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Stausee-Kelbra besser schützen

Welttag der Feuchtgebiete am Stausee

Donnerstag, 30. Januar 2025, 09:23 Uhr
Das Netzwerk Natura 2000-Stationen fordert zum Welttag der Feuchtgebiete einen stärkeren Schutz dieser bedrohten Lebensräume. Im Jahr 2025 trägt der Tag unter dem Leitthema „Feuchtgebiete schützen für unsere gemeinsame Zukunft“ zur Sensibilisierung für den Schutz und Erhalt von Feuchtgebieten bei und betont ihre globale Bedeutung...

Am 2. Februar findet der „Welttag der Feuchtgebiete“ statt, um auf die Bedeutung dieser sensiblen Ökosysteme hinzuweisen. Feuchtgebiete wie Auen, Sümpfe, Seen und Küstenregionen zählen zu den vielseitigsten Lebensräumen der Erde. Sie sind essenziell für den Wasserkreislauf, die Biodiversität und den Klimaschutz. Gleichzeitig sind sie eines der am stärksten bedrohten Ökosysteme weltweit. Der Verlust schreitet alarmierend schnell voran – seit 1970 sind mehr als 35 % der Feuchtgebiete verschwunden.

Wichtiger Lebensraum für Zugvögel und seltene Arten
Ein beeindruckendes Beispiel für die ökologische und gesellschaftliche Bedeutung solcher Gebiete ist der Helmestausee Berga-Kelbra. Das 1978 ausgewiesene Ramsar-Gebiet erstreckt sich über die Landesgrenzen von Sachsen-Anhalt und Thüringen und umfasst eine Fläche von etwa 600 Hektar. Eingebettet in die idyllische Landschaft zwischen Harz und Kyffhäuser, ist der Helmestausee nicht nur ein wichtiger Rückzugsort für bedrohte Arten, sondern auch ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Kombination von Hochwasserschutz, Naturschutz und nachhaltiger Nutzung.1966 als Hochwasserschutzmaßnahme errichtet, hat er sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Lebensräume für Vogelarten in Mitteleuropa entwickelt. Das Gebiet zählt über 300 Vogelarten und ist insbesondere für den Kranichzug von Bedeutung.

Doch nicht nur Zugvögel finden hier ideale Bedingungen. Der Helmestausee ist auch Brutstätte für rund 50 regelmäßig brütende Vogelarten, darunter Weißstorch und Rohrweihe. Besonders beeindruckend ist die Artenvielfalt, die sich auf die wechselnden Wasserstände des Stausees eingestellt hat – von ausgedehnten Schlammflächen im Herbst bis zu einer Verdopplung der Wasserfläche bei Frühjahrsüberschwemmungen.

Verbindung von Naturschutz und Tourismus
Um die ökologische Bedeutung des Gebiets zu unterstreichen, wurde das Gebiet nicht nur als Ramsar-Gebiet, sondern auch als EG-Vogelschutzgebiet „Kyffhäuser – Badraer Schweiz – Helmestausee“ sowie als Bestandteil des FFH-Gebiets (Fauna-Flora-Habitat) „Kyffhäuser - Badraer Schweiz -Solwiesen“ ausgewiesen.

Gleichzeitig hat sich der Helmestausee zu einem beliebten Ziel für Naturliebhaber entwickelt. Vogelbeobachtungstürme rund um den See ermöglichen einzigartige Einblicke in die Welt der Kraniche, die hier während der Herbstrast in beeindruckender Zahl Station machen. Zwischen September und Dezember können hier jährlich bis zu 40.000 Kraniche beobachtet werden, die den Stausee als Rastplatz nutzen, um sich für ihren Weiterflug zu stärken. Dieses außergewöhnliche Naturschauspiel zieht jährlich zahlreiche Besucher an und macht den Stausee zu einem zentralen Anlaufpunkt für Naturtourismus in der Region.

Ein Symbol für die enge Verbindung von Naturschutz und nachhaltigem Tourismus ist der Kranich, das Wappentier der Natura 2000-Station „Südharz / Kyffhäuser“. Um den Helmestausee weiterhin als attraktiven Rast- und Brutplatz zu erhalten, setzt sich die Station in Trägerschaft des Landschaftspflegeverband Südharz / Kyffhäuser e.V. mit verschiedenen Maßnahmen für den Schutz des Gebiets ein.

Arbeit des Natura 2000-Stationsnetzwerks
Viele Feuchtgebiete in der Region sind Teil des europaweiten Natura 2000-Netzwerks und spielen eine Schlüsselrolle für die Biodiversität. Das Netzwerk der Natura 2000-Stationen Thüringens setzt in diesem Zusammenhang wichtige Akzente in der Naturschutzarbeit und fordert anlässlich des Welttages der Feuchtgebiete einen intensiveren Schutz der bedrohten Feuchtgebiete. Konkret verlangt Natura 2000 verstärkte Maßnahmen zur Renaturierung und Sicherung dieser sensiblen Ökosysteme. Dazu gehören unter anderem die Verbesserung des Gewässermanagements, der Schutz der Moorflächen vor Entwässerung sowie die Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken, um die Artenvielfalt in Feuchtgebieten langfristig zu erhalten.

Die Ramsar-Konvention als Basis für internationalen Schutz
Die Grundlage für den Schutz solcher Gebiete bildet die 1971 in Ramsar (Iran) unterzeichnete Ramsar-Konvention. Als erster völkerrechtlicher Vertrag widmet sie sich dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten. Deutschland trat der Konvention 1976 bei und hat seither 34 Ramsar-Gebiete ausgewiesen, darunter den Helmestausee Berga-Kelbra.

Am Welttag der Feuchtgebiete wird daran erinnert, wie wichtig solche Abkommen für die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen sind. Gleichzeitig ist es eine Einladung, die Schönheit und den ökologischen Wert solcher Orte zu entdecken. Der Helmestausee Berga-Kelbra zeigt eindrucksvoll, wie Schutz und nachhaltige Nutzung Hand in Hand gehen können.
Autor: red

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