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FERNSEHEN UND RADIO EINFACH

Heute: DVB

Freitag, 03. Januar 2025, 13:13 Uhr
Die Technik im Bereich Rundfunk und Fernsehen ist viel schnelllebiger geworden. Eine der Auswirkungen ist: Lisa und Otto Normalverbraucher können die Veränderungen nicht mehr richtig einordnen oder gar verstehen. Die nnz will in einer losen Reihenfolge versuchen, Ihnen leichtverständlich zu erklären, was Sie beachten müssen und was Sie beachten können. Wir wollen versuchen, ohne „Fachchinesisch“ auszukommen...


Die Technik im Bereich Rundfunk und Fernsehen ist viel schnelllebiger geworden. Eine der Auswirkungen ist: Lisa und Otto Normalverbraucher können die Veränderungen nicht mehr richtig einordnen oder gar verstehen. Die nnz will in einer losen Reihenfolge versuchen, Ihnen leichtverständlich zu erklären, was Sie beachten müssen und was Sie beachten können. Wir wollen versuchen, ohne „Fachchinesisch“ auszukommen...

DVB ist die Abkürzung für eine Software, die es erlaubt, Video- und Audiosignale digital zu senden. Die wörtliche Übersetzung für Digital Video Broadcasting ist Digitaler Video Rundfunk und damit doppelt missverständlich. „Rundfunken“ tut in einer Software gar nichts und zu jedem Fernsehsignal gehören mindestens auch 2 Tonkanäle, die die Software auch schwierigkeitslos verarbeitet. Zudem werden, zum Beispiel in Berlin, Radioprogramme „huckepack“ zu den DVB-T-Fernsehsendern übertragen.

DVB gibt es zurzeit in 4 Varianten
  • DVB-C für die Anwendung im Kabelfernsehen (C für Cables).
  • DVB-S für die Anwendung via Satellit
  • DVB-T für die Anwendung über die gewohnten Fernsehsender
  • DVB-T2 für die bessere Anwendung über die gewohnten Fernsehsender
Die Übersetzung der Abkürzungen hat schon lustige und traurige Missverständnisse ergeben. Für DVB-T2 wurde auf Wikipedia die Erklärung „erdgebundenes Antennenfernsehen“ angeboten. „Erdgebunden“ war der Rundfunk nur in der „guten, alten“ AM(Amplitudenmodulation)-Zeit, besonders auf Mittel- und Langwelle.

Damals verabschiedeten sich spätabends noch die Sender etwa mit: „Eine gute Nacht und vergessen Sie nicht, die Antenne zu erden.“ Es gab dafür meistens in Fensterbank oder -rahmen einen speziellen Schalter mit einer Aufsehen erregenden Grobfunkenstrecke und nur ein einziges Nachtprogramm. Alle anderen Sender wurden nachts ausgeschaltet und der Spaß kostete nach 1945 ganze 2 D-Mark, später auch nur 2 Aluchips im Osten. Als Anfang der 1950-er Jahre UKW aufkam, waren für den Blitzschutz andere Maßnahmen nötig. Die meisten Sender liefen nachts durch. Allerdings mit dem gleichen Musikprogramm und unterschiedlichen Nachrichtensprechern und -redaktionen. Weil Rundfunk ja Ländersache ist.

Um DVB-T gab es viele Verwirrungen. Auch im Ausland wurde die Norm mehrfach angepasst. Einige Zeit verwendeten die (Aus-, nicht die Bundes-)Länder unterschiedliche Modifikationen, sodass es nicht möglich war, terrestrisch über die Ländergrenzen zu gucken. Erst die Umstellung auf DVB-T2 brachte eine deutliche Verbesserung und zumindest in Dänemark und Schweden die Möglichkeit, mit einem deutschen Gerät die örtlichen TV-Programme zu nutzen. Sie werden übrigens in Dänemark über eine 2. Glasfaserleitung angeboten, womit die erste Glasfaserleitung für das Internet frei bleibt.

DVB-T2 ermöglicht zurzeit die beste HD-Bildqualität. Leider ist DVB-T2 nicht abwärts kompatibel und DVB-T war nicht aufwärts kompatibel. Das führte dazu, dass man zumindest Zusatzgeräte kaufen musste, als DVB-T2 deutschlandweit eingeführt wurde.

Bild- und Tonqualität sind bestens und der Empfang häufig mit geringem Antennenaufwand möglich. In weiten Teilen der „neuen“ Bundesländer allerdings nur noch in den inzwischen überversorgten Ballungszentren. Die Sender Inselsberg, Brocken, Wittenberg und Löbau beenden zum 15.Januar die Abstrahlung. Die Lüge von der Reichweitenschwäche dieser Sender wird auch am 02.01.2025 in den Statements der mdr-Homepage aufrechterhalten.

Wer auch nur etwas Ahnung von der Reichweite von Sendern und der geografischen Topologie hat, der weiß, dass es sich hierbei um eine Lüge handelt. Dass im Versorgungsgebiet des Brocken 5 Stadtsender das jeweilige Ballungsgebiet versorgen, z.T. mit doppelt so hohen Strahlungsleistungen (Magdeburg) als der Brocken noch hat, ist unverständlich. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass nicht ein einziger „Westsender“ abgeschaltet wird. In Göttingen gönnt man sich zum Beispiel gleich 2 Stadtsender mit den gleichen Programmen und jeweils 25 bis 50 kW Strahlungsleistung.

Diese Handlungsweise ist bundesweit verbreitet und hat nichts mit Umweltschutz und Energiesparen zu tun.

Die KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs) hat es versäumt, 1990 den Rundfunkstaatsvertrag den neuen Gegebenheiten anzupassen bzw. anpassen zu lassen. Eine Überarbeitung der Senderstandorte entsprechend der geografischen Gegebenheiten wurde verpasst und statt über sinnvolle Einsparungen bei der Verbreitung nachzudenken, wurden nur noch die Gebühren erhöht. Bei sinnvoller Verbreitung wäre DVB-T2 in der Lage, ganz Deutschland mit den derzeitigen Fernsehprogrammen zu versorgen. Für live-TV müssten keine Internetressourcen verschwendet werden. Dass die Internetnutzung für die Mediatheken erforderlich ist, ist bekannt.

Zum Schluss eine Bitte an Diskutierende. Über Programminhalte sollte man in diesem Zusammenhang nicht diskutieren. Das ist eindeutig eine „andere Baustelle“.
Jürgen Wiethoff
Autor: psg

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