Leserbrief
Die Ästhetik des Fürsten
Donnerstag, 30. Januar 2025, 10:32 Uhr
Hauptbahnhof Sondershausen, Petersen- Schacht und die ästhetischen Ansichten eines Fürsten. Immer, wenn ich am Sondershäuser Hauptbahnhof stehe und unweit davon den Förderturm des Petersen Schachtes sehe, fällt mir ein, dass beide Objekte doch wichtige Wahrzeichen für unsere Stadt sind...
Der Petersen-Schacht steht für die Sondershausen prägende Kaliindustrie und der Bahnhof ist ja geradezu ein Stadttor. Auch heute kommen hier noch Leute an und fahren auch weg. Darunter sind auch viele ausländische Besucher. Vermutlich Besucher der Thüringer Musikakademie, die ihren Sitz hier hat. Sie kommen einzeln und zum Teil in ganzen Gruppen. Außer dem Trolley, den sie hinter sich herziehen, haben sie oft noch Musikinstrumente dabei. Sie wollen in Sondershausen bei großen Musikern lernen und sich mit anderen Musikern austauschen und wetteifern. Die Musik ist eine Kunst, die mit der Stadt Sondershausen schon einige Jahrhunderte verbunden ist.
Doch jedes Mal, wenn ich selbst mit der Bahn verreise oder auch aus anderen Gründen am Bahnhof bin, beschleichen mich zwiespältige Gedanken. Einerseits ist unser Bahnhof noch ganz ansehnlich, vor allem das Bahnhofsgebäude. Ich habe schon Bahnhöfe gesehen, da sind die Gebäude nur noch Ruinen. Aber andererseits deutet sich auch in Sondershausen Verfall an. Das sieht man besonders am ehemaligen Wasserturm. Die Sauberkeit lässt zu wünschen übrig.
Überall Verpackungen und Plastikflaschen oder auch Kaffeebecher, die einfach achtlos weggeworfen werden, wo man gerade steht, und sei es direkt neben den Müllbehältern. Das zu ändern, kann jeder beitragen. Was weiter auffällt, das Gebäude steht leer, keine Mitropa, kein Fahrkartenschalter oder Gepäckschalter. Nirgendwo ist ein Mitarbeiter der Bahn zu finden. Die Fahrkarten kauft man am Automaten. Informationen, z. B. zu Zugverspätungen laufen über Anzeigetafeln, die aus der Ferne gesteuert werden. Das gilt auch für die Weichen. Dafür gibt es jetzt digitale Stellwerke.
Einmal musste ich auf einem Bahnhof umsteigen, der am Rand eines Gewerbegebietes liegt. Da gab es außer Gleisen, Bahnsteigen und Zäunen entlang der Gleise nichts. In einem solchen Labyrinth beim Umsteigen den richtigen Bahnsteig zu finden, ist eine echte Herausforderung. Da geht es in Sondershausen richtig beschaulich zu. Ich weiß auch, dass das Geld in den Gemeinden, wie beinahe Überall, knapp ist. Aber die Situation an unserem Bahnhof ist ja nicht erst seit gestern so.
Können Stadtverwaltung und Deutsche Bahn hier nicht Lösungen finden? Der Verein Sondershäuser Residenzbahnhof wird auch seinen Beitrag leisten. Aber die Belebung des Bahnhofgebäudes kann nicht ehrenamtlich erfolgen. Es bedarf auch privater Investitionen, z. B. für die Eröffnung von Geschäften oder Gastronomie.
Ich hoffe ehrlich, dass dem Bahnhofgebäude nicht ein ähnliches Schicksal widerfährt, wie dem einstigen Fürstenhof, nur wenige Schritte in Richtung Stadtzentrum gelegen. Der Hauptbahnhof Sondershausen wurde im Jahr 1869 in Betrieb genommen und hat einen wichtigen Beitrag zur Industrialisierung unserer Stadt geleistet. Zu diesem Zeitpunkt hat in Sondershausen Fürst Günther Friedrich Carl II. regiert. Nach seinen Vorstellungen erfolgte der komplette klassizistische Umbau des Schlosskomplexes. Dank dem Wirken seines Architekten, Carl Scheppig, kann Sondershausen noch weitere schöne klassizistisch gestaltete Gebäude vorweisen.
