Bericht von Wolfgang Lehmann
Eine Oase des Friedens und der Stille
Dienstag, 08. Juli 2025, 14:52 Uhr
Eine Oase ist er, der Sondershäuser Hauptfriedhof im Brückental. Erste Begräbnisse wurden hier im Jahr 1889 vorgenommen. Seither ist er beständig auf seine heutige Größe angewachsen. Auf dem westlichen Teil des Friedhofes steht eine große und prächtige Blutbuche...
Überhaupt sind hier viele schöne Bäume und Sträucher gewachsen. Insgesamt sollen hier ungefähr 450 Bäume gewachsen sein, darunter vor allem Laubbäume wie die oben genannte Blutbuche, Linden, Kastanienbäume, Birken und Eichen. Weiter gehören etwa 90 Blaufichten zum Bestand. Die Bäume und Sträucher bieten für viele Vogelarten Schutz und Brutplatz. Auch Eichhörnchen huschen hier von Baum zu Baum.
Ich glaube, diese herrliche Blutbuche ist mit dem Friedhof mitgewachsen. Es wäre schön, sich mit ihr unterhalten zu können. Wieviel Begräbnisse, wieviel Leid hat sie wohl schon miterlebt?
Darunter sind leider auch einige Familienmitglieder, Freunde und Bekannte von mir. Jede Woche gehe ich, manchmal sogar zweimal, hierher und besuche das Grab meiner Eltern und meiner Frau. Ich bringe frische Blumen mit und gieße das Grab. Manchmal sitze ich dann hier auf einer Bank im Schatten der großen Bäume und denke an vergangene Zeiten, an gemeinsame Erlebnisse, an Freud und Leid. Wenn ich zum Friedhof gehe, laufe ich zunächst bis zum Markt.
Dort gehe ich dann hinein in den Park und besuche die Schwäne auf dem Großen Parkteich. Da bin ich immer auf dem Laufenden, was dort passiert. Zurzeit brütet gerade wieder ein Schwanenpaar. Während der Brut sind beide immer in der Nähe des Nestes. Sie sitzt auf den Eiern und er schwimmt große Runden um den Parkteich. Ich freue mich schon, den Nachwuchs begrüßen zu können.
Hier in der Unterstadt, nördlich der Wipper hat sich ein kleines Gewerbegebiet Friedhof entwickelt. Eigentlich findet man hier alles, was für ein würdevolles Begräbnis notwendig ist, nur ein Restaurant für die der Beerdigung folgende Trauerfeier im engen Kreis fehlt. Auch ein Sondershäuser Buchautor hat diese Kulisse für einige Szenen in seinen Romanen genutzt.
Wer zu Fuß zum Friedhof geht, betritt das Brückental wahrscheinlich durch die kleine Gasse zwischen dem Bestattungsinstitut Pietät Hettler und dem alten ehemaligen Gasthaus Zum schwarzen Bären. Das Gebäude steht an dieser Stelle seit 1580. Heute leider ohne Gastwirtschaft, aber ein erhaltenswertes Fachwerkgebäude mit reichlichen Nebengelass. Ist man in die Gasse hinein gegangen stößt man linkerhand auf die Trauerhalle des Beerdigungsinstituts Hettler, ursprünglich als Steinmetzwerkstatt errichtet.
Der Steinmetzbetrieb Spangenberg und das Beerdigungsinstitut Bodemann sind gegenüber zu finden. Da schließt sich jetzt der Bauhof der Stadt an. Nun geht es den Friedhofsberg hinauf. Da ist linkerhand Sandras Blumenwelt und mehrere Parkflächen für PKW. Auf der Westseite sind die Friedhofsverwaltung und das Krematorium, welches im Jahr 1930 erbaut wurde.
Auf der Wiese bei den Parkplätzen steht eine Figur aus Sandstein. Es handelt sich dabei um das Grabmal der Frau Magdalena Dorothea Faulstich (1709-1770). Die Figur soll eine Personifikation der Religion darstellen. Leider sind die Attribute Kreuz und Bibel nicht mehr erhalten geblieben. Geschaffen wurde dieses Werk vom am Hofe der Sondershäuser Fürsten tätigen Maler und Bildhauer Johann Ludwig Meil (1729 -1772).
Nun betreten wir den Vorplatz zur Trauerhalle. Auch hier stehen mehrere Kunstwerke. Linkerhand finden wir den Lebensbaum, eine Holzskulptur. Leider brechen hier mehr und mehr Äste ab. Schräg gegenüber steht der Stein mit sieben Siegeln. Darin verschlüsselt die Frage Was- Wann-Wie-Weshalb-Woher-Wohin-Wozu? Man steht jetzt vor dem Glockenturm der Trauerhalle. Um die Ecke ist der Eingangsbereich. In dieser Ausführung mit Glockenturm steht die Trauerhalle seit 1971 an dieser Stelle. Beginnend mit der Planung wurden im Jahr 2018 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen begonnen.
