Landwirte und Ministerin trafen sich in Ebeleben
Wenig Konsens in der Runde
Freitag, 25. März 2022, 12:28 Uhr
In einer Diskussionsrunde während der gestrige Landwirtschaftskonferenz des Kyffhäuserkreises gab es von Seiten der Landwirte wenig Verständnis für die Entscheidungen der Politik. Besonders die neue Vier-Prozent-Regel stieß auf Unmut …
Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskji (Die Linke) bei der Landwirtschaftskonferenz in Ebeleben (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gestern besuchte die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskji (Die Linke), die Landwirtschaftskonferenz des Bauernverbands Kyffhäuserkreis. Ausgerichtet hatte die Veranstaltung in der Gemia Kantine in Ebeleben, die Landrätin des Kyffhäuserkreises Antje Hochwind-Schneider.
An die 50 Landwirtinnen und Landwirte hatten sich zu den Themen Argrarpolitik, Infrastruktur im ländlichen Raum und Klimaschutz zusammengefunden.
Eingehend begrüßte die Landrätin die Anwesenden und informierte sie über die aktuellen Themen im Kyffhäuserkreis. Die steigenden Coronazahlen, die Unterbringung der Geflüchteten aus der Ukraine und der Mangel an Auszubildenen wären momentan zu bewältigen, so die Landrätin Antje Hochwind-Schneider.
Der Vorsitzende des Kyffhäuser Bauernverbandes Dr. Wolfgang Peter äußerte sich zu der extrem angespannten, politischen Situation in Europa, die sich durch das Kriegsgeschehen in der Ukraine auf die gesamte Weltwirtschaft auswirkt und noch weiter wirken wird. Er mahnte an, dass die explosionsartig gestiegenen Energiepreise sich schon jetzt auf die Betriebs- und Produktiobspreise niederschlagen.
In diesem Jahr ist die Saat ausgebracht und die Düngermittel sind vorrätig. Wie sich aber diese große Krise auf die nächste Ernte auswirken wird ist noch nicht abzusehen. Wo sollen die Düngermittel, die bislang aus Weissrussland importiert wurden, zukünftig herkommen?", fragte Dr. Peter in die Runde.
Im Jahr 2021 nahmen die belarussischen Lieferungen von Agrarprodukten und Lebensmitteln an Deutschland um fast 80 Prozent zu, die von Maschinen und Ausrüstungen um über 50 Prozent.
Die EU Kommission hat über die Köpfe der Bauern hinweg beschlossen, dass vier Prozent der Ackerfläche in ganz Europa nicht mehr beackert werden darf. Ab Herbst dieses Jahres darf nicht mehr eingesät werden, um EU-Direktzahlungen zu erhalten. Die soll mit einer sogenannten Einkommensgrundstützung kompensiert werden. Dabei bedacht wurde nicht, dass sich der Ertrag durch die Kürzung der Ackerflächen verringert und die Unterstützung dadurch sinnlos erscheint.
Die Ministerin beteuerte ihre Sympathie für die Belange der Landwirte, konnte ihnen aber keine erhoffte Lösung ihrer Probleme anbieten. Auf die Frage aus dem Publikum, wie mit den Schwarzbrachen umzugehen sei, gab es seitens der Ministerin keine fundierte Auskunft.
Schwarzbrachen sind Flächen die der Selbstbegrünung überlassen werden und Raum für Tiere bieten sollen. Doch was passiert, wenn die Brachen überhaupt nicht gepflegt und der Verwilderung preisgegeben werden? Auch diese Frage konnte in der Konferenz nicht geklärt werden.
Ein weiteres Problem entsteht bei der im Thüringer Becken wirtschaftsrelevanten Gerste. Unterschieden wird hier in Winter- und Sommergerste. Die Wintergerste wird vermehrt als Futtermittel, die Sommergerste als Braugerste verwendet.
Die neue Argrarreform verpflichtet nun zu einer Zwischenfruchtpflanzung. Dazu gehört zum Beispiel die Senfpflanze. Diese muss in der Zeit zwischen der Winter- und Sommergerste gepflanzt werden, dies soll zum Humusaufbau beitragen. Da der Acker jedoch bis zum Februar abfrieren muss, hat der Landwirt kaum noch die Chance, seine Sommergerste zu säen. Darüberhinaus entsteht ein Wasser- und Energieverlust durch ein weiteres Umpflügen. Denn jeder Eingriff im den Boden verbraucht mehr Ressourcen. Somit erfüllt die neue Argrarreform zur Zwischenfrucht nicht den gewollten Nutzen für das Ökosystem.
Ein weiteres Thema war der Rückgang der Fleischproduktion in Deutschland, die nichts mit dem Rückgang des Komsumverhaltens der Bevölkerung zu tun hat, vielmehr ist das Problem ein hausgemachtes. Kleine Schweinemastbetriebe können mit den Dumpingpreisen der Großbetriebe nicht standhalten. Massenproduktion ist für den Weltmarkt lukrativer und das Tierwohl bleibt in der Schweinemast oftmals hintendran.
Dr. Wolfgang Peter bemängelte den deutschen Strategieplan:
Der Strategieplan zeigt lediglich Ziele auf. Ein strategisches Denken und ein Plan zur Umsetzung der geforderten Maßnahme liegt nicht vor. Das führt zu großen Verunsicherungen unter den Landwirtinnen und Landwirten." Die Ministerin stimmte dem Vorsitzenden des Bauernverbandes zu, dass Strategiepläne für die Landwirtschaft langfristiger gedacht werden müssten.
So ging die Landwirtschaftskonferenz in Ebeleben mit vielen offenen Fragen und mit einem ernüchternden Resultat zu Ende.