Die Entwicklung des Kalibergbaus in Sondershausen begann um 1890. Zu dieser Zeit regierte Fürst Karl Günther, der Sohn Friedrich Günther Carl II. Der Förderturm des Petersen- Schachtes galt mit Fertigstellung, als eine ingenieurtechnische Meisterleistung und es wird, zurecht, auf Ähnlichkeiten mit dem Pariser Eifelturm verwiesen. Das das so ist, soll der Turm dem Fürsten Karl Günther zu verdanken haben. Er wünschte, und das war Auftrag an die Gestalter, dass nichts die ästhetische Komposition der Residenzstadt störte. Das galt auch für das Schachtgebäude und den Förderturm.
Mittlerweile haben wir die Monarchie und Kleinstaaterei überwunden. Aber diese ästhetische Sichtweise können wir doch weiterleben. Muss Zukunft nur zweckmäßig sein, oder sollte sie auch Schönheit und Harmonie bringen?
Was passiert in dieser Zukunft mit den Menschen? Mehr und mehr werden sie aus den wirtschaftlichen Prozessen herausgedrängt. KI übernimmt. Überall auf dieser Welt werden jetzt große Hallen errichtet. Darin werden immer größere Rechenanlagen mit nahezu unendlicher Rechen- und Speicherkapazität installiert. In einem automatisiertem Hochregallager wird ein Paket zum Versand bereitgestellt. Eine Drohne schwebt heran, übernimmt die Sendung und liefert das Paket bei einem Empfänger an. Dort gibt die Drohne ein Signal an den Rechner des Empfängers. Der hat jetzt alle Daten, die benötigt werden, um alles zu verbuchen, denn der Absenderrechner hat inzwischen Lieferschein und Rechnung an den Empfängerrechner weitergeleitet.
Der Empfängerrechner löst die Bezahlung aus. Geld benötigt er dazu nicht. Rechner bezahlen mit Kryptowährung. Riesige Zahlenkolonnen werden auf den Konten bewegt. Der Mensch? Wird er immer überflüssiger? Wo sind die Philosophen und Psychologen, die uns das beantworten können, die den Menschen auf seine Zukunft vorbereiten?
Der Petersen-Schacht steht für die Sondershausen prägende Kaliindustrie und der Bahnhof ist ja geradezu ein Stadttor. Auch heute kommen hier noch Leute an und fahren auch weg. Darunter sind auch viele ausländische Besucher. Vermutlich Besucher der Thüringer Musikakademie, die ihren Sitz hier hat. Sie kommen einzeln und zum Teil in ganzen Gruppen. Außer dem Trolley, den sie hinter sich herziehen, haben sie oft noch Musikinstrumente dabei. Sie wollen in Sondershausen bei großen Musikern lernen und sich mit anderen Musikern austauschen und wetteifern. Die Musik ist eine Kunst, die mit der Stadt Sondershausen schon einige Jahrhunderte verbunden ist.
Doch jedes Mal, wenn ich selbst mit der Bahn verreise oder auch aus anderen Gründen am Bahnhof bin, beschleichen mich zwiespältige Gedanken. Einerseits ist unser Bahnhof noch ganz ansehnlich, vor allem das Bahnhofsgebäude. Ich habe schon Bahnhöfe gesehen, da sind die Gebäude nur noch Ruinen. Aber andererseits deutet sich auch in Sondershausen Verfall an. Das sieht man besonders am ehemaligen Wasserturm. Die Sauberkeit lässt zu wünschen übrig.
Überall Verpackungen und Plastikflaschen oder auch Kaffeebecher, die einfach achtlos weggeworfen werden, wo man gerade steht, und sei es direkt neben den Müllbehältern. Das zu ändern, kann jeder beitragen. Was weiter auffällt, das Gebäude steht leer, keine Mitropa, kein Fahrkartenschalter oder Gepäckschalter. Nirgendwo ist ein Mitarbeiter der Bahn zu finden. Die Fahrkarten kauft man am Automaten. Informationen, z. B. zu Zugverspätungen laufen über Anzeigetafeln, die aus der Ferne gesteuert werden. Das gilt auch für die Weichen. Dafür gibt es jetzt digitale Stellwerke.