Während der Bauzeit von Mai 2020 bis zum Oktober 2022 wurden neben der Verbesserung der äußeren Ansicht auch Halle und Vorplatz barrierefrei gestaltet. Die Fenster wurden ausgetauscht und geben der Trauerhalle jetzt ein helleres Aussehen. Die Elektrik wurde erneuert und die Heizungsanlage umgebaut. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 340.000 Euro.
Geht man nun weiter stößt man rechterhand auf das Kunstobjekt Sicut erat in Principio. Geschaffen wurde es von dem Sondershäuser Künstler Wilhelm Barthels.
Schon oft habe ich vor dem Stein gestanden und über seine Aussage nachgedacht. Der Künstler selbst ordnet sein Werk in die christliche Liturgie ein. Da ich selbst kein christlich geprägter Mensch bin, habe ich eine gute Bekannte und Expertin in Sachen Christentum um Rat gebeten. Nach einem ausgiebigen Chat mit ihr würde ich die Aussage heute etwa so formulieren: Der goldene Punkt im Zentrum verkörpert Gott. Die vom Zentrum ausgehenden Strahlen sind sein Wort und Wirken, dass sich in Raum und Zeit ausbreitet, also allzeit und überall da.
Möglicherweise bin auch ich auf einen dieser Strahlen zu finden, ich weiß nur nicht auf welchem und in welchen Abstand zum Zentrum. Ich hoffe aber, noch einige Zeit im irdischen Leben verweilen zu können.
Nun muss man sich entscheiden, welchen Weg man weiter geht. Ich wähle den Weg durch den Ehrenhain. Hier gedenken wir jährlich zum Volkstrauertag der weltweiten Opfer von Krieg und Gewalt. Nachdem ich den Ehrenhain durchschritten habe, gehe ich ein Stück nach Westen und stoße auf das Lapidarium. Das ist eine Sammlung von erhaltenswerten Grabstätten und Grabsteinen, die von den Angehörigen der Verstorbenen aufgegeben wurden, vor allem von Personen, die für unsere Stadt von Bedeutung sind. Nun gehe ich in Richtung Norden, vorbei an der Blutbuche und erreiche das Grab meiner verstorbenen Eltern und meiner Frau.
Ein Platz bei Ihnen ist noch leer. Hier verweile ich dann und erzähle ihnen, was geschehen ist und was mich bewegt.
Wolfgang Lehmann
Überhaupt sind hier viele schöne Bäume und Sträucher gewachsen. Insgesamt sollen hier ungefähr 450 Bäume gewachsen sein, darunter vor allem Laubbäume wie die oben genannte Blutbuche, Linden, Kastanienbäume, Birken und Eichen. Weiter gehören etwa 90 Blaufichten zum Bestand. Die Bäume und Sträucher bieten für viele Vogelarten Schutz und Brutplatz. Auch Eichhörnchen huschen hier von Baum zu Baum.
Ich glaube, diese herrliche Blutbuche ist mit dem Friedhof mitgewachsen. Es wäre schön, sich mit ihr unterhalten zu können. Wieviel Begräbnisse, wieviel Leid hat sie wohl schon miterlebt?
Darunter sind leider auch einige Familienmitglieder, Freunde und Bekannte von mir. Jede Woche gehe ich, manchmal sogar zweimal, hierher und besuche das Grab meiner Eltern und meiner Frau. Ich bringe frische Blumen mit und gieße das Grab. Manchmal sitze ich dann hier auf einer Bank im Schatten der großen Bäume und denke an vergangene Zeiten, an gemeinsame Erlebnisse, an Freud und Leid. Wenn ich zum Friedhof gehe, laufe ich zunächst bis zum Markt.
Dort gehe ich dann hinein in den Park und besuche die Schwäne auf dem Großen Parkteich. Da bin ich immer auf dem Laufenden, was dort passiert. Zurzeit brütet gerade wieder ein Schwanenpaar. Während der Brut sind beide immer in der Nähe des Nestes. Sie sitzt auf den Eiern und er schwimmt große Runden um den Parkteich. Ich freue mich schon, den Nachwuchs begrüßen zu können.
Hier in der Unterstadt, nördlich der Wipper hat sich ein kleines Gewerbegebiet Friedhof entwickelt. Eigentlich findet man hier alles, was für ein würdevolles Begräbnis notwendig ist, nur ein Restaurant für die der Beerdigung folgende Trauerfeier im engen Kreis fehlt. Auch ein Sondershäuser Buchautor hat diese Kulisse für einige Szenen in seinen Romanen genutzt.
