Kommt der Kali-Bergbau zurück?
Die Renaissance des Salzes
Mittwoch, 02. März 2022, 08:00 Uhr
Ein gutes Jahrhundert lang bestimmte der Bergbau die Biographien vieler Südharzer Arbeiter und die ganzer Familien. Mit der Wende kam das Aus für die Gruben und die tiefen Einschnitte, die damit für die Region einhergingen, sind bis heute zu spüren. Gute 30 Jahre später könnte der Kali-Bergbau nun aber eine Renaissance erleben. Ein Ortsbesuch im Eichsfeld...
Gerhard Jüttemann sitzt im Weimarer Theater. Ministerpräsident Ramelow hat ihn eingeladen, man kennt sich. Es ist vor allem anderen das, was sich da auf der Bühne abspielt, dass die beiden miteinander verbindet. Auf dem Programm steht das Treuhand-Drama, die noch immer junge Geschichte um den Niedergang des Kali-Bergbaus in Thüringen und das Schicksal der Bischofferöder Grube.
Das noch einmal zu sehen ging nah und hat geschmerzt, erzählt Jüttemann. Die Gefühle von damals sind nicht weit, die Wut, die Trauer, das Unverständnis. Bischofferode hätte nicht sterben müssen. Unsere Lagerstätten hätten noch gut und gerne 30 oder 40 Jahre gereicht und hochqualitatives Kali-Salz geliefert. Aber das wurde schlecht geredet. Wir sollten weg vom Markt, weil wir die falschen Leute beliefert haben., erzählt Jüttemann. Am Ende wurden 13.000 Tonnen Salz aus der Erde geholt, jeden Tag. Nach guten 80 Jahren Arbeit unter Tage kamen in den Stollen mehr Kilometer zusammen, als die Straßen der Stadt Leipzig zusammengenommen. Und dann war mit einem mal Schluss.
25 Jahre lang war Jüttemann Kumpel. Einer von vielen. Er war Gewerkschafter und später Bundestagsabgeordneter. Heute steht er dem Bergmannsverein in Bischofferode vor. Man hat ein kleines Museum eingerichtet. Unter Tage arbeiten konnte man nicht mehr, aber die Tradition, die wollte man sich nicht nehmen lassen. Irgendwann, da waren sich die alten Kumpel sicher, würde hier wieder Salz gefördert werden.
Und wie es aussieht, werden sie jetzt, nach über drei Jahrzehnten, recht behalten. Zwei Probebohrungen werden dieser Tage ihm Ohmgebirge durchgeführt, nur einen Steinwurf von Bischofferode entfernt. Die neu gegründete Firma Südharz Kali will wieder ran an die Schätze. Das Salz ist als Dünger begehrt. Der Bergbau im Südharz, er könnte sich wieder lohnen. Die Geologen der Firma zumindest sind sich ihrer Sache ziemlich sicher, schließlich wusste man immer um die Lagerstätten.
Und dennoch holt man seit sechs Wochen Gesteinsproben aus der Tiefe, anstatt gleich drauf los zu buddeln. Über 660 Meter dringt der Bohrer in die Erde vor, holt einen Kern um den anderen an die Oberfläche. Angesichts der geplanten Investitionen muss das sein, erklärt Babette Winter, die seit kurzem für Südharz Kali unterwegs ist und den Pressetermin zu Beginn der Woche begleitet. Das Problem ist, dass niemand weiß was aus den alten Bohrkernen geworden ist. Alles was uns vorliegt, sind Daten auf Papier und die müssen wir mit der Realität abgleichen., sagt Winter.
Begehrter Rohstoff aus über 600 Metern Tiefe - Babette Winter zeigt das Kali-Salz dass der Bohrer nach oben geholt hat (Foto: agl)
Die ersten Ergebnisse sehen gut aus. Knappe 10 Meter ist die Kali-Schicht mächtig. Darüber liegt Deckanhydrit, darunter Steinsalz. Alles wie erwartet. Absolute Sicherheit werden aber erst die chemischen Analysen bringen. Fallen die wie gewünscht aus, wird man in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit eine neue Grube aufmachen, um wieder Kalisalz fördern zu können. Der Rohstoff wird für die Düngemittelherstellung benötigt und wir sind der Ansicht, dass man den nicht erst um den halben Globus transportieren muss, erklärt Winter. Andere Lagerstätten liegen weiter im Osten Europas, in Weißrussland und dem Ural. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen macht eine Ansiedlung vor Ort noch einmal mehr Sinn, als bisher.
Warum aber nicht die alten Bergwerke reaktivieren? So einfach wie das klingen mag, ist die Sache leider nicht. Die Grube bei Bischofferode etwa wurde geflutet. Bei Sollstedt werden die alten Schächte zur Lagerung von Abfallstoffen genutzt und andernorts wurden weite Teile der weitläufigen Anlagen verfüllt. Deswegen müsste man im Ohmgebirge wohl zwei neue Schächte in die Tiefe treiben.
Wo genau, dass steht noch nicht fest. Schließlich heißt die Hauptaufgabe erst einmal Exploration. Wenn ein neues Bergwerk aus der Taufe gehoben würde, dann sollte dieses auch anders funktionieren als die Vorgänger, die bis heute deutliche Spuren in der Landschaft hinterlassen haben. Es soll keine dauerhaften Halden geben und auch die Probleme mit der ätzenden Lauge sollen dank moderner Bergwerkstechnik der Vergangenheit angehören.
Ob und wie das klappen kann, muss die Firma noch unter Beweis stellen, aber bis die erste Fuhre aus der Tiefe geholt wird, dürften noch ein paar Jahre ins Land gehen. Bisher habe man nur positives Feedback erhalten, meint Winter, aber das Projekt sei auch noch in einer Frühphase. Die alten Kumpel wie Gerhard Jüttemann jedenfalls sind froh, dass sie am Ende recht behalten werden und das es für den Südharz wieder Arbeitsplätze im Bergbau geben wird.
