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Mercosur: Gut für Landwirtschaft und Umwelt?

Samstag, 20. Dezember 2025, 22:00 Uhr
Heute sollte in Rio de Janeiro nach fast 26 Jahren Verhandlung ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und vier Ländern Südamerikas abgeschlossen werden. Das hilft weder unserer Landwirtschaft noch der Umwelt. nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg mit einigen Gedanken dazu...

Unter anderem Billig-Soja, Palmöl und Billig-Rindfleisch aus Südamerika drohen den europäischen Markt noch mehr zu überschwemmen, als bisher schon. Auf der Strecke bliebe einmal mehr die grüne Lunge der Erde, der tropische Regenwald. (Foto: Vitor Dutra Kaosnoff from Pixabay) Unter anderem Billig-Soja, Palmöl und Billig-Rindfleisch aus Südamerika drohen den europäischen Markt noch mehr zu überschwemmen, als bisher schon. Auf der Strecke bliebe einmal mehr die grüne Lunge der Erde, der tropische Regenwald. (Foto: Vitor Dutra Kaosnoff from Pixabay)
Gerade erst haben europäische Bauern vor Handelsketten-Zentralen wegen zu niedriger Milch- und Butterpreise demonstriert. Ein Misthaufen, abgekippt vor einem Dresdner Supermarkt, steht symbolhaft für ihre Stimmung. Zuletzt wäre der Butterpreis beim Discounter stellenweise auf 99 Cent pro 250 Gramm-Stück Butter gefallen, liest man.

Doch bei Aldi, Lidl & Co zuckt man mit den Schultern: Schuld seien die niedrigen Weltmarktpreise für Milch.

Ortswechsel: Am Samstag wollte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in Brasilien mit Vertretern der vier südamerikanischen Länder Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, also mit Staaten der so genannten Mercosur-Gruppe, ein Freihandelsabkommen unterzeichnen, über das knapp 26 Jahre verhandelt wurde. Der Druck auf die EU ist angesichts der zunehmenden chinesischen Übermacht im Handel und auf Grund von Trumps gestiegenem Interesse an Südamerika sowie dessen unkalkulierbarer Zollpolitik gerade jetzt enorm.

Aber die Folgen des Mercosur-Abkommens für die Umwelt wären es sehr sicher auch. Denn weitgehende Zollfreiheit zwischen südamerikanischen Staaten und Europa begünstigt eine gesteigerte Regenwaldzerstörung zugunsten des Anbaus von Soja, Ölpalmen, Reis und der Produktion billigen Rindfleischs, zumal die Produktionskosten in Südamerika deutlich niedriger liegen, als in der EU.

Umweltverbände befürchten weitere Verluste der sich bereits im freien Fall befindlichen Artenvielfalt, mehr Einsatz von Pestiziden und Vertreibungen Indigener, die im Einklang mit der Natur leben. Bis heute wurden bereits rund 20 Prozent des Amazonas-Regenwaldes durch den Menschen zerstört. Forscher befürchten einen Kollaps des Amazonaswaldes, falls mehr als 25 Flächenprozent der Motorsäge oder Feuern zum Opfer gefallen sind.

Und die europäischen Bauern? In Brüssel wollen sie wiederholt gegen den unmittelbar bevorstehenden Abschluss des Mercosur-Abkommens protestieren. Gebeutelt durch niedrige Milchpreise droht aus ihrer Sicht nun auch noch eine Überflutung des europäischen Marktes mit Billigprodukten aus Übersee.

Ein weiteres Bauernsterben in Europa kann, bei aller Kritik an der intensiven Landwirtschaft, jedoch nicht im europäischen Sinne sein. Ihre Situation, der Zwang, immer weiter zu intensivieren, die Abhängigkeit ihrer Einnahmen von Subventionen, das zeigen die Butterpreise und die Ängste vor dem Mercosur-Abkommen, wurden erst durch die Globalisierung erzeugt.

Sinnvoller wäre es doch, sich im Interesse stabiler und existenzsichernder Preise wieder auf die nationale Vermarktung zu konzentrieren und die Abhängigkeit vom Welthandel mit all seinen Risiken zu reduzieren. Frühere Generationen machten es vor.

Zumal die Preise für importierte Obstexoten unter anderem klimawandelbedingt immer weiter steigen. - Hier nützt die Dumpingmaschine Weltmarkt derzeit gar nichts: Kakaopreis: Vervierfachung seit um 2020, der Rohkaffeepreis erreichte Anfang 2025 ein Allzeithoch und die zu Weihnachten so beliebten Orangen sind 80 Prozent teurer als noch 2020.

Vielleicht wäre daher eine noch stärkere Rückbesinnung der Politik auf die heimischen Produktionsmöglichkeiten und eine Reduktion internationaler Abhängigkeiten sinnvoll, statt diese durch weitere Globalisierungsabkommen noch zu erhöhen. Dies würde nicht nur der Situation unserer Landwirte zugutekommen, sondern auch ihren Einnahmen, die Flut weggeworfener Lebensmittel könnte reduziert werden und auch der Druck auf die heimische Umwelt durch den preisabhängigen Intensivierungsdruck könnte womöglich abnehmen.

Nach heutigem Stand wurde die für Sonnabend geplante Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens auf Grund italienischer und französischer Bedenken zwar um einige Wochen verschoben. Da die Europäer aber in wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Rücken zur Wand stehen und sich in den letzten Jahrzehnten massiv in den Globalisierungsnetzen verstrickt haben, wird es gewiss kommen. - Ohne größere Rücksicht auf die Umwelt und auf die heimische Wirtschaft. Die Versprechen der internationalen Staatengemeinschaft, den weltweiten Verlust der Urwälder entsprechend dem Glasgow-Protokoll bis 2030 zu stoppen, dürfte spätestens dann Makulatur sein.
Bodo Schwarzberg
Autor: psg

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