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Vortrag im Panorama Museum

Mosaik - der DDR Comic

Freitag, 13. März 2026, 13:10 Uhr
Prof. Bernd Lindner - Kultursoziologe, Kulturhistoriker, Autor und Kurator - referiert demnächst im Panorama-Museum zu den "Diegedags" und "MOSAIK", dem beliebten Comic aus DDR Tagen, den es bis heute gibt...

»Orientalischer« könnte die Szenerie nicht sein: Vor einer Silhouette aus Moscheen und Minaretten jagt eine Gruppe wütender Männer in Pluderhosen – Turbane auf dem Kopf, Schnabelschuhe an den Füßen, Krummsäbel, Speere und Hellebarden schwingend – hinter drei knollennasigen Kobolden her. Auch sie in orientalische Phantasiekostüme gekleidet. Der Eine schwarz-, der Zweite blond- und der Dritte rothaarig. So tauchten Dig, Dag und Digedag im Dezember 1955 erstmals auf dem Titelblatt der Zeitschrift MOSAIK auf. Der einzigen, durchgängigen Comic-Heftreihe, die in der DDR erschienen ist.

Von nun an sollten die Digedags, wie sie alle nannten, treue Begleiter von Generationen von Kindern und Jugendlichen im Osten Deutschlands werden. Denn sie streiften mit ihnen durch Raum und Zeit – besuchten das alte Rom und ferne Galaxien, das Mittelalter ebenso wie den Wilden Westen – und ließen damit die muffige, enge DDR ebenso weit hinter sich wie auch deren staatlich gelenkte Pressezensur.

Hannes Hegen bei der seiner Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig 2012 (Foto: Agentur punctum/Alexander Schmidt) Hannes Hegen bei der seiner Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig 2012 (Foto: Agentur punctum/Alexander Schmidt)

Der Mann, der dies fertigbrachte, war allen nur unter dem Pseudonym Hannes Hegen bekannt. Eigentlich hieß er Johannes Hegenbarth, stammte aus einer weitverzweigten Glasmacher- und Künstlerfamilie aus Böhmisch Kamnitz (heute Česká Kamenice) und fand über das Kunsthandwerk und die Pressekarikatur zu seinen »Bildergeschichten« rund um die Digedags. Obwohl die Heftreihe lediglich 20 Jahre unter seiner Regie erschien (die Zeitschrift gibt es immer noch), ist das »MOSAIK von Hannes Hegen«, ebenso wie ihr Schöpfer, bis heute eine Legende. Hegens Traumfabrik beglückte nicht nur die DDR, sondern überlebte das Land um viele Jahrzehnte.

Prof. Bernd Lindner, Kultursoziologe, Kulturhistoriker, Autor und Kurator, war langjähriger Mitarbeiter am Zentralinstitut für Jugendforschung (ZIJ) in Leipzig und ab 1994 bis 2015 am Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig verantwortlich für die Sammlungsbereiche Fotografie, bildende Kunst und Gebrauchsgrafik. Er hatte 1995 mit seiner Habilitation an der Universität Karlsruhe die Lehrbefugnis auf dem Gebiet der Soziologie erworben. Dort erhielt er 2001 die außerplanmäßige Professur für Kultur- und Jugendsoziologie und lehrte lange Jahre als Privatdozent an der Universität Leipzig und an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.
Eintritt: frei
Autor: red

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