kyffhaeuser-nachrichten.de
Wolfsbestand in Deutschland stagniert erstmals

Jagd auf Wölfe ist kein Herdenschutz

Freitag, 14. November 2025, 10:00 Uhr
Der NABU Thüringen sieht die neuen Ergebnisse des offiziellen Wolfsmonitorings als Beleg dafür, dass sich die Wolfspopulation in Deutschland stabilisiert und keineswegs unkontrolliert wächst...



In Thüringen gibt es nur eine Hand voll Wolfsterritorien und trotzdem wird hier von konservativen Kräften die Jagd auf Wölfe gefordert. Der Verband warnt vor den politischen Plänen, den Wolf ins Bundesjagdrecht aufzunehmen – ein Schritt, der aus NABU-Sicht weder notwendig noch zielführend wäre.


„Der Wolf ist, wie auch Umwelt- und Agrarminister immer wieder betonen, Teil Deutschlands und Thüringens. Ein Tier, das nach Jahrhunderten in unsere Landschaft zurückgekehrt ist und hier seinen Platz gefunden hat“, sagt Silvester Tamás vom NABU Thüringen. „Eine Aufnahme ins Jagdrecht wäre eine politische Fehlentscheidung, die uns bei der Akzeptanz und Koexistenz mit dem Wolf um Jahre zurückwerfen könnte.“



Im Monitoringjahr 2024/25 wurden laut DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf) 219 Wolfsrudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere in Deutschland festgestellt – insgesamt demnach 276 Wolfsterritorien. Eine Stagnation zum Vorjahr, in dem 274 Territorien nachgewiesen wurden. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort: Das Wachstum verlangsamt sich deutlich.

Silvester Tamás betont: „Die Zahlen der letzten Jahre zeigen klar: Der Wolfsbestand wächst nicht unbegrenzt weiter, in manchen Regionen ist bereits eine Sättigung zu verzeichnen. Es gibt daher keine Notwendigkeit, eine reguläre Bejagung einzuführen. In Thüringen müssten wir bei den wenigen Wölfen viel mehr auf den Schutz der Tiere setzen. Zudem lernen Wölfe durch Abschüsse nicht, Abstand zu Weidetieren zu halten, das kann nur ein funktionierender Herdenschutz.“

Klar ist: Auch eine Bejagung wird nicht von der grundsätzlichen Notwendigkeit des Herdenschutzes entbinden, wenn das Ziel eine geringere Anzahl an Rissen ist.

Tatsächlich sank 2024 die Zahl der registrierten Nutztierrisse um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, vor allem dank wirksamer Schutzmaßnahmen und engagierter Weidetierhalter*innen. Der NABU fordert daher, Mittel und Unterstützung für Herdenschutz weiter auszubauen, anstatt mit „Scheinlösungen“ wie der Jagd falsche Erwartungen zu wecken.

Besorgt zeigt sich der NABU auch über die alarmierende Zahl illegaler Wolfstötungen: 2025 wurden bislang acht, im Jahr 2024 sogar 16 illegal getötete Wölfe, davon einer in Thüringen gefunden. Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher. „Eine reguläre Bejagung könnte die Hemmschwelle für illegale Abschüsse sogar weiter sinken lassen. Zudem kann die Jagd auf Wölfe den Schutz der Weidetiere unbeherrschbar werden lassen, insbesondere auch für die Weidetierhalter, die den Herdenschutz richtig machen.“, so Silvester Tamás.


Autor: emw

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de