst so genannte Molotowcocktails, stellen sich dem übermächtigen Feind in den Weg. Unüberhörbar der Aufschrei in der Welt. Einen Diktator, der von einem Großrussland in den Grenzen vor 1990 nicht nur träumt, wird das wohl von seinem schändlichen Tun nicht abhalten.
Kurt Frank
Autor: redJeder Russe kann heute auch frei seinen Glauben leben, wenngleich die Kluft zwischen den superreichen Oligarchien, die über das Volk herrschen, und dem einfachen Menschen nicht zu übersehen ist. Selbst für die Annexion der Krim, obwohl ich sie verurteile, hegte ich insgeheim ein gewisses Verständnis:
Nach zermürbenden russisch- osmanischen Kriegen annektierte sie die aus Deutschland stammende Zarin Katharina die Große am 8. April 1783 und erfüllte den Traum aller Zaren. Die Krim wurde Neurussland. Der Zarin Liebhaber Grigori Potjomkin huldigte sie: Glaub mir: Durch diese Tat wirst du größeren, unsterblichen Ruhm gewinnen als jeder andere russische Monarch zu irgendeiner Zeit. Katharine ging als die Große in die Geschichte ein.
Bis 1954 blieb die Ukraine russisch. Nikita Chruschtschow als Nachfolger Stalins schenkte sie mit einer großen Geste anlässlich des 300.Jahrestages des Eides von Perejaslaw der Ukrainischen Sowjetrepublik. 2014 geißelte dies Putin als historischen Fehler und tat es der Zarin gleich. Er wird dennoch nicht als Wladimir der Große in die Geschichte Eingang finden. Im Gegenteil!
Da sitzen zwei europäische Staatsmänner von Rang und Namen am langen Tisch dem Kreml-Chef gegenüber. Der spricht wie sie von Dialogbereitschaft, Konflikte friedlich lösen zu wollen. Zu einer Zeit, wo das Angriffszenario gegen die Ukraine schon in seiner Schublade lag. Putin belog den Franzosen und den Deutschen nach Strich und Faden. Heuchelei ohnegleichen in der Diplomatie. Ist das Größenwahn? Selbstüberschätzung? Arroganz hoch drei? Als dumme Jungen müssen sich Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz vorgekommen sein. Meine Sympathie für den Mann in Moskau ist dahin. Endgültig!
Die Ukraine bettelte um deutsche Waffen. Wir sind blank, sagt Alfons Mais, Chef des deutschen Heeres. Selbst an dicken Jacken und warmer Unterwäsche fehle es. Hubschrauber, die nicht fliegen. Panzer, die nicht einsatzfähig sind. Gewehre, die ungenau schießen. Der Diktator in Moskau schüttelt sich vor Lachen. Er weiß um die Pannentruppe, die Schwächen der EU und (Macron: Tiger ohne Zähne) der Nato.
Eines hat Putin erreicht: Die bislang hierzulande von jeder Erhöhung des Verteidigungsetats nichts wissen wollten, schreien jetzt am lautesten: Moderne Waffensysteme gehören in die Hände der Bundeswehr! Christine Lambrecht, ihres Zeichens Verteidigungsministerin, schickt schon eilfertig deutsche Soldaten nach Tschechien und Polen, damit diese Länder besser gegen den Aggressor aus dem Osten gewappnet sind. Nun will man der Ukraine auch mit Panzerabwehrwaffen und Boden-Luftraketen Hilfe leisten.
Diktator Putin, der sich zum Alleinherrscher aufgeschwungen habe und jede Opposition im Land brutal unterdrücke, habe die Maske fallen lassen, tönt es aus europäischen Nato-Kreisen. Der Mann sei unberechenbar. Jetzt wisse man, was zu tun bleibt: Aufrüstung! Gleichgewicht des Schreckens nennen es Militärs. Gegen den Aggressor müsse man gewappnet sein. Deutschland vorneweg. Milliarden wird das kosten. Das und die Sanktionen gegen Russland werden auch für uns Folgen haben. Der Frieden kenne kein Preisschild, sagt die Außenministerin. Will heißen, sich auf Teuerungen und Einschränkungen einzustellen.
Auch damit rechnet Putin, der gewiefte Fuchs: Flüchtlingswellen werden nach Europa schwappen. Vielleicht in Millionen. Das Gerangel der Länder, wer wie viele Flüchtlinge aufnehmen kann, beginnt erneut. Wladimir reibt sich die Hände über die Uneinigkeit innerhalb der EU.
Gewiss: Auch USA-Präsident Bush ließ mit falschen Behauptungen in den Irak einmarschieren, Macht und Überlegenheit demonstrierend, Chaos im Land hinterlassend. Jetzt tat es ihm Zar Putin gleich. Der eine wie der andere waren oder sind: Aggressoren, deren Handeln durch nichts zu rechtfertigen war oder ist!
Wer als Machthaber das Existenzrecht eines souveränen Landes aberkennt, mit Gewalt ein Marionettenregime nach seinem Ermessen schaffen will, die Muskeln spielen lässt, der mit Atomgeschossen bestückten Raketensystemen sich öffentlich in Szene setzt, der Tod und Verderben über unschuldige Menschen bringt und der allen mit Vernichtung droht, die es wagen sollten, sich ihm in den Weg zu stellen – diesem Mann ist fortan nicht mehr über den Weg zu trauen. Er ist zu allem fähig.
Wie viele Menschen in diesem Land und Regierungen aller Schattierungen der Welt habe auch ich noch vor wenigen Tagen Wladimir Putin nicht für einen hinterhältigen Heuchler und skrupellosen machtbesessenen Menschen gehalten.
Im Handstreich wie die Annexion der Krim wollte Putin die Ukraine einnehmen. Mit dem heldenhaften Widerstand des Volkes hat er wohl nicht gerechnet. Jugendliche, Studenten und Frauen basteln selbst so genannte Molotowcocktails, stellen sich dem übermächtigen Feind in den Weg. Unüberhörbar der Aufschrei in der Welt. Einen Diktator, der von einem Großrussland in den Grenzen vor 1990 nicht nur träumt, wird das wohl von seinem schändlichen Tun nicht abhalten.
Kurt Frank
