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Zwangssterilisation und Euthanasie im Kreis Sondershausen

Überraschungsfund im Archiv

Freitag, 06. Februar 2026, 11:31 Uhr
Am Dienstag, den 10. Februar um 18.30 Uhr, lädt das Schlossmuseum Sondershausen gemeinsam mit dem Förderkreis Schloss und Museum Sondershausen zu einem Vortrag in den Rosa Salon ein...

Das Gebäude des Gesundheitsamtes am Fürstenplatz 2, heute Elisabethplatz 2, rechts neben der katholischen Kirche. (Foto: Schlossmuseum Sondershausen, Fotoarchiv) Das Gebäude des Gesundheitsamtes am Fürstenplatz 2, heute Elisabethplatz 2, rechts neben der katholischen Kirche. (Foto: Schlossmuseum Sondershausen, Fotoarchiv)
Unter dem Titel „Überraschungsfund im Archiv – die, streng vertraulichen‘ Akten des Gesundheitsamtes zu Zwangssterilisation und Euthanasie im Kreis Sondershausen (1933–1945)“ spricht Dr. Jana Andreeva über neu entdeckte Archivbestände und deren erschütternde Inhalte.

Die Gesundheitsämter spielten während der Zeit des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der sogenannten „Rassenhygiene“. Lange Zeit galten entsprechende Akten für den Kreis Sondershausen als nicht auffindbar. Im Zuge weiterführender Recherchen wurde jedoch im Staatsarchiv Rudolstadt ein umfangreicher Aktenbestand des Staatlichen Gesundheitsamtes für den Landkreis Sondershausen entdeckt. Dieser umfasst rund sieben laufende Regalmeter und dokumentiert sogenannte „Erbgesundheitsangelegenheiten“.

Neben allgemeinen Sachakten zur nationalsozialistischen Erbgesundheitsgesetzgebung enthält der Bestand 470 umfangreiche Einzelfallakten zu Zwangssterilisationen aus den Jahren 1933 bis 1945. Im Vortrag stellt Dr. Andreeva exemplarisch zwei Einzelschicksale vor, die stellvertretend für die Vielzahl der Betroffenen stehen.

Darüber hinaus führten die Recherchen zu neuen Erkenntnissen über den Verbleib der Bewohnerinnen und Bewohner des Wilhelmstifts in Bad Frankenhausen. Nach der Schließung der Einrichtung wurden sie am 30. Juni 1939 in die Landesheilanstalt Pfafferode verlegt, wo sie offenbar innerhalb kurzer Zeit verstarben – vermutlich infolge von Unterernährung. Auch diesen Spuren geht der Vortrag nach.

Dr. Jana Andreeva studierte von 1985 bis 1991 Zahnmedizin in Berlin und Plovdiv. Seit 1991 ist sie als Zahnärztin tätig, seit 2006 arbeitet sie im Gesundheitsamt. Im Jahr 2020 übernahm sie die stellvertretende Leitung der Behörde. Die Recherchen zur Rolle der Gesundheitsämter bei der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene betrieb sie mit großer persönlicher Initiative. Ihren Antrieb beschreibt sie selbst mit den Worten: „Das hat mir keine Ruhe gelassen.“

Der Vortrag bietet einen eindringlichen Einblick in ein bislang wenig beleuchtetes Kapitel regionaler Geschichte und lädt zur Auseinandersetzung mit den Folgen nationalsozialistischer Gesundheitspolitik ein.

Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten.
Autor: red

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