Die Landwirte hoffen nun, dass ihre Anliegen bei der Ministerin Gehör gefunden haben und sie sich für ihre Belange einsetzt.
Eva Maria Wiegand
Autor: emw
Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskji (Die Linke) bei der Landwirtschaftskonferenz in Ebeleben (Foto: Eva Maria Wiegand)
Gestern besuchte die Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Susanna Karawanskji (Die Linke), die Landwirtschaftskonferenz des Bauernverbands Kyffhäuserkreis. Ausgerichtet hatte die Veranstaltung in der Gemia Kantine in Ebeleben, die Landrätin des Kyffhäuserkreises Antje Hochwind-Schneider.
An die 50 Landwirtinnen und Landwirte hatten sich zu den Themen Argrarpolitik, Infrastruktur im ländlichen Raum und Klimaschutz zusammengefunden.
Eingehend begrüßte die Landrätin die Anwesenden und informierte sie über die aktuellen Themen im Kyffhäuserkreis. Die steigenden Coronazahlen, die Unterbringung der Geflüchteten aus der Ukraine und der Mangel an Auszubildenen wären momentan zu bewältigen, so die Landrätin Antje Hochwind-Schneider.
Der Vorsitzende des Kyffhäuser Bauernverbandes Dr. Wolfgang Peter äußerte sich zu der extrem angespannten, politischen Situation in Europa, die sich durch das Kriegsgeschehen in der Ukraine auf die gesamte Weltwirtschaft auswirkt und noch weiter wirken wird. Er mahnte an, dass die explosionsartig gestiegenen Energiepreise sich schon jetzt auf die Betriebs- und Produktiobspreise niederschlagen.
In diesem Jahr ist die Saat ausgebracht und die Düngermittel sind vorrätig. Wie sich aber diese große Krise auf die nächste Ernte auswirken wird ist noch nicht abzusehen. Wo sollen die Düngermittel, die bislang aus Weissrussland importiert wurden, zukünftig herkommen?", fragte Dr. Peter in die Runde.
Im Jahr 2021 nahmen die belarussischen Lieferungen von Agrarprodukten und Lebensmitteln an Deutschland um fast 80 Prozent zu, die von Maschinen und Ausrüstungen um über 50 Prozent.
Die EU Kommission hat über die Köpfe der Bauern hinweg beschlossen, dass vier Prozent der Ackerfläche in ganz Europa nicht mehr beackert werden darf. Ab Herbst dieses Jahres darf nicht mehr eingesät werden, um EU-Direktzahlungen zu erhalten. Die soll mit einer sogenannten Einkommensgrundstützung kompensiert werden. Dabei bedacht wurde nicht, dass sich der Ertrag durch die Kürzung der Ackerflächen verringert und die Unterstützung dadurch sinnlos erscheint.
Die Ministerin beteuerte ihre Sympathie für die Belange der Landwirte, konnte ihnen aber keine erhoffte Lösung ihrer Probleme anbieten. Auf die Frage aus dem Publikum, wie mit den Schwarzbrachen umzugehen sei, gab es seitens der Ministerin keine fundierte Auskunft.
Schwarzbrachen sind Flächen die der Selbstbegrünung überlassen werden und Raum für Tiere bieten sollen. Doch was passiert, wenn die Brachen überhaupt nicht gepflegt und der Verwilderung preisgegeben werden? Auch diese Frage konnte in der Konferenz nicht geklärt werden.
Ein weiteres Problem entsteht bei der im Thüringer Becken wirtschaftsrelevanten Gerste. Unterschieden wird hier in Winter- und Sommergerste. Die Wintergerste wird vermehrt als Futtermittel, die Sommergerste als Braugerste verwendet.
Die neue Argrarreform verpflichtet nun zu einer Zwischenfruchtpflanzung. Dazu gehört zum Beispiel die Senfpflanze. Diese muss in der Zeit zwischen der Winter- und Sommergerste gepflanzt werden, dies soll zum Humusaufbau beitragen. Da der Acker jedoch bis zum Februar abfrieren muss, hat der Landwirt kaum noch die Chance, seine Sommergerste zu säen. Darüberhinaus entsteht ein Wasser- und Energieverlust durch ein weiteres Umpflügen. Denn jeder Eingriff im den Boden verbraucht mehr Ressourcen. Somit erfüllt die neue Argrarreform zur Zwischenfrucht nicht den gewollten Nutzen für das Ökosystem.
Ein weiteres Thema war der Rückgang der Fleischproduktion in Deutschland, die nichts mit dem Rückgang des Komsumverhaltens der Bevölkerung zu tun hat, vielmehr ist das Problem ein hausgemachtes. Kleine Schweinemastbetriebe können mit den Dumpingpreisen der Großbetriebe nicht standhalten. Massenproduktion ist für den Weltmarkt lukrativer und das Tierwohl bleibt in der Schweinemast oftmals hintendran.
Dr. Wolfgang Peter bemängelte den deutschen Strategieplan:
Der Strategieplan zeigt lediglich Ziele auf. Ein strategisches Denken und ein Plan zur Umsetzung der geforderten Maßnahme liegt nicht vor. Das führt zu großen Verunsicherungen unter den Landwirtinnen und Landwirten." Die Ministerin stimmte dem Vorsitzenden des Bauernverbandes zu, dass Strategiepläne für die Landwirtschaft langfristiger gedacht werden müssten.
So ging die Landwirtschaftskonferenz in Ebeleben mit vielen offenen Fragen und mit einem ernüchternden Resultat zu Ende.
Die Landwirte hoffen nun, dass ihre Anliegen bei der Ministerin Gehör gefunden haben und sie sich für ihre Belange einsetzt.
Eva Maria Wiegand