Angelo Glashagel
Autor: redGerhard Jüttemann sitzt im Weimarer Theater. Ministerpräsident Ramelow hat ihn eingeladen, man kennt sich. Es ist vor allem anderen das, was sich da auf der Bühne abspielt, dass die beiden miteinander verbindet. Auf dem Programm steht das Treuhand-Drama, die noch immer junge Geschichte um den Niedergang des Kali-Bergbaus in Thüringen und das Schicksal der Bischofferöder Grube.
Das noch einmal zu sehen ging nah und hat geschmerzt, erzählt Jüttemann. Die Gefühle von damals sind nicht weit, die Wut, die Trauer, das Unverständnis. Bischofferode hätte nicht sterben müssen. Unsere Lagerstätten hätten noch gut und gerne 30 oder 40 Jahre gereicht und hochqualitatives Kali-Salz geliefert. Aber das wurde schlecht geredet. Wir sollten weg vom Markt, weil wir die falschen Leute beliefert haben., erzählt Jüttemann. Am Ende wurden 13.000 Tonnen Salz aus der Erde geholt, jeden Tag. Nach guten 80 Jahren Arbeit unter Tage kamen in den Stollen mehr Kilometer zusammen, als die Straßen der Stadt Leipzig zusammengenommen. Und dann war mit einem mal Schluss.
25 Jahre lang war Jüttemann Kumpel. Einer von vielen. Er war Gewerkschafter und später Bundestagsabgeordneter. Heute steht er dem Bergmannsverein in Bischofferode vor. Man hat ein kleines Museum eingerichtet. Unter Tage arbeiten konnte man nicht mehr, aber die Tradition, die wollte man sich nicht nehmen lassen. Irgendwann, da waren sich die alten Kumpel sicher, würde hier wieder Salz gefördert werden.
Und wie es aussieht, werden sie jetzt, nach über drei Jahrzehnten, recht behalten. Zwei Probebohrungen werden dieser Tage ihm Ohmgebirge durchgeführt, nur einen Steinwurf von Bischofferode entfernt. Die neu gegründete Firma Südharz Kali will wieder ran an die Schätze. Das Salz ist als Dünger begehrt. Der Bergbau im Südharz, er könnte sich wieder lohnen. Die Geologen der Firma zumindest sind sich ihrer Sache ziemlich sicher, schließlich wusste man immer um die Lagerstätten.
Und dennoch holt man seit sechs Wochen Gesteinsproben aus der Tiefe, anstatt gleich drauf los zu buddeln. Über 660 Meter dringt der Bohrer in die Erde vor, holt einen Kern um den anderen an die Oberfläche. Angesichts der geplanten Investitionen muss das sein, erklärt Babette Winter, die seit kurzem für Südharz Kali unterwegs ist und den Pressetermin zu Beginn der Woche begleitet. Das Problem ist, dass niemand weiß was aus den alten Bohrkernen geworden ist. Alles was uns vorliegt, sind Daten auf Papier und die müssen wir mit der Realität abgleichen., sagt Winter.
Begehrter Rohstoff aus über 600 Metern Tiefe - Babette Winter zeigt das Kali-Salz dass der Bohrer nach oben geholt hat (Foto: agl)
Die ersten Ergebnisse sehen gut aus. Knappe 10 Meter ist die Kali-Schicht mächtig. Darüber liegt Deckanhydrit, darunter Steinsalz. Alles wie erwartet. Absolute Sicherheit werden aber erst die chemischen Analysen bringen. Fallen die wie gewünscht aus, wird man in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit eine neue Grube aufmachen, um wieder Kalisalz fördern zu können. Der Rohstoff wird für die Düngemittelherstellung benötigt und wir sind der Ansicht, dass man den nicht erst um den halben Globus transportieren muss, erklärt Winter. Andere Lagerstätten liegen weiter im Osten Europas, in Weißrussland und dem Ural. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen macht eine Ansiedlung vor Ort noch einmal mehr Sinn, als bisher.
Warum aber nicht die alten Bergwerke reaktivieren? So einfach wie das klingen mag, ist die Sache leider nicht. Die Grube bei Bischofferode etwa wurde geflutet. Bei Sollstedt werden die alten Schächte zur Lagerung von Abfallstoffen genutzt und andernorts wurden weite Teile der weitläufigen Anlagen verfüllt. Deswegen müsste man im Ohmgebirge wohl zwei neue Schächte in die Tiefe treiben.
Wo genau, dass steht noch nicht fest. Schließlich heißt die Hauptaufgabe erst einmal Exploration. Wenn ein neues Bergwerk aus der Taufe gehoben würde, dann sollte dieses auch anders funktionieren als die Vorgänger, die bis heute deutliche Spuren in der Landschaft hinterlassen haben. Es soll keine dauerhaften Halden geben und auch die Probleme mit der ätzenden Lauge sollen dank moderner Bergwerkstechnik der Vergangenheit angehören.
Ob und wie das klappen kann, muss die Firma noch unter Beweis stellen, aber bis die erste Fuhre aus der Tiefe geholt wird, dürften noch ein paar Jahre ins Land gehen. Bisher habe man nur positives Feedback erhalten, meint Winter, aber das Projekt sei auch noch in einer Frühphase. Die alten Kumpel wie Gerhard Jüttemann jedenfalls sind froh, dass sie am Ende recht behalten werden und das es für den Südharz wieder Arbeitsplätze im Bergbau geben wird.
Angelo Glashagel