Wer zu Fuß zum Friedhof geht, betritt das Brückental wahrscheinlich durch die kleine Gasse zwischen dem Bestattungsinstitut Pietät Hettler und dem alten ehemaligen Gasthaus Zum schwarzen Bären. Das Gebäude steht an dieser Stelle seit 1580. Heute leider ohne Gastwirtschaft, aber ein erhaltenswertes Fachwerkgebäude mit reichlichen Nebengelass. Ist man in die Gasse hinein gegangen stößt man linkerhand auf die Trauerhalle des Beerdigungsinstituts Hettler, ursprünglich als Steinmetzwerkstatt errichtet.
Der Steinmetzbetrieb Spangenberg und das Beerdigungsinstitut Bodemann sind gegenüber zu finden. Da schließt sich jetzt der Bauhof der Stadt an. Nun geht es den Friedhofsberg hinauf. Da ist linkerhand Sandras Blumenwelt und mehrere Parkflächen für PKW. Auf der Westseite sind die Friedhofsverwaltung und das Krematorium, welches im Jahr 1930 erbaut wurde.
Auf der Wiese bei den Parkplätzen steht eine Figur aus Sandstein. Es handelt sich dabei um das Grabmal der Frau Magdalena Dorothea Faulstich (1709-1770). Die Figur soll eine Personifikation der Religion darstellen. Leider sind die Attribute Kreuz und Bibel nicht mehr erhalten geblieben. Geschaffen wurde dieses Werk vom am Hofe der Sondershäuser Fürsten tätigen Maler und Bildhauer Johann Ludwig Meil (1729 -1772).
Nun betreten wir den Vorplatz zur Trauerhalle. Auch hier stehen mehrere Kunstwerke. Linkerhand finden wir den Lebensbaum, eine Holzskulptur. Leider brechen hier mehr und mehr Äste ab. Schräg gegenüber steht der Stein mit sieben Siegeln. Darin verschlüsselt die Frage Was- Wann-Wie-Weshalb-Woher-Wohin-Wozu? Man steht jetzt vor dem Glockenturm der Trauerhalle. Um die Ecke ist der Eingangsbereich. In dieser Ausführung mit Glockenturm steht die Trauerhalle seit 1971 an dieser Stelle. Beginnend mit der Planung wurden im Jahr 2018 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen begonnen.
Während der Bauzeit von Mai 2020 bis zum Oktober 2022 wurden neben der Verbesserung der äußeren Ansicht auch Halle und Vorplatz barrierefrei gestaltet. Die Fenster wurden ausgetauscht und geben der Trauerhalle jetzt ein helleres Aussehen. Die Elektrik wurde erneuert und die Heizungsanlage umgebaut. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 340.000 Euro.
Geht man nun weiter stößt man rechterhand auf das Kunstobjekt Sicut erat in Principio. Geschaffen wurde es von dem Sondershäuser Künstler Wilhelm Barthels.
Schon oft habe ich vor dem Stein gestanden und über seine Aussage nachgedacht. Der Künstler selbst ordnet sein Werk in die christliche Liturgie ein. Da ich selbst kein christlich geprägter Mensch bin, habe ich eine gute Bekannte und Expertin in Sachen Christentum um Rat gebeten. Nach einem ausgiebigen Chat mit ihr würde ich die Aussage heute etwa so formulieren: Der goldene Punkt im Zentrum verkörpert Gott. Die vom Zentrum ausgehenden Strahlen sind sein Wort und Wirken, dass sich in Raum und Zeit ausbreitet, also allzeit und überall da.
Möglicherweise bin auch ich auf einen dieser Strahlen zu finden, ich weiß nur nicht auf welchem und in welchen Abstand zum Zentrum. Ich hoffe aber, noch einige Zeit im irdischen Leben verweilen zu können.
Nun muss man sich entscheiden, welchen Weg man weiter geht. Ich wähle den Weg durch den Ehrenhain. Hier gedenken wir jährlich zum Volkstrauertag der weltweiten Opfer von Krieg und Gewalt. Nachdem ich den Ehrenhain durchschritten habe, gehe ich ein Stück nach Westen und stoße auf das Lapidarium. Das ist eine Sammlung von erhaltenswerten Grabstätten und Grabsteinen, die von den Angehörigen der Verstorbenen aufgegeben wurden, vor allem von Personen, die für unsere Stadt von Bedeutung sind. Nun gehe ich in Richtung Norden, vorbei an der Blutbuche und erreiche das Grab meiner verstorbenen Eltern und meiner Frau.
Ein Platz bei Ihnen ist noch leer. Hier verweile ich dann und erzähle ihnen, was geschehen ist und was mich bewegt.
Wolfgang Lehmann
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: emwDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.