Einmal musste ich auf einem Bahnhof umsteigen, der am Rand eines Gewerbegebietes liegt. Da gab es außer Gleisen, Bahnsteigen und Zäunen entlang der Gleise nichts. In einem solchen Labyrinth beim Umsteigen den richtigen Bahnsteig zu finden, ist eine echte Herausforderung. Da geht es in Sondershausen richtig beschaulich zu. Ich weiß auch, dass das Geld in den Gemeinden, wie beinahe Überall, knapp ist. Aber die Situation an unserem Bahnhof ist ja nicht erst seit gestern so.
Können Stadtverwaltung und Deutsche Bahn hier nicht Lösungen finden? Der Verein Sondershäuser Residenzbahnhof wird auch seinen Beitrag leisten. Aber die Belebung des Bahnhofgebäudes kann nicht ehrenamtlich erfolgen. Es bedarf auch privater Investitionen, z. B. für die Eröffnung von Geschäften oder Gastronomie.
Ich hoffe ehrlich, dass dem Bahnhofgebäude nicht ein ähnliches Schicksal widerfährt, wie dem einstigen Fürstenhof, nur wenige Schritte in Richtung Stadtzentrum gelegen. Der Hauptbahnhof Sondershausen wurde im Jahr 1869 in Betrieb genommen und hat einen wichtigen Beitrag zur Industrialisierung unserer Stadt geleistet. Zu diesem Zeitpunkt hat in Sondershausen Fürst Günther Friedrich Carl II. regiert. Nach seinen Vorstellungen erfolgte der komplette klassizistische Umbau des Schlosskomplexes. Dank dem Wirken seines Architekten, Carl Scheppig, kann Sondershausen noch weitere schöne klassizistisch gestaltete Gebäude vorweisen.
Die Entwicklung des Kalibergbaus in Sondershausen begann um 1890. Zu dieser Zeit regierte Fürst Karl Günther, der Sohn Friedrich Günther Carl II. Der Förderturm des Petersen- Schachtes galt mit Fertigstellung, als eine ingenieurtechnische Meisterleistung und es wird, zurecht, auf Ähnlichkeiten mit dem Pariser Eifelturm verwiesen. Das das so ist, soll der Turm dem Fürsten Karl Günther zu verdanken haben. Er wünschte, und das war Auftrag an die Gestalter, dass nichts die ästhetische Komposition der Residenzstadt störte. Das galt auch für das Schachtgebäude und den Förderturm.
Mittlerweile haben wir die Monarchie und Kleinstaaterei überwunden. Aber diese ästhetische Sichtweise können wir doch weiterleben. Muss Zukunft nur zweckmäßig sein, oder sollte sie auch Schönheit und Harmonie bringen?
Was passiert in dieser Zukunft mit den Menschen? Mehr und mehr werden sie aus den wirtschaftlichen Prozessen herausgedrängt. KI übernimmt. Überall auf dieser Welt werden jetzt große Hallen errichtet. Darin werden immer größere Rechenanlagen mit nahezu unendlicher Rechen- und Speicherkapazität installiert. In einem automatisiertem Hochregallager wird ein Paket zum Versand bereitgestellt. Eine Drohne schwebt heran, übernimmt die Sendung und liefert das Paket bei einem Empfänger an. Dort gibt die Drohne ein Signal an den Rechner des Empfängers. Der hat jetzt alle Daten, die benötigt werden, um alles zu verbuchen, denn der Absenderrechner hat inzwischen Lieferschein und Rechnung an den Empfängerrechner weitergeleitet.
Der Empfängerrechner löst die Bezahlung aus. Geld benötigt er dazu nicht. Rechner bezahlen mit Kryptowährung. Riesige Zahlenkolonnen werden auf den Konten bewegt. Der Mensch? Wird er immer überflüssiger? Wo sind die Philosophen und Psychologen, die uns das beantworten können, die den Menschen auf seine Zukunft vorbereiten?
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: emwDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
