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Neustart im Tourismus

Mit Genuss aus der Krise

Montag, 07. März 2022, 16:51 Uhr
Die letzten beiden Jahre waren keine leichten für den Tourismus der Region. Einem Achtungserfolg in 2019 folgte der Corona-Crash. Der Tourismusverband Südharz-Kyffhäuser will jetzt den Neustart wagen und ist dabei vorsichtig optimistisch - viel schlechter als das vergangene Jahr kann es gar nicht werden…

Gäste mit Genuss und Gutscheinen locken - Marco Wohlenberg stellte heute in der Traditionsbrennerei die geplanten Aktionen des Tourismusverbandes Südharz-Kyffhäuser vor (Foto: agl) Gäste mit Genuss und Gutscheinen locken - Marco Wohlenberg stellte heute in der Traditionsbrennerei die geplanten Aktionen des Tourismusverbandes Südharz-Kyffhäuser vor (Foto: agl)


Es ist wieder Leben in der Traditionsbrennerei, erzählt Museumsleiter Thomas Müller, in den letzten zwei Wochen hat man eine deutlich Zunahme der Anfragen zu verzeichnen und just in dieser Woche führte man erstmals wieder über 30 Personen durch das Haus und das nicht als von langer Hand geplante Gruppenführung, sondern im Rahmen des üblichen Museumsangebotes. Es geht bergauf, langsam.

„Es ist besser als letztes Jahr, das ist aber auch nicht schwer“, sagt Müller. In den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres war schlicht alles "dicht". Der Saisonstart rund um die traditionell besucherstarken Feiertage Ostern und Himmelfahrt entfiel komplett. Nachdem 2019 ein zufriedenstellendes Jahr mit guten Besucherzahlen war, habe man in den zwei vergangenen Jahren einiges an Kraft eingebüsst, weiß auch Marco Wohlenberg zu berichten. Vor allem unter den Gastronomen mussten einige das Handtuch werfen, insgesamt sei die Region und ihre touristischen „Leistungsträger“ aber mit ein paar Blessuren davongekommen.

Gäste gesucht
Wohlenberg und Müller engagieren sich beide für den Tourismus in der Region, Wohlenberg als direkter Ansprechpartner für den Tourismusverband Südharz-Kyffhäuser, Museumsleiter Müller als Vorsitzender des Marketingbeirates. Man kennt die Lage der 112 Verbandsmitglieder, zum Teil auch aus eigener Erfahrung.

Unter denen herrscht nun vorsichtiger Optimismus und der Verband plant, den Neustart mit seinen Mitteln zu flankieren. Erste Station: Nürnberg. Hier findet dieser Tage die „Freizeitmesse“ mit 350 Ausstellern statt. Die Südharzer gedenken mit ihren drei Hauptattraktionen beim Publikum zu punkten - dem Harz, der Dampflok und dem Kyffhäuser-Denkmal. Dass man dafür zuerst nach Franken zieht, kommt nicht von ungefähr sondern ist das Ergebnis einer Umfrage unter den Verbandsmitgliedern, die ihre „Quellmärkte“ angeben sollten. Demnach kommen die Gäste, die es in die Region zieht, vor allem aus Bayern, Sachsen, Berlin und Brandenburg sowie aus dem Ruhrgebiet rund um Bochum und Essen.

Entsprechend plane man die Aktionen außerhalb der Region, sagt Wohlenberg. „Die Reiselust ist wieder im kommen und die soll befriedigt werden. Unsere Region ist da keine Unbekannte, der Harz gehört zu den Top 5 Destinationen im Land und davon wollen auch wir profitieren“. Wandern, Radfahren und den Urlaub aktiv verbringen, außerdem E-Bikes und „Caravaning“ - dass sind die Trends bei denen man mitbieten kann ohne sich verstecken zu müssen.

Lockmittel, druckfrisch
Als „Lockmittel“ und Material für die Messebesuche, Veranstaltungen und Touristinformationen haben die Touristiker außerdem ein ganze Reihe an Gutscheinen in einem Heft zusammengefasst, die den Interessenten die Reise schmackhaft machen soll. Insgesamt 30 Angebote vereinen sich in dem Heft, teilweise mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. Das Kalkül dabei sei, dass die Hälfte der Arbeit dann erreicht ist, wenn man die Leute erst einmal in der Region hat, erklärt Wohlenberg. 2.500 Exemplare hat man drucken lassen und vom ermäßigtem Eintritt in der Traditionsbrennerei oder der Modellbahnlandschaft in Wiehe bis zum Grillpaket der Landfleischerei sollte wirklich für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Mit Genuss durch die Region
Zu guter Letzt will man Gästen wie Einheimischen auch vor Ort etwas besonderes bieten. Deswegen wird es Mitte Mai, pünktlich zum „Bundeswandertag“ am 14.5., eine erste „Genusstour“ im Südharz geben. Vom Nordhäuser Rathaus aus geht es per Bus zur Unter-Tage-Führung im Rabensteiner Stollen. Wieder am Tageslicht angekommen geht es weiter in Richtung Sophienhof zum Schlemmerschmaus im „Braunen Hirsch“. Damit der Braten danach nicht zu schwer im Magen liegt, wird der Tag mit einem sicherlich verdauungsfördernden Besuch der Traditionsbrennerei samt Verkostung abgerundet. Die „Reiseleitung“ übernimmt niemand Geringeres als Winfried Schmitt in seiner Rolle als „Professor Zwanziger“.

„Wir sind eine breit gefächerte Region und wir haben nach Angeboten gesucht, die sich an alle richten können, auch an die Einheimischen“, erklärt Wohlenberg. Nicht jeder im Kyffhäuser kennt etwa Sophienhof oder den Rabensteiner Stollen und nicht jeder Nordhäuser wird schon einmal die Barbarossa-Höhle oder die "Goethe Chocolaterie" besucht haben. Außerdem sind Gruppenreisen „im kommen“ und das gemeinschaftliche Erleben rückt wieder stärker in den Vordergrund. Die „Genusstour“ soll ein erster Test sein. Kommen mindestens zwanzig Interessierte zusammen, kann der Bus abfahren. Findet die Idee Anklang, hat man bereits sieben weitere Touren im Hinterkopf, die man zwischen Südharz und Kyffhäuser anbieten könnte. Allerdings hat der Spaß auch seinen Preis: pro Person wird die erste Tagestour 85 Euro kosten. Reservierungen könne per E-Mail an den Tourismusverband unter info@region-suedharz-kyfhaeuser.de vorgenommen werden.

Auf dem Weg nach oben
Mit diesen Angeboten hofft man im Verband einen ersten Schritt zurück zu den Höhen von 2019 zu machen. Doch ehe man die wieder erreicht, könnte noch einige Zeit ins Land gehen, vermutet Müller. „Wir erleben einen klaren Aufschwung, aber wir sind nicht an den Marken dran, an denen wir mal waren. Das neue Jahr wird nicht gleich ein Rekordjahr werden, ein paar Jahre wird’s schon dauern“, sagt der Museumsleiter.

Auch im eigenen Haus will man derweil dafür sorgen, dass der Neustart gelingt. Den ersten Aufschlag will die Traditionsbrennerei pünktlich zum Osterfest machen. Ein Hofmarkt mit allem drum und dran soll dann die Besucher locken und wenn man nach den Erfahrungen der letzten (Vor-Corona) Jahre geht und das Wetter mitspielt, dann dürfte das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gelingen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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